Leserbeitrag
58. GV des Walliser Vereins Baden und Umgebung

Fabienne Schmid
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CIMG1906.JPG Geschichtenerzähler Jürg Steigmeier

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Letzten Samstag den 17. November 2012 hiess der abtretende Präsident Fredy Imhof ein halbes hundert Mitglieder und Freunde des Vereins im Gasthof ‚Sternen’ beim Kloster Wettingen willkommen zu ihrer alljährlichen Generalversammlung.

Unter die ‚herausgeputzten Leut’ mischten sich auch einige Frauen in der traditionellen Walliser Arbeitstracht in rotweiss. Der stolze Vorstand unter der Leitung ihres Präsidenten bezog Stellung vor den erwartungsvollen Teilnehmern. Darunter auch bekannte Gesichter wie z.B. der ehemalige Polizeikommandant des Kantons Aargau Dr. Leon Borer mit seiner Angetrauten, Banker und auch ‚einfache’ Leute ja sogar Freunde aus dem süddeutschen Raum.

Die zu behandelnden Traktanden wurden zügig abgewickelt, Rechnung und Budget einstimmig genehmigt und allen Verantwortlichen wohlwollend Decharge erteilt wie es die Ordnung verlangt.

Eine kleine Ueberraschung ereignete sich bei den Erneuerungswahlen des Vorstandes indem Fredy Imhof nach vier Jahren im Vorstand wovon die letzten zwei Jahre als Präsident aus persönlichen und familiären Beweggründen seinen Rücktritt erklärte und kein Nachfolger oder gar Nachfolgerin in Sicht war. Immerhin hat Fredy zusammen mit drei weiteren Mitgliedern und unserem unermüdlichen Ehrenpräsidenten Peter Schmid den Verein vor vier Jahren vor dem ‚Aus’ gerettet.

Also ist der im Jahr 1955 ins Leben gerufene Verein erneut führungslos, obwohl sich die übrigen Vorstandsmitglieder zum Weitermachen bereit erklärt haben. Diese Situation versinnbildlicht die prekäre Lage, in der sich der etwas überalterte Verein zurzeit befindet. Obwohl dieser sich vor ein paar Jahren öffnete und auch Freunden aus dem näheren Umfeld die Möglichkeit bot Mitglied zu werden, fehlt es dem Verein an jungen unverbrauchten Kräften und vor allem Neuzuzügern aus dem Stammland Wallis.

Die Zeiten haben sich geändert. Als der Verein in den fünfziger Jahren gegründet wurde, war er wie ein Auffangbecken für ‚ausgewanderte’ Walliser in die Ausserschweiz (Uesserschwiiz), wo sie sich wiederfanden und ihren Traditionen und Sitten fröhnen konnten. Es war die Zeit als die Schweiz seinen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte und Arbeitskräfte auch aus dem Wallis anlockte. Zusammen mit ihresgleichen fanden sie im Verein ihre neue Heimat.

Anders heute. Die damaligen ‚Auswanderer’ sind integriert und die Jungen haben wenig Interesse an der Teilnahme in einem Verein, der nicht der ihre ist. Sie widmen sich ihren Aktivitäten, der Zeit angepasst. Und die neuen Walliser, die das Weite suchen in unseren Städten befinden sich einerseits gut ausgebildet und selbstbewusst in vorzüglicher Stellung. Sie kennen die Nöte der früheren ‚einfachen’ Walliser nicht mehr.

Trotzdem, wenn es unserem ehrwürdigen Verein nicht gelingt neue Kräfte zu mobilisieren wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis der Verein von der Bildfläche als Zeiterscheinung verschwinden wird. Was schade wäre, weil damit die bunte Vielseitigkeit mit den verschiedenen ethnischen Gruppen in der Schweizer Bevölkerung auch ein wenig verloren ginge.

Das Wallis als Lebensraum ist eigensinnig aber auch interessant und geprägt durch die wunderschöne Bergwelt. Starke Persönlichkeiten sind aus ihm hervorgegangen um nur einige zu nennen wie Christian Constantin den temperamentvollen Präsidenten des FC Sion oder Sepp Blatter den unverwüstlichen Präsidenten des Weltfussballverbandes FIFA oder den feinfühligen Heimatdichter Hannes Taugwalder aus dem Mattertal.

Dies zu einem Ausflug in die Geschichte des Walliser Vereins. Der weitere Verlauf des Abends war geprägt durch den Auftritt des bekannten Geschichtenerzählers Jürg Steigmeier aus Bad Zurzach, der uns das Fürchten lehrte als er uns wieder die alten Walliser Sagen von der Spinnerin vom Aletschgletscher (‚Dr alt Schmittia’) und dem Gratzug der verstorbenen Seelen ins Gedächtnis brachte.

Den Abschluss des Abends bildete das immer wieder traditionelle Lotto mit den verlockenden Speckseiten, Rohschinken, Trockenfleisch und Früchtekörben sowie dem guten Tropfen Pinot Noir aus dem Wallis. Nicht zu vergessen das mundende Nachtessen, das uns der Sternenwirt in vorweihnachtlichem Ambiente servierte.

Nach dem fröhlichen Erklingen der Walliser ‚Nationalhymne’ Nennt mir das Land so wunderschön ...’ machten wir uns auf den Heimweg in der Gewissheit tolle Menschen und einen gut organisierten Abend erlebt zu haben, der für ein weiteres Jahr andauern soll.

Joe Schmid

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