Coronavirus
Zürcher Studie beweist: Schulkinder geben das Virus selten weiter

An Zürcher Schulen kam es nur in sehr wenigen Klassen zu einer Häufung von Infektionen. Überraschung: Die Oberstufe schnitt nicht schlechter ab. Und: Schnelltests sind weniger zuverlässig.

Sabine Kuster
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Primarschule in Oetwil verzierte im Dezember Kerzen statt Kerzen zu ziehen, um Sicherheitsabstände während der Stunde einhalten zu können.

Primarschule in Oetwil verzierte im Dezember Kerzen statt Kerzen zu ziehen, um Sicherheitsabstände während der Stunde einhalten zu können.

CH Media

Dass Kinder sich gleich häufig wie Erwachsene mit dem Coronavirus anstecken, hat die Zürcher Studie «Ciao-Corona» Ende September nachgewiesen. Doch eine grosse Frage blieb damals unbeantwortet: Geben die Kinder das Virus also auch gleich häufig weiter? Dies interessiert besonders, da die Schulen nun geöffnet sind, und es geht auch um die Frage: Wie gefährdet sind Lehrpersonen? Die neuen Forschungsergebnisse stimmen zuversichtlich.

Die Universität Zürich testete zum zweiten mal 2500 Zürcher Schulkinder in 275 Klassen und 55 Schulen, mit einem Antikörpertest. Dieser zeigt, ob man sich in der Vergangenheit mit dem Coronavirus infiziert hat. Diese zweite Untersuchung wurde Ende Oktober bis Mitte November durchgeführt und erfasst den Stand der Ansteckungen bis Mitte Oktober, weil Antikörper erst zwei Wochen nach der Ansteckung gebildet werden. Demnach trifft die Studie die Zeit am Anfang der zweiten Welle. Aber noch nicht die starke Verbreitung, wie sie aktuell in der Schweiz vorherrscht.

Nur vier Klassen mit Ansteckungs-Häufungen

Das Resultat: Knapp acht Prozent aller Kinder hatten eine SARS-CoV2-Infektion durchgemacht. Aber keine ganzen Schulen und nur sehr wenige Klassen zeigten eine Häufung von Infektionen. In 130 Klassen wurden jeweils mindestens die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler getestet um solche «Cluster» zu entdecken. Unter diesen gab es nur sieben Klassen mit jeweils drei und mehr Schulkindern oder Lehrpersonen, die Antikörper hatten.

Von diesen sieben, fanden die Infektionen in drei Klassen nachweislich an unterschiedlichen Orten wie zum Beispiel in den Ferien statt. Somit gab es tatsächlich nur in vier Klassen (drei von hundert) Ansteckungshäufungen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sich Lehrerinnen und Schüler untereinander angesteckt haben. Milo Puhan, Co-Leiter der Studie, sagt dazu:

Wir wussten, dass Kinder andere auch anstecken können und sind nun überrascht, wie selten das geschieht.

Er zeigt sich erfreut, dass 90 Prozent aller Kinder und Lehrpersonen wieder bei der Studie mitgemacht haben für die zweite Etappe. Dies ist wichtig, um jene, die sich in der ersten Welle angesteckt haben, von jenen der zweiten (als Schulen geöffnet waren) abzugrenzen. Zudem haben Kinder aus allen sozioökonomischen Haushalten in repräsentativer Verteilung mitgemacht.

Die Schutzkonzepte der Schulen wirken

Das Studienergebnis bedeutet das auch: Schulen und Eltern haben nun einen wissenschaftlichen Beleg, dass das Festhalten an geöffneten Schulen in der Vergangenheit verantwortbar war. Die Corona-Taskforce des Bundes empfahl deshalb in einer Mitteilung letzte Woche, die Quarantäneregeln für Kinder unter 12 Jahren zu lockern.

Interessanterweise zeigte die Zürcher Studie, dass es aber zwischen Unter-, Mittel- und Oberstufe keine Unterschiede gibt. Dies, obwohl Teenager als genau so ansteckend wie Erwachsene gelten. Die Autoren erklären sich dies mit den Schutzkonzepten der Schulen.

Um die Lage noch aktueller erfassen zu können, suchten die Forscher zudem Anfang Dezember nach Infektionen mittels eines Akuttests (Abstrich) an vorwiegend stadtzürcher Schulen: Eines von 641 Kindern war zu diesem Zeitpunkt infiziert und keine der 66 Lehrpersonen. Susi Kriemler, Co-Studienleiterin und Epidemiologin an der Universität Zürich, sagt dazu: «Diese sehr niedrige Zahl stützt die Beobachtung aus der Hauptstudie, dass es im aktuellen Schulbetrieb mit den von den Schulen getroffenen Massnahmen kaum zu unbemerkten Ausbrüchen kommt.»

Fehlerquote bei Schnelltests ist relativ hoch

Ein überraschender Befund ergab der Vergleich zweier Tests: Die Kinder wurden mit den sensibleren PCR-Tests sowie mit den neuen Schnelltests untersucht. Dabei zeigte sich, dass sieben Schüler und zwei Lehrer falsch positiv getestet wurden: Die Schnelltests zeigten ein positives Ergebnis an, welches durch die PCR-Tests widerlegt werden konnte. Das bedeutet eine Fehlerquote von einem Prozent und ist keine gute Bilanz für die Schnelltests, die nun vielerorts eingesetzt werden.

Eine offene Frage bleibt: Haben sich die Erwachsenen im gleichen Zeitraum erneut ebenso häufig infiziert wie die Kinder? Die Forscher warten noch auf die Ergebnisse dem Labor des Genfer Universitätsspitals, wo diese ausgewertet werden. Sie sollten diese Woche eintreffen. Milo Puhan schätzt, dass die Durchseuchung mindestens so hoch ist wie bei den Kindern, dass sie also im Durchschnitt ebenfalls bei 8 Prozent, aber eher bei 10 Prozent liegen wird. Und er bilanziert:

Es deutet vieles darauf hin, dass sich die Kinder bei den Erwachsenen anstecken und das Virus selten weitergeben.