Mit der angewiderten Reaktion schützen wir uns vor krankmachenden Keimen. Welche Dinge Menschen besonders widerlich finden, haben nun Epidemiologen der School of Hygiene and Tropical Medicine in London untersucht.

Dazu präsentierten sie 2700 Probanden 72 Situationen mit Ekelpotenzial: etwa ein Mann, der sich im Schritt kratzt, vollgerotzte Taschentücher, eitrige Wunden oder klumpige, saure Milch im Frühstücksmüesli. Als die Forscher die Antworten der Versuchsteilnehmer auswerteten, fanden sie eindeutige Gemeinsamkeiten: So konnten sie sechs universelle Ekelkategorien bilden. Am stärksten ekelten sich die Probanden vor Verletzungen und mangelnder Hygiene. Und: Frauen graute es in allen Kategorien deutlich mehr als Männer.

Das ergebe Sinn, wenn man die Menschheitsgeschichte betrachte, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Christina Hartmann von der ETH Zürich. «Vor Jahrtausenden wären zu starke Ekelgefühle bei jagenden Männern hinderlich gewesen», sagt die Forscherin. Diese uralten Muster sind erhalten geblieben. Bei schwangeren Frauen kann dieser Instinkt über Leben oder Tod entscheiden. So zeigen Studien, dass in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft der Ekel ansteigt – genau in dieser Zeit würde eine Infektion das ungeborene Kind gefährden.

Die übrigen Ekelkategorien sind: verdorbene Nahrungsmittel, Insekten, die Krankheiten übertragen, Sexualverhalten mit häufigen Partnerwechseln, ungewöhnliches Aussehen wie Missbildungen sowie Krankheiten wie heftiges Husten.

Trotzdem liegt unser Ekel-Instinkt nicht immer richtig. «Teils wäre es für die Gesundheit gut, wenn wir uns noch stärker ekeln würden», sagt Hartmann, «in der Küche etwa sind viele Leute zu wenig hygienisch.»