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Abschiedskonzert des Neuen Kantatenchors Aargau

Helene Thürig
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Neuer Kantatenchor Aargau Chor und Instrumentalensemble des Neuen Kantatenchors Aargau unter der Leitung von Ernst Wilhelm in der katholischen Kirche Wildegg
Solisten im Chorkonzert und Dirigent Ernst Wilhelm Von links. Nino Aurelio Gmünder, Robert Braunschweig, Barbara Hensinger und Ernst Wilhelm

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Unter dem Titel „Bach und seine Wegbereiter“ gab der Neue Kantatenchor Aargau unter der Leitung von Ernst Wilhelm in der katholischen Kirche Wildegg sein erstes von drei Abschiedskonzerten. Dirigent und Chor verabschieden sich damit nach 31 Jahren qualitätvollen Musikschaffens von ihrem Publikum. Chorwerke von Schütz, Buxtehude und Bach zeigten zusammenfassend auf, was Ernst Wilhelms musikalische Anliegen waren: Aussagestarke Musik zu liturgischen, biblischen oder literarischen Texten, ausdrucksvolle Melodik, satte Klanggebung in Solostimme, Chor- und Orchesterklang, Sorgfalt im Detail und ein inniges Musizieren aller Beteiligten.

Von Heinrich Schütz stand die Vertonung von Psalm 121 auf dem Programm, ein mehrteiliges Werk, welches den Psalmtext gut verständlich vorträgt: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“. Drei Solisten und ein Ensemble von 12 Instrumentalisten standen dem Chor gegenüber und machten die Komposition abwechslungsreich und farbig. Ähnliches galt für Buxtehudes Kantate „Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken“; hier fielen einerseits das Solo des Bassisten und andererseits die wunderbar leichte Höhe des Chorsoprans auf. Zum Höhepunkt wurde die lutherische Messe in g-moll von Bach. Die beiden Messeteile Kyrie und Gloria boten nicht nur den Solisten (Bassist Robert Braunschweig in „Gratias“, Altistin Barbara Hensinger in „Domine fili“ und Tenor Nino Aurelio Gmünder in „Qui tollis“) sondern auch dem Chor Gelegenheit zu zeigen, was in dieser Komposition an Wunderbarem verborgen ist: berührende Gesangslinien als Ausdruck der menschlichen Seele und ein komplexes Chorgewebe, das ebenso gut bekennen wie jubeln konnte.

Zwei Orgelwerke von Frescobaldi und Buxtehude, vorgetragen an der neuen Goll-Orgel von der Continuistin Ruth Gimmel, schufen stille, meditative Inseln zwischen den Chorwerken. Damit entsprach auch die Orgelmusik dem ernsten Charakter dieses Konzerts, das bei aller Klangfülle eben doch einen Abschied bedeutete. Das grosse Publikum verdankte es zunächst mit respektvollem Schweigen, dann mit anhaltendem Applaus.

Die beiden letzten Konzerte mit der kommentierten Bachkantate BWV 187 „Es wartet alles auf dich“ finden am 20. und 21. September statt (www.kantatenchor.ch).