Winter
Warum Schnee glücklich macht und 14 weitere Fragen zur weissen Pracht

Die Standardfrage, warum Schnee weiss ist, haben wir nicht gestellt. Dafür wie lange eine Flocke fällt, bis sie die Erde erreicht und wie man beim Schlitteln am besten bremst. Fünfzehn Antworten zu Kälte und Schnee

Sabine Kuster, Laura Gianesi und Alexandra Fitz
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Es ist die Leichtigkeit der Kindertage, die uns beim Anblick von Schnee erfasst, sagt die Glück-Dozentin.

Es ist die Leichtigkeit der Kindertage, die uns beim Anblick von Schnee erfasst, sagt die Glück-Dozentin.

AFP

1. Ist Schnee essen ungesund?

Schnee essen ist nicht wirklich gesund, da Schmelzwasser ähnlich wie destilliertes Wasser keine Mineralstoffe enthält. Trinkt man zu viel davon, dann entzieht Schmelzwasser den Zellen im Körper die Mineralien, um den Unterschied auszugleichen und bringt den Elektrolythaushalt durcheinander. Aber nur, wenn über feste Nahrung nicht genug Mineralien aufgenommen werden.

Eva Schober Schweizerischer, Verband der Ernährungsberater/innen

2. Mögen Elefanten Schnee?

Ich beobachte bei jedem Wintereinbruch wie selbst die Elefanten sich neugierig ins Freie begeben und ein wenig der weissen Masse kosten. Auch das südamerikanische Nagetier Capybara ist vom Schnee fasziniert. Das Interesse ist also da, aber weil die exotischen Tiere nicht über das nötige Rüstzeug verfügen, um über längere Zeit an der Kälte zu bleiben, ziehen sie sich bald wieder in die Wärme zurück. Ein Tier, das sich perfekt an kalte Temperaturen angepasst hat, muss Schnee und Kälte aber nicht automatisch mögen. Auch Eisbären sind glücklich, auf einer Heizung sitzen zu können, wenn es ihnen zu kalt wird.

Robert Zingg, Biologe Zoo Zürich

3. Rechnen Schneeforscher damit, dass ihnen mit dem Klimawandel die Arbeit ausgeht?

Nein, sicher nicht. Unser Haupt-Arbeitsgebiet ist die Alpenregion, die auch in Zukunft noch Schnee haben wird. Gemäss Klimamodellen müssen wir in Zukunft eventuell auch damit rechnen, dass es einzelne Perioden mit grösseren Schneefällen als bis jetzt geben könnte.

Cornelia Accola, Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF

4. Wie stellt man weisse Farbe so rein wie Schnee her?

Beim Herstellen von Farbe müssen alle Komponenten in der richtigen Reihenfolge und Konzentration gemischt werden – wie beim Kuchenbacken. Die entscheidende Zutat bei der weissen Farbe ist das synthetisch hergestellte Weisspigment Titandioxid. Titandioxid ist auch in unserer Zahnpasta und im Papier enthalten.

Wolfram Selter, Farb- und Lackproduzent Bosshard und Co, Rümlang

5. Wieso knirscht Schnee, wenn wir darauf treten?

Schnee, der am Boden liegt, besteht nicht mehr aus einzelnen Körnern, die Schneekristalle sind zusammengewachsen – gesintert. Wenn wir über den Schnee gehen, zerbrechen wir die Schneekristalle und ihre Verbindungen. Dabei gibt es einen Knall, wenn auch einen sehr feinen, und das hören wir als Knirschen. Am deutlichsten hört man das Knirschen, wenn es kälter ist, ab etwa –8 oder –10 Grad. Wenn es wärmer ist, ist der Schnee beziehungsweise das Eis recht weich, und es gibt einen stärkeren Wasserfilm zwischen den Kristallen. Dadurch können die Kristalle besser aufeinander gleiten, und es kommt nicht zu so vielen Brüchen – dann knirscht es weniger. Neuschnee knirscht besonders gut, da er aus vielen filigranen Kristallen besteht, die leicht brechen.

