Neues Virus

Unbekanntes Corona-Virus sorgt für Unsicherheit – kriegen wir den neuen Krankheitserreger in den Griff?

Symbolbild: Ein Chinesischer Arzt erklärt 2003 die Zusammensetzung des Sars-Virus.

Symbolbild: Ein Chinesischer Arzt erklärt 2003 die Zusammensetzung des Sars-Virus.

Der Erreger, der in China Lungenentzündungen ausgelöst hat, ist ein Corona-Virus. Ein neuer Typ des Sars-Virus.

Panikmache oder Grund zur Sorge? Die gehäuften Fälle von Lungenentzündungen und Erkrankungen der Atemwege in China sorgen für einen Medienwirbel. Und bereits reagieren die Aktienmärkte und machen sich Analysten Sorgen um den Gang der Weltwirtschaft. Die Fälle haben mittlerweile die 300er-Grenze überschritten, bis am Dienstagabend wurden sechs Todesfälle bestätigt.

Das Virus stammt aus der Stadt Wuhan, einer 19-Millionen-Metropole in Zentralchina. Fälle wurden auch bereits ausserhalb Chinas registriert. Allerdings stammen die Erkrankten aus Wuhan, kamen von dort oder hatten Kontakt mit Infizierten aus Wuhan.

Grundsätzlich ist es immer möglich, dass eine neue Viruserkrankung zu einer Pandemie wird, sich also weltweit ausbreiten wird. Deshalb ist Vorsicht angesagt. Je schneller die Verbreitung gestoppt werden kann, desto besser. Am Mittwoch wird sich die WHO, die Welt-Gesundheitsorganisation, mit der Krankheit beschäftigen und entscheiden, welche Massnahmen getroffen werden sollen.

Chinesische Behörden reagierten angemessener

Positiv fällt auf, dass die chinesischen Behörden schneller gehandelt haben und transparenter informiert haben als beim letzten Mal. Das war 2002/ 2003, als der SARS-Virus sich verbreitete. Damals dauerte es länger, bis umfassend vorgegangen wurde. Dennoch gelang es damals, den Ausbruch einzudämmen. Rund 8000 Fälle wurden registriert, rund 800 Menschen starben. Der wirtschaftliche Schaden wurde auf rund 30 Milliarden Dollar beziffert.

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Die Rückkehr des SARS-Erregers

Beim Virus handelt es sich um einen neuen Typ des SARS-Erregers (SARS = severe acute respiratory syndrom, akute Erkrankung der Atemwege). Er gehört zur Familie der Corona-Viren (Coronaviridae). Sie werden so genannt, weil sie unter dem Mikroskop wie eine Krone aussehen. Proteinstrukturen ausserhalb ihrer Hülle erwecken den Anschein von Strahlen. Das aktuelle Virus trägt den Namen «2019-nCoV».

Coronaviren sind RNA-Viren, ihr Erbgut besteht aus Ribonukleinsäure (ribonucleic acid). Sie sind deshalb viel «anfälliger» für Fehler – oder haben eine höhere Variabilität als DNA-Viren. Die Erreger der allermeisten modernen Infektionskrankheiten (Influenza, Ebola etc.) sind RNA-Viren. Sie können sich deshalb leicht auf einen neuen Wirt einstellen und Artenbarrieren überspringen.

Krankheitserreger aus dem Tierreich

Die SARS-Epidemie glaubte man überstanden. Wie kann jetzt ein ähnlicher Erreger nochmals virulent werden? Der SARS-Erreger stammte aus dem Tierreich. Als Wirt wurden eine Halbaffenart oder die omnipräsenten Fledermäuse vermutet.

Auch dieser neue Typ dürfte aus dem Tierreich kommen (Zoonose). Wie der SARS-Virus kann er sich von Mensch zu Mensch verbreiten. Als Ursprung der Epidemie wurde ein Fischmarkt in Wuhan ausgemacht, auf dem aber auch Wildtiere angeboten wurden. Die Markthalle wurde mittlerweile geschlossen und desinfiziert.

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Die Mutation liegt noch nicht weit zurück

Die Gensequenz von 2019-nCoV wurde bereits entziffert. Weil er so nah verwandt ist mit dem SARs-Virus, kann man teilweise auf die Forschungsergebnisse von damals zurückgreifen. Es gibt auch bereits Medikamente, die helfen. Ob in absehbarer Zeit ein wirksamer Impfschutz hergestellt werden kann, ist noch unsicher.

«Es handelt sich um ‹junge Gensequenzen›», sagte der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin, der die Sequenzierung gemacht hat, in der «Tagesschau» des Deutschen Fernsehens. Das heisst, dass es den neuen Virus-Typ noch nicht lange gibt. «Rigorose Interventionen» empfiehlt er als beste Gegenmassnahmen. Enorm hilfreich sei «das grosse Bewusstsein innerhalb der Bevölkerung für die Gefährlichkeit der Situation».

Wie gefährlich ist das neue Virus? «Wir wissen noch zu wenig», sagte Christian Drosten. In der Anfangsphase einer Epidemie werde die Situation immer überschätzt. Man kennt nur die schweren Fälle, die auffallen. Wahrscheinlich laufen noch einige Infizierte mehr herum, deren Symptome aber nicht so schwer sind. Oder sie merken gar nicht, dass sie da etwas Neues in sich tragen, weil Schnuppen- und Grippesaison ist.

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