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Wer Skipisten lieber meidet, für den steht die Welt der Winterwanderungen offen

Dass der Wanderboom vom Sommer auf den Winter überschwappt, ist verständlich: Er ist entschleunigend und braucht wenig mehr als gute Schuhe und eine gefüllte Thermoskanne.

Silvia Schaub
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Im Toggenburg findet sich immer wieder die eine oder andere Sonnenterrasse.

Im Toggenburg findet sich immer wieder die eine oder andere Sonnenterrasse.

Bild: Toggenburg Tourismus

Einfach loslaufen. Das Knirschen von frischem Schnee unter den Füssen ­spüren. Das feine Rieseln der Flocken betrachten, die von den Ästen fallen. Hören, wie leise alles wird, wenn man durch die weisse Natur stapft. Eben haben wir das Toggenburger Dorf Hemberg hinter uns gelassen und sind nach dem Gasthaus Bad in die herrliche, unberührte Winterlandschaft eingetaucht. Schneekristalle glitzern um die Wette, die tief verschneiten Bäume schenken uns märchenhafte Licht-und-Schatten-Spiele. Mit jedem Schritt auf dem präparierten Winterwanderweg bietet sich uns ein neuer Blickwinkel auf die Landschaft. Und weit und breit kein Mensch.

Winterwandern ist die ruhigste, entschleunigendste und auch ökologischste Art, den Winter zu erleben und trotzdem aktiv zu sein. Kein Gerangel und Anstehen vor der Gondel oder dem Sessellift. Keine Probleme mit dem ­Social Distancing. Das Winterwandern ist nicht nur deshalb gerade die Aktivität des Winters.Heinz Keller von Schweiz Tourismus berichtet:

«Analog zum Sommer entdecken immer mehr Leute auch das Wandern im Winter.»
Heinz KellerExperte Touristische Destinationen bei Schweiz Tourismus

Heinz Keller
Experte Touristische Destinationen bei Schweiz Tourismus

Matthias Piazza

Längst lockt der Schnee die Wintersportler nicht nur auf die Pisten und Loipen, seit einigen Jahren wünschen sie eine gewisse Multioptionalität. Am Morgen auf den Ski, am Nachmittag zu Fuss auf den Winterwegen. Der Vorteil am Winterwandern: Es ist für jedes Niveau zugänglich. Und: Es braucht dazu keine spezifischen Hilfsmittel – ausser guten Wanderschuhen, warmer Kleidung, Sonnenbrille und Sonnencreme.

Jeder Fünfte wandert auch im Winter

Viel zu dem Boom in der Schweiz beigetragen hat Schweiz Mobil. Seit das nationale Netzwerk für den Langsamverkehr Winterwanderrouten auf seiner Website aufschaltet, ist die Nachfrage deutlich gestiegen. Inzwischen kann man aus fast 160 Winterwanderungen in der ganzen Schweiz aussuchen. Jedes Jahr kommen neue dazu.

Es sei eine «Best of»-Auswahl aller Routen, betont Lukas Stadtherr, Mitglied der Geschäftsleitung von Schweiz Mobil. Der Vorteil der Winterwanderwege: Sie seien mit pink Wegweisern markiert, sind an den öffentlichen Verkehr angebunden, und im Internet oder in der App bekommt man alle wichtigen Infos wie Länge, Höhenmeter oder besondere Sehenswürdigkeiten.

Viele Destinationen haben in den letzten Jahren weitere Routen ausgebaut, oft Rundwege in sonniger Höhe. Denn sie haben entdeckt, dass sie mit einem guten Winterweg-Angebot zusätzlich punkten und neue Gäste anlocken können. Laut einer aktuellen Studie von Sport Schweiz wandert bereits jeder fünfte Schweizer auch im Winter. Und sie kommen aus allen Altersgruppen. Das biedere Image hat das Winterwandern also abgelegt.

Blick auf den Glärnisch vom Freiberg Lärpf.

Blick auf den Glärnisch vom Freiberg Lärpf.

Keystone

Auf schneebedecktem Untergrund

Was aber unterscheidet einen Winter- von einem Sommerwanderweg? Die einfache Definition: Es ist ein Wanderweg auf schneebedecktem Untergrund. Die Wege werden den ganzen Winter über instand gehalten, etwa wenn es frisch geschneit hat oder eisige Stellen entstanden sind. Die Routen sind eher kürzer (meist weniger als drei Stunden) als die Sommerwanderungen, führen durch landschaftlich at­traktive Gegenden in meist sonniger Lage und mit schöner Aussicht. Und im besten Fall kommen sie auch an der einen oder anderen Verpflegungsstätte vorbei.

Wie auf unserer Rundtour. Nachdem wir den Hügel Salomonstempel – der nichts mit König Salomon zu tun hat – über offenes Gelände erreicht haben, geniessen wir erst einmal die herrliche, von dieser Seite wenig bekannte Sicht auf den Säntis und das Alpsteinmassiv. Danach tauchen wir in den tief verschneiten Wald ein, wo die Stimmung geradezu meditativ ist und wir uns fast eins mit der Natur fühlen. Nur ein paar Tierspuren verraten, dass wir nicht allein unterwegs sind.