Cornelia Accola SLF

6. Wenn wir schon beim Thema schöner Schnee sind: Was ist Kanadapowder – und gibts den auch in der Schweiz?

Kanadapowder bezeichnet einen besonders leichten, kalten Neuschnee, der meist bei wenig Wind gefallen ist. Es ist Schnee von geringer Dichte und gilt als ideal zum Skifahren. Der Begriff stammt aus den Rocky Mountains, wo solche Schneebedingungen speziell häufig vorkommen. Im Prinzip kann es diesen Schnee auch bei uns geben, wenn es sehr trocken ist und schöne, sehr symmetrische Schneekristalle fallen.

Cornelia Accola SLF

Wir spüren einen gewissen Wunsch nach Wärme ... Tokind Paintmoutnain / via Facebook
52 Bilder
Auch hier heisst es: Den Sommer trägt man im Herzen! Roberta Gremminger / via Facebook
Ganz klassisch mit Besen und Hut. Bambi Di Pazza Rüegg / via Facebook
Auch mit wenig Schnee ... ... kann man einen Schneemann bauen, dänk.
Verschnaufpause! Gebaut von Familie Gaberthüel sitzt dieser Schneemann in der Nähe des Friedhofs Bergli in Zofingen.
Wer ist der Schuldige? Massimo und Markus amstutz / Zofingen AG
Bad Hair Day? Monika Siegrist / Uerkheim AG
Ein echter Schweizer kennt keine Kälte. Familie Sinners / Strengelbach
Weihnachten ist zwar vorbei ... ... aber das stört mich doch nicht!
Adrett und schlaksig.
Ein freundlicher weisser Riese. Familie De Liquori / Zofingen AG
Fast unheimlich realistisch, der kalte Mann. Jolanda Ernst / Utzenstorf BE
Die Null-Kalorien-Variante. SuzAna Senn-Benes / Nussbaumen AG 2
Es ist angerichtet! SuzAna Senn-Benes / Nussbaumen AG
Ob die Verarztung noch hilft? Sandrine Gygax / Suhr AG
FC Wettingen-Fan. Kurt Mathys / Wettingen AG
Wenigstens einer der Familie beherrscht den Kopfstand. Lilly Flückiger / Hausen AG
Schneemänner Januar 2017
Leicht gequält: Ob er ein Gfrörli ist? Jolanda Ernst / Utzenstorf BE
Mal einer, der nicht stehen muss. Peter Lauber / Oberbuchsiten SO
Hände in die Höhe! Claudia Kropf / via Facebook
Zwei neue Freunde. Christoph Erismann / Suhr AG
Der eine echt, der andere nicht. Domina Steffen / via Facebook
Jööö. Esther Tellenbach / Seon AG
Nicht zu übersehen! Martin Zimmermann / Mägenwil AG
Das Schicksal eines jeden Schneemanns. Felix Klingele / Laufenburg AG
Unübersehbar ist dieser kalte Kerl ein HC Davos-Fan. Selina Koch / via Facebook
Wann wird diese Freundschaft enden? Jenny London / via Facebook
Schneedame. Blazenka Grgic-Subasic / via Facebook
Ob ihm das Sonnenbad gut bekommt? Nici Geissbühler / via Facebook
Dieser Schneemann wollte am Dienstagabend selbst Schnee schippen. Stephanie Igel / via Facebook
Dieser süsse Kerl ist nur eine Hand gross. Jasmin Nathalie Bachmann / via Facebook
Fenstersimsschneemännchen. Robert Steinmann / via Facebook
Das sind Amely und Schneekönigin Elsa. Martha Vogt Krebs / via Facebook
Das kalte Herz am rechten Fleck. Nicole Kaspar / via Facebook
Schnee-Büsi von vorne. Alekxandra Mihajlovic / via Facebook
Schnee-Büsi von der Seite. Alekxandra Mihajlovic / via Facebook
Leichter Seitenschlag für diesen Kerl hier. Jrene Lüscher-Grossenbacher / via Facebook
 Yvonne Seiler / via Facebook
 Fränzi Heim-Schmid / via Facebook
Wer ist schon gerne alleine bei dieser Kälte. Fränzi Heim-Schmid / via Facebook
Dieses Exemplar hat es auf eine stolze Grösse von 2,5 Metern gebracht. Emma Strauss / via Facebook
Statt Schneemann heissts hier Schneebär. Lea Rohrbach / Biberist SO
Gut ausgestattet auch bei Nacht. Fränzi Heim-Schmid / via Facebook
Unser Redaktor Elìa Diehl genoss es, sich wiedermal wie ein Kind zu fühlen. Elìa Diehl, az-Onlineredaktor aus Aarau
Werden sich diese beiden Herren demnächst duellieren? Willy Keller / Schönenwerd SO
Gut, das ist nicht wirklich ein Schneemann. Anschauen tun wir ihn trotzdem gerne. Um dann von der Wärme zu träumen. Peter Kaspar / via Facebook
Schneemann mit Aussicht. Ivelina Antonova / Aesch BL
Eher ein Schneemann aus Zufall, wie er hier auf dem Fudenchopf ob Gränichen. Regula Toscan / Gränichen AG
Jööö – dieses Schneegetier erhielt sogar noch einen Anstrich. Birgit Mutz / Schönenwerd SO
Jööö. Esther Tellenbach / Seon AG
Und zu guter Letzt, der Gleichberechtigung wegen, hier noch eine Schneefrau. Christine Haefliger-Meyer / via Facebook

