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Gedanken über Rücksicht und Solidarität mit Schwächeren

Verena Sollberger
Verena Sollberger
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Verena Sollberger, Pfarrerin

Verena Sollberger, Pfarrerin

Embla ist 11 Jahre alt und lebt in einer kleinen Stadt in Nord-Mazedonien. Wegen ihres Down Syndroms wird das Mädchen in der Schule schikaniert und diskriminiert. Auf welchen Wegen auch immer kommt das dem Staatspräsidenten Stevo Pendarovski zu Ohren.

Dieser fackelt nicht lange und reagiert auf berührende Weise: Höchstpersönlich begleitet er nämlich die kleine Embla in die Schule. Er nimmt das Mädchen an der Hand und macht damit deutlich, auf welcher Seite er steht – nämlich auf der Seite der Schwächeren in der Gesellschaft. Für ihn ist klar: «Alle Menschen sind gleich.» Und deshalb ist es unabdingbar, dass wir im gesellschaftlichen Zusammenleben aufeinander Rücksicht nehmen. Unsere eigenen Bedürfnisse auch mal zugunsten derer unserer Mitmenschen zurückstellen. Den Schwächeren die Hand reichen.

«Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwächeren» heisst es in der Bundesverfassung. Stevo Pendarovski handelt genau nach diesem Grundsatz. Angesichts der rasanten Aufhebung der verschiedenen Corona-Massnahmen, insbesondere der Maskenpflicht, frage ich mich, ob wir diesen grundlegenden Satz unserer Bundesverfassung noch im Blick haben.

Verena Sollberger
Pfarrerin Ref. Kirche Stadt Luzern
verena.sollberger@reflu.ch