Kurios
«Nicht lauter als eine Geschirrspülmaschine»: In dieser Stadt fährt der Zug mitten durch den Wohnblock

Die chinesische Stadt Chongqing im Südwesten Chinas ist derart dicht besiedelt, dass für den Bau neuer Zugverbindungen an ungewöhnlichen Orten Platz geschaffen werden musste. Zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus.

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Über 30 Millionen Menschen leben in Chongqing auf einer Fläche von 78 Quadratkilometern. Das sind viele Menschen, die auf einen effizienten öffentlichen Verkehr angewiesen sind. Doch wo Gleise verlegen für neue Zugverbindungen, wenn die Häuser bereits dicht an dicht stehen?

Im Falle einer Metrolinie hatten die Ingenieure eine ungewöhnliche Idee. Durch einen Tunnel im Berg konnten sie den Zug nicht fahren lassen, dafür ist das Erdbebenrisiko in der Region zu hoch. Stattdessen bauten sie einen 132 Meter langen Tunnel durch ein Mehrfamilienhaus.

Den Bewohnern wurde dabei versprochen, dass die Züge sehr leise fahren – «nicht lauter als eine Geschirrspülmaschine im Nebenzimmer» sei eine Durchfahrt. Laut staatlichen Medien habe es tatsächlich keine Beschwerden gegeben.

Schweizer Beispiel: Kirchstrasse 57 in Grenchen

Ähnlich dicht ist auch das Schienennetz in der Schweiz. Dass es da Menschen gibt, die nur eine Handbreit vom nächsten Schnellzug entfernt leben, erstaunt nicht. Kurz vor dem Bahnhof Grenchen Nord zum Beispiel jagen die Züge haarscharf an einem Haus vorbei. Wir wollten wissen, wie es sich dort lebt und haben die Familie Grossrieder getroffen:

Das Haus an der Kirchstrasse 57 liegt direkt an den Gleisen der Bahnlinie Lengnau-Münster
16 Bilder
Wer lebt wohl in diesem Mehrfamilienhaus?
Durchs Fenster sieht man eine Steinwand des Bahntrassees
Blick ins Treppenhaus
Erbaut wurde das Haus an der Kirchstrasse 57 gleichzeitig mit dem Bau des Bahnviadukts (1911-1915).
Mit der Bahnlinie wurde Grenchen direkt an die Strecke Biel-Basel angebunden worden.
Die Stromleitungen wirken extrem nah
Hier wird man Willkommen geheissen
Die Familie Grossrieder lebt in Grenchen direkt neben den Gleisen
Cristiany Grossrieder stammt aus Brasilien und wurde von ihren Eltern in die Schweiz geschickt.
Zurückkehren will sie nicht: In der Schweiz fühle sie sich sicher und schliesslich seien ihre Kinder hier zu Hause, meint sie.
Wenn Cristiany Grossrieder auf dem Balkon sitzt, kann sie den Zügen beim Vorbeifahren direkt zuschauen.
Tochter Saskia in ihrem Zimmer. Sie tritt die Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit an.
Noah in seinem Zimmer. Er ist grosser Fan von Cristiano Ronaldo und will später Informatiker werden.

Das Haus an der Kirchstrasse 57 liegt direkt an den Gleisen der Bahnlinie Lengnau-Münster

Hanspeter Bärtschi

«Ich liebe dieses Haus, es ist perfekt für uns», sagt Abwartin Cristiany Grossrieder. Wie ist das möglich? Hunderte Menschen fahren halbstündlich quasi durch ihr Wohnzimmer. Klar, die ersten Wochen seien gewöhnungsbedürftig gewesen; am Anfang seien die Kinder in der Nacht oft aufgewacht. Aber inzwischen gehöre es dazu, «es wäre komisch, wenn plötzlich kein Zug mehr vorbeirattern würde.»

Hier geht es zum ausführlichen Artikel über das Haus an der Kirchstrasse 57 und seine Bewohner.

Ob sich Cristiany Grossrieder manchmal fragt, was die Menschen in den Zügen denken, wenn sie am Haus vorbeidonnern? «Ja, sie denken sicher: Die spinnen, an so einem Ort zu leben.» (smo)

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