Wir spüren einen gewissen Wunsch nach Wärme ... Tokind Paintmoutnain / via Facebook

Zur Verfügung gestellt

7. Warum sind die meisten Winterschuhe hässlich?

Es gibt zwei Gründe: Winterschuhe müssen eine Sohle mit gutem Profil haben. Und weil der Schuh auch gefüttert ist, sieht er aus, als wäre er grösser als man selbst. Ich habe Ugg-Boots aus Lammfell, die hässlichsten Schuhe der Welt, und Militärstiefel, die auch weit weg von schön sind. Wenn es wichtig ist, nehme ich deshalb die Highheels in der Handtasche mit.

Anna Haldimann, Styling Coach

8. Wie steure ich einen Schlitten am besten?

Es gibt drei wichtige Punkte: Sitz aufrecht auf dem Schlitten. Strecke die Beine nicht durch, sondern winkle sie an und bremse mit dem flachen Fuss statt mit der Ferse. In dieser Position gelangt uns der aufgestobene Schnee nicht ins Gesicht und die grössere Fläche der Füsse verkürzt den Bremsweg. Auch verkleinert man so das Risiko auf verdrehte Knöchel und Knie.

Christian Mark, Sportgeschäftbesitzer in Bergün

9. Herr Munter, was fasziniert Sie am Schnee so, dass Sie ihn zum Beruf gemacht haben?

Wasser ist eines der faszinierendsten Elemente auf Erde, wenn nicht das faszinierendste. Die Wolken transportieren Wasser in allen drei Aggregatzuständen um den Globus. Darin ist eine ungeheure Energie enthalten – die Atombombe ist ein Nadelstich dagegen! Schnee im Besonderen gibt es in einer unendlichen Vielfalt. Es sind wohl noch nie zwei genau gleiche Kristalle zur Erde gefallen. Und wie sich der Schnee dann wandeln kann! Am Montagmorgen bin ich schneeschuhwandern gegangen: Der Pulverschnee hatte sich schon etwas gesenkt, das heisst transformiert. Da liegt ein jungfräulicher Hang vor einem, dabei ist er vielleicht schon lawinenschwanger. Der Schnee ist schön und gleichzeitig gefährlich, das ist faszinierend.

