Früher wurden diese zum Stopfen von Kissen und Bettdecken verwendet. Heute sind es meist Gänsedaunen, die für die Herstellung von Duvets und Winterjacken gebraucht werden. Denn diese wärmen viel besser als Hühnerfedern.

Wohin also mit all den Nebenprodukten unseres Fleischkonsums? In vielen Ländern werden die Federn verbrannt, was zu einem erheblichen Ausstoss an Schadstoffen führt. Auch das Lagern in Deponien ist nicht gerade unbedenklich, weil so Krankheitserreger ins Grundwasser gelangen können.

In der Schweiz und den meisten europäischen Ländern hat man dagegen erkannt, dass es sich um einen wertvollen Rohstoff handelt. Hühnerfedern bestehen hauptsächlich aus Keratin, einem faserigen Eiweiss, das unter anderem auch in Haaren, Fingernägeln und Horn zu finden ist.

In der Schweiz ist die Firma Centravo mit Hauptsitz in Lyss die zentrale Annahmestelle für Schlachtnebenprodukte aller Art. Auch grosse Geflügelproduzenten wie Micarna und Bell liefern die Federn nach der Schlachtung an die Centravo AG. Gemäss Medienstelle fallen jährlich etwa 5500 Tonnen davon an.

Zusammen mit anderen Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, wie etwa ungeniessbaren Innereien, Haaren oder Horn, werden Federn in der Einteilung der Schlachtabfälle zur Kategorie 3 gezählt. Das heisst, dass sie nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden dürfen, wohl aber für Tierfutter oder für geeignete andere Anwendungen. Die Centravo verarbeitet die Federn aber nicht selber, sondern liefert sie ins nahe Ausland, vor allem nach Deutschland.

Schön glänzendes Hundefell

Eines der Unternehmen, welche sie sinnvoll zu nutzen weiss, ist die holländische Firma Sonac, die Rohware für Tierfutter und Dünger herstellt. Für diese Produkte sind auch Hühnerfedern willkommen. «Es handelt sich um eine wertvolle und nachhaltige Proteinquelle», sagt Sonac-Mitarbeiterin Carine van Vuure.

Weil die Federn ein Nebenprodukt seien, würden im Vergleich zu pflanzlichen Proteinen sowohl die Klimagas-Emissionen als auch der Landverbrauch bedeutend geringer ausfallen. Um die Sicherheit für die Verwendung als Futtermittel zu gewährleisten, muss der Rohstoff zuerst bei hoher Hitze sterilisiert werden.

Danach wird er zu Federmehl verarbeitet und chemisch verändert. Bei der sogenannten Hydrolyse reagiert das Material mit Wassermolekülen und reichert sich dabei mit Wasserstoffatomen an. «Dadurch wird das Federmehl gut verdaulich», erklärt die Spezialistin.

In dieser Form wird es Haustierfutter beigemischt – vor allem Hundekonserven. Der Anteil beträgt etwa fünf Prozent, variiert aber je nach Art und Alter des Hundes, für den das Futter bestimmt ist. «Der Zusatz ist wichtig für ein gesundes, glänzendes Fell», sagt van Vuure. Haustiere hätten einen natürlichen Bedarf am Proteinbestandteil Zystin, das im Feder-Keratin enthalten ist.

Auch Kraftfutter für Nutztiere – Rinder, Kühe, Schweine und Geflügel – enthält häufig hydrolysiertes Federmehl, jedoch nur auf anderen Kontinenten. In der EU und in der Schweiz ist die Beimischung nicht zugelassen. Weiter wird das verarbeitete Federmehl an Zuchtfische verfüttert, vor allem an Lachse. Dem Fischfutter können bis zu 15 Prozent zugefügt werden. Und auch als organischer Pflanzendünger sei das Produkt sehr nützlich, sagt die Fachfrau. «Es trägt zur Fruchtbarkeit der Ackerböden bei und fördert die nützlichen Mikroorganismen.»

Plastik ohne Erdöl

Neben der Tierfutter- und Dünge- industrie haben auch Forscher diverser Bereiche den günstigen, organischen Rohstoff im Blickfeld. In der Schweiz macht zum Beispiel das «Plastics Innovation Competence Center» in Freiburg Versuche mit Hühnerfedern. Institutsleiter Rudolf Koopmans möchte daraus Kunststoffe herstellen, die wiederverwertbar und organisch abbaubar sind. Sie könnten etwa anstelle der Alufolien in Getränkekartons verwendet werden.

Diese dichten die Verpackungen ab, damit sie geeignet sind für Flüssigkeiten. Zwar gibt es bereits eigene Sammelstellen für das Recycling von Getränkekartons, jedoch gelangt dabei nur der Karton in die Wiederverwertung. Weil die Alufolie mit einer Plastikfolie verklebt ist und nicht in Reinform vorliegt, wird sie verbrannt und taugt nur noch als Energieträger in Zementwerken.

Koopmans und sein Team möchten nun ein einheitliches Material entwickeln, dass gänzlich wiederverwertbar ist. Er kann sich auch vorstellen, dass Federkreatin zu Kunststofffasern verarbeitet wird. Diese könnten dann für medizinische Pflaster oder als Überzug von Papierbechern genutzt werden. Die Entwicklung brauche aber noch Zeit, betont der Forscher. Und damit die Produkte markttauglich werden, müsse vor allem der Preis drastisch sinken.

Koopmans befasst sich schon viele Jahre mit Kunststoffen. «Es handelt sich um geniale Materialien», sagt der Wissenschafter. «Wenn man die erdölbasierten Kunststoffe aber achtlos wegwirft und sie in die Natur gelangen, entstehen ökologische Probleme.» Mit seinen gut 20 Mitarbeitenden hat er sich deshalb zum Ziel gesetzt, Plastik aus verschiedenen natürlichen Materialien herzustellen, etwa für die Verpackung von Nahrungsmitteln. Sie sollen rezyklierbar und organisch abbaubar sein.

Kleider und Treibstoff

Auch in ausländischen Labors wird an Verwertungsmöglichkeiten der Abfallprodukte aus der Pouletmast und Eierproduktion geforscht. An der Universität Nebraska in den USA versuchen Wissenschafter, daraus Verbundwerkstoffe herzustellen. Die Federn sollen die Festigkeit von Kunststoffen erhöhen und gleichzeitig deren Gewicht verringern. Faserverbundkunststoffe kommen zum Beispiel bei Innenverschalungen von S-Bahnen, Schiffen, Designerstühlen oder Wasserrutschbahnen zum Einsatz.

Auch Kleider könnten künftig aus Federn hergestellt werden. Die flexible, leichte Konsistenz mit den Lufteinschlüssen wäre eine gute Voraussetzung, um Textilien ohne fossile Rohstoffe herzustellen.

An weiteren Ideen für eine Verwertung von Kreatin mangelt es nicht: Forschende möchten daraus Biodiesel herstellen, Filter, die Chemikalien aus Abwassern entfernen, oder Imprägnierungsmittel für Baumwollstoffe, um sie feuerfest zu machen. Bei den rund 45 Milliarden Hühnern, die weltweit jedes Jahr geschlachtet werden, wären wohl genug Federn für diverse Anwendungen vorhanden.