Bei Kellen überqueren wir die Hauptstrasse, gehen ihr ein Stück entlang und zweigen dann Richtung Rigelschwendi ab. Dann sind wir schon bald beim Skilift, wo wir uns im Skihus auf der Sonnenterrasse stärken können vor dem kurzen Stück zurück zum Ausgangspunkt in Hemberg.

Toggenburg SG

Strecke: Hemberg—Salomonstempel—Rigelschwendi—Hemberg (7,7 Kilometer)
Zeit: 2½ Stunden
Höhendifferenz: Aufstieg 193 m, Abstieg 193 m

Weissenstein SO

Es sieht im Moment gut aus, dass man in diesem Winter auch im Mittelland winterwandern kann. Wenn es unten grau und oben strahlend blau ist, lockt zum Beispiel der Weissenstein. Mit der modernen Panoramagondel geht es von Oberdorf auf Solothurns Hausberg. Eine leichte, auch für Familien gut machbare Rundtour führt vom Restaurant Sennhaus zum Hinter-Weissenstein und zurück. Ohne grosse Steigung wandert man auf dem markierten Pfad über das Hochplateau dem Waldrand entlang Richtung Westen. Bei gutem Wetter geniesst man hier einen beeindruckenden Weitblick, der von den Berner und Walliser Alpen bis zum Montblanc sowie übers Mittelland bis zum Säntis reicht.

Strecke: Weissenstein Restaurant Sennhaus—Hinter-Weissenstein und zurück (4 Kilometer)
Zeit: 1¼ Stunden
Höhendifferenz: Aufstieg 90 m, Abstieg 90 m

Diemtigtal BE

Rundweg mit Weitsicht auf die Hügel und Berge des Diemtigtals.

Rundweg mit Weitsicht auf die Hügel und Berge des Diemtigtals.

zvg

Wirklich überlaufen ist das Diemtigtal, die Heimat des Schwingerkönigs Kilian Wenger, ohnehin nicht. Ruhe findet man erst recht, wenn man sich hoch über dem Talboden bei Horboden und Rothbad nach Springenboden im Naturpark Diemtigtal begibt. Beim Parkplatz des Gasthauses Gsässweid führt ein breiter, präparierter Winterwanderweg zuerst Richtung Alp Ottenschwand und verläuft dann durch verschneite Wälder und an einsamen Alphütten vorbei. Vom höchsten Punkt aus geniesst man eine schöne Weitsicht auf die umliegenden Berge des hinteren Diemtigtals und des Simmentals. Via Chüeweid führt der gut zweistündige Rundweg zurück zum Ausgangspunkt.

Strecke: Springenboden–Alp Ottenschwand—Chüeweid—Springenboden (7 Kilometer)
Zeit: 2¼ Stunden
Höhendifferenz: Aufstieg 240 m, Abstieg 240 m

Mathon GR

Keine Skipisten, keine Schlittlerinnen oder Langläufer – im Naturpark Beverin wandert man allein.

Keine Skipisten, keine Schlittlerinnen oder Langläufer – im Naturpark Beverin wandert man allein.

Claudine Sydler

Auf dieser Route im Naturpark Beverin muss man keine Skipisten kreuzen, und auch sonst wird man nur wenigen Menschen begegnen. Hoch über dem Schamsertal führt die Libi-Runde von Mathon aus zum Fuss des Piz Beverin. Der Weg führt durch den Wald zum Maiensäss Nutschias. Schon bald hat man die Waldgrenze erreicht und gelangt durch offenes Gelände zum Libi-­See, dem höchsten Punkt der 3½-stündigen Winterwanderung. Die Aussicht auf die Berggipfel ist grandios. Via Dros geht es nach Ma­thon zurück.

Strecke: Route 370 Libi—Winterwanderweg Mathon— Mathon (9 Kilometer)
Zeit: 3½ Stunden
Höhendifferenz: Aufstieg 480 m, Abstieg 480 m

Heiligkreuz–First LU

In der Biosphäre Entlebuch Allein schon der Ausgangspunkt Heiligkreuz wirkt irgendwie entschleunigend. Schliesslich ist der Ort in der Unesco-Biosphäre Entlebuch ein Kraftort sondergleichen. Gestartet wird für diese Rundtour bei der Talstation des Skilifts. Zu Fuss geht der Weg anfangs noch der schneebedeckten Strasse entlang, dann über offenes Gelände bis zur Reistegg. Dann wird der Weg etwas schmaler und führt durch den Wald hinauf zum Bergrestaurant First. Von hier geniesst man einen herrlichen Rundblick über das Napfgebiet und die Jurakette. Zurück geht es neben der Skipiste hinab Richtung Kleine First, dann durch den Wald bis zum Pfad des Märchenwegs Wurzilla und nach Heiligkreuz.

Strecke: Route 605 Heiligkreuz–Reistegg-First—Kleine First—Heiligkreuz (6 Kilometer)
Zeit: 2¼ Stunden
Höhendifferenz: Aufstieg 300 m, Abstieg 300 m

Weitere Winterwanderrouten unter www.schweizmobil.ch oder www.myswitzerland.com.