Werner Muter, Lawinenexperte

10. Wie unterscheidet man die Schneespuren eines Fuchses von denen einer Katze?

Nicht nur die Spuren von Füchsen und Katzen, sondern auch von Hunden, Luchsen und Dachsen sind in der Praxis fast unmöglich auseinanderzuhalten. Ein Anhaltspunkt kann die Grösse sein, zum Beispiel zwischen einer Katze und einem Hund. Aber auch hier gibt es Hunde, die so klein sind, dass man ihre Spuren für diejenigen von Katzen halten kann. Man müsste eine DNA-Analyse der liegen gebliebenen Haare durchführen, um sicherzugehen, welches Tier die Spuren hinterlassen hat. Es gibt also keine feste Regel, an der man Füchse von anderen Tieren unterscheiden kann. Eine Tendenz jedoch schon: Meistens schnürt ein Fuchs. «Schnüren» bedeutet, dass er beim Gehen eine Tatze hinter die andere setzt, während bei einer Hundespur zwischen linken und rechten Pfoten unterschieden werden kann.

Hans-Rudolf Müller, städtische Jagdaufsicht Aarau

11. Wie lange dauert es, bis eine Schneeflocke vom Himmel auf die Erde gefallen ist?

Eine halbe bis zu einer Stunde.

Cornelia Accola, SLF

12. Am Boden werden die Flocken dann vom Salz aufgelöst. Wie geht das eigentlich?

Salz setzt den Schmelzpunkt von Eis und Schnee herab. Dies nennt man die sogenannte Schmelzpunkterniedrigung. Der Gefrierpunkt dieser Lösung beträgt bis zu −21 Grad Celsius.

Cornelia Accola, SLF

13. Wie muss ich fahren, wenn die Strassen vereist sind?

Passen Sie das Tempo an und vergrössern Sie den Abstand zum vorderen Fahrzeug. Und ganz wichtig: Wer jetzt noch keine Winterpneus montiert hat, soll das Auto unbedingt stehen lassen! Der Bremsweg auf Schnee und Eis ist mit Sommerpneus mehr als doppelt so lange wie mit Winterpneus. Kommen Sie beim Bremsen ins Rutschen oder in einer Kurve ins Schleudern, dann kuppeln Sie bei Autos mit manueller Schaltung aus, treten Sie voll auf die Bremse und tätigen Sie keine hektischen Lenkbewegungen. Rechnen Sie generell mehr Zeit ein, dann gibt es keinen Stress. Ohne Stress fährt man gelassener und sicherer.

Daniel Graf, Mediensprecher Touring Club Schweiz

14. Warum mag der Swisspass die Kälte nicht?

Der Swisspass mag die Kälte grundsätzlich sehr, vor allem, wenn er als Skiabo eingesetzt wird. Gemäss einzelnen Skigebieten gab es Fälle von Skifahrern, bei denen die Karte zerbrochen ist. Es scheint sich um eine begrenzte Zahl zu handeln.

Reto Schärli, SBB-Mediensprecher

15. Warum ist die blaue Skipiste nicht etwa grün?

An die Gründe für die Farbenwahl der Pisten kann sich niemand mehr genau erinnern. Die Einteilung der Pisten nach Schwierigkeitsgraden wurde aber auf eine Empfehlung der Rechtskommission des internationalen Skiverbands FIS in den späten Sechzigern eingeführt.

Andreas Keller, Leiter Kommunikation Seilbahnen Schweiz

16. Warum macht es glücklich, am Morgen aus dem Fenster in eine verschneite Welt zu blicken?

Schnee verbinden wir mit Kindheitserinnerungen. Es ist die Leichtigkeit der Kindertage, die uns erfasst. Sogar ich als 60-Jährige fange, wenns schneit, mit meiner Zunge wieder Schneeflocken. Das ist auch die Reinheit der Landschaft. Eine Ruhe stellt sich ein, alle Geräusche sind gedämpft.

Marina Berini, Dozentin Schulfach Glück