Faszination

Warum wird ein Spiel wie der Fidget Spinner plötzlich zum Kult?

Jung-Youtuber Marius zeigt Fidget-Spinner-Tricks für Anfänger.

Jung-Youtuber Marius zeigt Fidget-Spinner-Tricks für Anfänger.

Pokémon Go, Tamagotchi, Jo-Jo und nun Fidget Spinner: Alles Kultspielzeuge. So erklären sich Fachleute den Hype um Spiele.

Pokémon Go war ein gigantischer Hype. Doch nicht nur digitale Spiele versetzen Menschen in Aufregung. Momentan steht ein Handkreisel im Mittelpunkt. Der Fidget Spinner ist in aller Munde und darf bei kaum einem Kind und Jugendlichen fehlen. Doch es gab in den vergangenen Jahrzehnten weitere Spielzeuge, die Eltern um den Verstand brachten.

Ein Blick zurück in die 90er-Jahre zeigt: Damals waren Tamagotchi und Jo-Jo der grösste Hit. Das Tamagotchi glich als kleines Gerät, um digitale Haustiere zu züchten, stark dem heutigen Pokémon Go. Der Jo-Jo als sich drehendes Geschicklichkeitsspielzeug erinnert eher an den Fidget Spinner. Sie haben Parallelen, und alle etwas gemeinsam: Es sind Spielereien, die Abertausende von Menschen in den Bann ziehen.

Doch wie kommt es zu solchen Hypes? Laut Elke Hildebrandt von der Pädagogischen Hochschule FHNW gibt es mehrere Gründe. Zum einen seien die Produkte ökonomisch gut und breit beworben worden. «Durch geschickte Werbung kann ein Bedürfnis bei Kindern entstehen.» Sobald ein Hype seinen Anfang nimmt, sei es dann nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Welle ausbreite: «Die Kinder sind neugierig – sie wollen dazugehören und dabei sein», sagt Hildebrandt, die Seminare zum Thema «Spiele in der Gesellschaft» leitet. Auch Eltern würden den Hype indirekt fördern. Sie wollten den Kindern etwas Gutes tun und kauften darum das neueste Trendspielzeug. Schliesslich schwörten Hersteller auch auf den beruhigenden und konzentrationsfördernden Effekt beispielsweise der Fidget Spinner. Studien konnten das bisher weder bestätigen noch widerlegen.

Der Trend der Fidget Spinners

Der Trend der Fidget Spinners

Die Fidget Spinners sind der Sommertrend 2017. Die Propeller-Spielzeuge aus den USA sind auch in der Schweiz beliebt. Hergestellt werden sie unter anderem in der Werkstatt der Stiftung Dammweg in Biel. Dort fertigen Menschen mit Behinderungen die Kreisel an. Sie sind stolz, am internationalen Trend mitwirken zu können.

Der Hauptgrund, dass Menschen auf einen Hype aufspringen: Sie wollen Teil der Gesellschaft sein. Niemand ist gern freiwillig aussen vor: «Vor allem Kinder werden leicht ausgegrenzt», sagt Elke Hildebrandt. Sie hätten es schwer, Anerkennung zu finden. Daher sei es leichter, dem Hype nachzugeben. Auch Erwachsene wollten informiert sein und in der Gesellschaft mitreden können.

Doch Hypes kommen und gehen: Sie nehmen einen bestimmten Verlauf, sind eine wellenartige Erscheinung mit einem Höhepunkt. Und dann flacht die Kurve wieder ab. Doch wieso zeigen sich Hypes ausgerechnet bei Spielereien?

Laut Hildebrandt können Spiele eine Flucht aus der realen Welt sein. Im Spiel habe man selber die Kontrolle. Das könne aber auch gefährlich sein. Darum sollten Eltern mit ihren Kindern darüber sprechen und nicht immer nachgeben. Man sollte nicht bei jedem Hype mitmachen, sondern auch kritisch konsumieren. Doch es gebe auch positive Seiten: «Bei Pokémon Go und dem Fidget Spinner sieht man reichlich soziale Interaktion, Kinder spielen miteinander statt alleine.»

Extrem: Fidget-Spinner-Tricks für Fortgeschrittene.

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