Weidenrinden

Shampoo-Klassiker feiert Jubiläum – und enthält auch heute noch hauptsächlich Kräuter aus der Schweiz

So macht der Schaum Spass: Die meisten Rausch-Produkte sind vegan. Bild: Getty

So macht der Schaum Spass: Die meisten Rausch-Produkte sind vegan. Bild: Getty

Schon 100 Jahre auf dem Markt und immer noch ein Renner: das Weidenrinden-Shampoo von Rausch.

Joseph Wilhelm Rausch schien ein gutes Händchen gehabt zu haben, als er 1919 das Weidenrinden-Shampoo kreierte. Er setzte bei dessen Entwicklung auf die Kraft der Pflanzen. Seine Haarwässer und Shampoos stellte er nämlich aus hochwirksamen Kräuterextrakten her. Das Wissen und die Wirkung bezog er aus Klosterbüchern der Benediktinermönche und des Dominikanerordens. Dort stiess er auch auf die Weidenrinde, die schon in der Antike als anti-entzündliches Arzneimittel eingesetzt wurde, – und kreierte sein Shampoo. Dieses hat einen Vierfacheffekt auf die Haare: Es soll einerseits von fettigen Schuppen befreien, Juckreiz und Rötungen mildern und vor Lausbefall schützen.

Anfangs wurde das Produkt als Teer-Seife verkauft. «Teer kam später aber durch oftmals enthaltene Verunreinigungen sehr in Verruf», ­erklärt Petra Hollenstein, Marketingchefin der Rausch AG Kreuzlingen. «Wir hatten aber den kritischen Inhaltsstoff Benzo[a]pyren nie in unserem Produkt.» Deshalb habe man sich auf den Namen Weidenrinden-Spezial-Shampoo geeinigt.

Nun feiert dieser Klassiker sein hundertjähriges Bestehen. Dass sich ein Produkt derart lange auf dem Markt halten kann und sich noch dazu innerhalb des Unternehmens Rausch am meisten verkauft, ist aussergewöhnlich. Man könnte zwar meinen, dass es nur eine ältere Kundschaft bedient. Doch es komme querbeet gut an, betont Hollenstein. «Kein anderes Produkt von uns ist derart breit aufgestellt.» Vielleicht liegt es zusätzlich auch an den eleganten Schultern, dem Markenzeichen der Shampoo-Fläschchen von Rausch?

Mit seinem im Jahr 1890 in Kon­stanz gegründeten Unternehmen setzte Joseph Wilhelm Rausch nämlich neben der speziellen Form seiner Produkte weitere Markenzeichen: Er gilt als Erfinder der ersten flüssigen Haarwaschseife «Champooing». 1920 verlegte er seine Firma nach Kreuzlingen, wo sie bis heute beheimatet ist. 1949 ging Rausch an Josef Baumann-Widmer über, der auf Expansion setzte, den Firmennamen aber beibehielt.

In Form gebracht: Die Flasche des Weidenrinden-Shampoos im Laufe der Zeit, von 1919 bis 2019. Bild: zvg

In Form gebracht: Die Flasche des Weidenrinden-Shampoos im Laufe der Zeit, von 1919 bis 2019. Bild: zvg

Kräuter kommen fast ausnahmslos aus der Schweiz

Heute wird das Unternehmen mit 164 Mitarbeitenden in dritter Generation von Lucas Baumann geführt. Sein Grundsatz: A-A-A-A, «Anders als alle andern». Das heisst zum Beispiel, dass die verwendeten 87 Kräuter und Pflanzenstoffe mit wenigen Ausnahmen aus der Schweiz stammen und vor Ort zu Shampoos und Kosmetika verarbeitet werden. Oder dass Rausch seine mittlerweile rund 70 Beauty-Produkte ohne Tierversuche, Parabene und Silikone herstellt. Sie sind sogar bis auf zwei Ausnahmen – wegen Bienenwachs und Hühnerei – vegan.

Mittlerweile werden die Produkte in mehr als 27 Ländern angeboten, meist in Apotheken, Drogerien und ­Coiffeursalons. Deshalb ist zum Beispiel das Weidenrinden-Shampoo nicht ganz billig (rund 15 Franken), dafür aber sehr ergiebig, reicht es doch für 30 bis 45 Anwendungen. Und es ist eben auch effektiv. Nicht nur wegen der Vierfachwirkung, sondern auch, weil es dem Haar einen schönen Glanz verleiht. Da ist es nicht weiter schlimm, wenn es einen etwas speziellen Duft hat.

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