Nebenwirkungen
Schockreaktion nach Coronaimpfung: Doch nicht alle Allergiker sind gefährdet

Aus Grossbritannien und den USA wird von allergischen Schocks nach Coronaimpfungen berichtet. Wer ist gefährdet und wie gross ist das Risiko? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Niklaus Salzmann
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Droht nach der Impfung ein Kollaps? Das Risiko ist nur für sehr wenige Menschen hoch.

Droht nach der Impfung ein Kollaps? Das Risiko ist nur für sehr wenige Menschen hoch.

Keystone

Wie häufig sind schwere allergische Reaktionen nach Coronaimpfungen?

Aus den Impfstoff-Studien kann dazu keine verlässliche Aussage gemacht werden, da Personen mit einer bekannten schweren Allergie auf einen Inhaltsstoff ausgeschlossen waren. Bislang sind zwei Fälle ernster allergischer Reaktionen aus Grossbritannien und sechs aus den USA bekannt, das sind acht Fälle auf mehrere hunderttausend Impfungen. Auch Peter Schmid-Grendelmeier, Leiter der Allergiestation am Universitätsspital Zürich, sagt, heikle allergische Reaktionen auf Impfungen seien ausgesprochen selten und nur in etwa bei 1 auf 100'000 Personen zu erwarten.

Welche Impfstoffe sind betroffen?

Bei den bisherigen Fällen ging es um den Impfstoff von Biontech/Pfizer, der auch für die Schweiz zugelassen ist. Zudem gab es einen Fall einer ernsten allergischen Reaktionen auf den Impfstoff von Moderna.

Wie gefährlich sind solche allergischen Reaktionen?

Die schwerste Form, der sogenannte anaphylaktische Schock, kann im schlimmsten Fall zu Kreislaufversagen und zum Tod führen. Jedoch spricht der Körper in der Regel rasch auf die Behandlung an und die Symptome sind gut in den Griff zu kriegen.

Wann und wie kann ich den Schock erkennen?

Typische Symptome sind Nesselfieber (ein juckender Hautausschlag), Schwellungen von Gesicht und Lippen, Atemnot, Kreislaufprobleme, seltener Magen-Darm-Beschwerden, oft mehrere Symptome zusammen. Bei solchen rasch auftretenden Symptomen muss sofort eine Ärztin oder einen Arzt kontaktiert werden. Sie können sich schon wenige Minuten nach der Impfung zeigen, meist innert weniger als einer halben Stunde. Wer unsicher ist, sollte deshalb nach dem Impfen eine halbe Stunde vor Ort in der Nähe des medizinisches Personals bleiben.

Sehr viele Menschen haben die eine oder andere Allergie. Wer ist besonders gefährdet?

Vorsicht angebracht ist laut Allergologe Peter Schmid-Grendelmeier bei Menschen, die bereits einmal eine schwere allergische Reaktion auf ein gespritztes Medikament oder eine solche Reaktion ohne erkennbare Ursache hatten. Wer hingegen etwa auf Insektenstiche, Milben, Pollen oder nicht gespritzte andere Medikamente allergisch ist, ist deswegen nicht speziell gefährdet.

Ich hatte bei früheren Impfungen Schweissausbrüche, bin bleich geworden oder gar ohnmächtig. War das eine allergische Reaktion?

Nein, diese bekannten Symptome des vegetativen Nervensystems haben nichts mit einer Allergie zu tun. Es sind vielmehr reflexartige Reaktionen auf die Spritze. Sie sind unbedenklich; um Stürze zu vermeiden, sollten anfällige Personen aber nach der Impfung in Nähe einer Liegegelegenheit bleiben.

Welcher Stoff löst die Allergie aus?

Im Verdacht steht eine Substanz namens Polyethylenglycol (PEG). Seltene allergische Reaktionen auf PEG sind von anderen Medikamenten, die gespritzt werden, bekannt. Von den Impfstoffen, die für die Schweiz bislang vorgesehen sind, kommt PEG im bereits zugelassenen von Biontech/Pfizer vor, sowie in demjenigen von Moderna vor, nicht aber im Impfstoff von AstraZeneca.

Können sich Menschen mit verdächtigen Allergien nicht impfen lassen?

Doch, es gibt auch für sie sichere Möglichkeiten. Entweder können sie im Voraus mit einem Allergiehauttest abklären, ob sie tatsächlich auf PEG allergisch reagieren. Oder sie warten auf die Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca, der kein PEG enthält.

Kann der Impfstoff von AstraZeneca stattdessen andere Stoffe enthalten, welche eine Allergie auslösen können?

Ja, das kann nicht ausgeschlossen werden. Allfällige seltene allergische Reaktionen könnten sich zeigen, wenn zahlreiche Menschen damit geimpft werden.