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Das Gartenhaus noch einmal verzaubert

Ilona Scherer
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Kultur im Gartenhaus Im Namen des Gemeinderats dankt Daniel Aeschbach dem Organisator Hanspeter Heri (links) und überreicht ihm einen Korb mit Köstlichkeiten aus dem Dorfschöpfli Freienwil.
Kultur im Gartenhaus Seit Juni 2013 organisierte Hanspeter Heri Hauskonzerte in seinem Gartenhaus in Freienwil
Kultur im Gartenhaus Hanspeter Heri (ganz links) bedankt sich bei seinen letzten Gästen, dem Pacific Quartet Vienna. V.l. .) Yuta Takase (Japan), Sarah Weilenmann (Schweiz), Chin-Tinig Huang (Taiwan) und Eszter Major (Ungarn/Tessin).
Kultur im Gartenhaus Freienwil Das Cembalo hat Heri verkauft. Es gehört jetzt einem Siebenjährigen aus Windisch AG.

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Sabrina Pugliatti

Das kulturelle Leben in Freienwil ist seit dem 14. November 2015 um ein grosses Stück ärmer: Zum letzten Mal lud Hanspeter Heri zu einem Konzert in sein Gartenhaus ein. An der Dernière verzauberte das Pacific Quartet Vienna das Publikum mit Stücken von Haydn, Mayuzumi und Brahms.

Etwas Wehmut schwang mit, als Hanspeter Heri um 21.15 Uhr vor die gut 50 Zuhörerinnen und Zuhörer im «ausverkauften» Gartenhaus trat. Heri, der sein grosszügiges Haus verkaufen und im Laufe des kommenden Jahres nach Baden ziehen wird, bedankte sich bei seinem treuen Publikum: «Euer Kommen war für mich immer Ansporn, aber auch Verpflichtung, ein gutes Programm auf die Beine zu stellen.»

Spannende Kontraste

Das war dem pensionierten Vermessungsingenieur auch am vergangenen Samstag anlässlich des letzten Hauskonzerts gelungen. Das preisgekrönte «Pacific Quartet Vienna» verzauberte das Publikum mit Streichquartetten von Joseph Haydn (C-Dur, Op 54 Nr. 2) und Johannes Brahms. Dazwischen präsentierten die Taiwanesin Chin-Ting Huang (Viola), Cellistin Sarah Weilenmann, der Japaner Yuta Takas (1. Geige) und die Ungarin Eszter Major (Violine) spannende Klänge, die man in Freienwil wohl noch nicht oft gehört hat: Eine Prelude des japanischen Komponisten T. Mayuzumi von 1961. Ein äusserst spannender Kontrast zu den beiden europäischen Vorträgen! «Dieses Stück ist eine Mischung aus Buddhismus und Sinitismus», erklärte Yuta Takas. Auch das gehörte zu den Hauskonzerten: Die Künstler erzählten dem Publikum jeweils etwas über ihre Darbietungen und liessen sie an ihren Gedanken teilhaben.

Als die letzten Töne von Johannes Brahms‘ Streichquartett Nr. 2 in a-Moll verklungen waren, hiess es Abschied nehmen. Und zum letzten Mal sagte Heri: «Manne und Fraue, ad Säck!» Denn im Gartenhaus gehörte es dazu, dass die Gäste nach dem Konzert halfen, die Stühle ineinander zu stapeln, um Platz für die Tische zu schaffen, die mit liebevoll angerichteten Apéro-Platten und Speckzopf von Heris Lebenspartnerin Sonja gedeckt wurden.

Cembalo gehört jetzt einem Siebenjährigen

Elf Hauskonzerte hat der ehemalige Gemeinderat Heri seit dem 14. Juni 2013 organisiert. Der Zufall wollte es, dass auch die Premiere vom Pacific Quartet Vienna gestaltet wurde. «Ein schöner Zufall», wie Heri findet. Mit dem renommierten Cembalisten und Organisten Oskar Birchmeier erwies ein anderer Weggefährte dem Freienwiler am letzten Abend die Ehre. «Oskar war es, der mir damals den Anstoss für dieses Projekt gegeben hat», verriet Heri. Birchmeier trat 2013 auch selber im Gartenhaus auf und spielte dabei auf dem Cembalo, das Heri mit seiner verstorbenen Frau Christine einst gekauft hatte. Das Tastinstrument steht jedoch nicht mehr im Gartenhaus: Am vergangenen Dienstag wurde es von seinem neuen Besitzer, dem siebenjährigen Samuel aus Windisch, abgeholt. Er sei froh, sagte Heri, dass es nun in besten Händen sei.

"Ich werde es vermissen"

Hanspeter Heri, der selbst nie ein Instrument spielen lernte (!), genoss den Kontakt mit den Musikern und die Einblicke in eine neue Szene, die ihm sein Projekt ermöglichten: «Ich habe es immer sehr gern gemacht und werde es vermissen!» Auch dem Publikum wird die Veranstaltungsreihe fehlen. Nirgendwo ist man näher dran. Kann den Künstlern in die Notenhefte blicken, ihre Atemzüge hören und ihre Blicke verfolgen, mit denen sich die Musiker ohne Worte verständigen. Auch für die Musizierenden ist diese Intimität befruchtend: «Der Kontakt zum Publikum ist uns wichtig», sagt Cellistin Sarah Weilenmann: Ihr Quartett tritt genauso gern im Gartenhaus vor 50 Zuhörenden auf wie vor Hunderten in der Oji Hall in Tokyo.

Klassische Musik künftig auch im Weissen Wind?

Das Ende von «Kultur im Gartenhaus» ist ein Verlust für das kulturelle Leben in Freienwil. Gemeinderat Daniel Aeschbach bedauerte dies in seiner Ansprache und dankte Heri für sein «grosses Engagement: Du hast die Kulturtätigkeit grossartig mit stilvollen, klassischen Elementen ergänzt. Es ist bewundernswert, wie Du das Gartenhaus mit dieser Kultur belebt und ihm eine neue Funktion gegeben hast!»

Bereits gebe es Bestrebungen, damit die Freunde klassischer Musik auch in Zukunft in Freienwil auf ihre Kosten kommen, verriet Gemeinderat Aeschbach: «Wir prüfen derzeit, ob es im Weissen Wind nach dem Umbau Möglichkeiten gäbe, dies anzubieten.» Ab Frühjahr 2016 soll das traditionsreiche Wirtshaus, in dem regelmässig moderne und volkstümliche Bands auftreten sowie Lesungen stattfinden, neu eröffnet werden. «Wir würden uns freuen, wenn Du uns dann mit Deinen Kontakten unterstützen würdest, auch wenn Du dann nicht mehr direkt im Dorf wohnst», sagte Daniel Aeschbach zu Hanspeter Heri. Die vielen Stammgäste zeigen, dass das Interesse dafür im Dorf und auch in der weiteren Region durchaus vorhanden ist.