Wer fiebert auf seinen 60. Geburtstag hin? Keiner. Dabei gäbe es allen Grund dazu. Natürlich, wenn einer sagt «Senioren», dann muss man sich als 60-Jähriger bald dazurechnen. Und doch ist diese Altersgruppe selbstbewusst wie keine andere: Der Höhepunkt der Selbstbewusstseinskurve in einem Menschenleben liegt zwischen dem 60. und 70. Altersjahr, wie eine Metaanalyse der Universität Bern im Sommer gezeigt hat.

Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, zusammengefasst lauten sie: Altersmilde. Ab sechzig beginnt man die Dinge generell positiver zu sehen und wird oft gutmütiger. Das hat mit einem gestiegenen Verlangen nach Harmonie zu tun und wohl auch damit, dass bei den Männern das kämpferisch machende Testosteron sinkt.

Ausserdem: Wessen Kräfte langsam schwinden, der will keine Konflikte anzetteln. Andererseits haben Menschen in dem Alter auch schon einiges gesehen, erlebt und überstanden, sodass sie das Negative besser relativieren können. So entsteht eine positive und selbstbewusste Grundhaltung.

Dazu kommt die immer bessere Gesundheit der 60-Jährigen. Headhunter Helmut Zimmerli-Menzi, selber 60, sagt dazu: «Als ich jung war, war man mit 60 uralt und kleidete sich auch so. Nun, da ich selber so alt bin, fühle ich mich keineswegs uralt und bin es wahrscheinlich auch nicht.» Mit der Gesundheit bleibe auch die Leistungsfähigkeit besser erhalten – zumindest für Bürojobs.

Wie passen da die sich häufenden Schlagzeilen dazu, dass immer mehr 60-Jährige ausgesteuert werden und Sozialhilfe beziehen müssen? Bei den 50- bis 64-Jährigen stieg zwischen 2011 und 2017 die Sozialhilfequote von 2,5 auf 3,2 Prozent. Und während die Zahl der Langzeitarbeitslosen von 2010 bis 2017 gesamthaft gesunken ist, stieg sie bei den über 50-Jährigen mit Hochschulabschluss um mehr als 30 Prozent.

Selbstbewusst, aber auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt? Alessandro Tani, stellvertretender Leiter beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Basel-Stadt, relativiert: «Ältere Personen werden weniger häufig arbeitslos als jüngere, brauchen aber mehr Zeit, um eine neue Stelle zu finden.»

Am meisten Arbeitslose gibt es bei den 25- bis 39-Jährigen und auch bei den 40- bis 54-Jährigen sind es mehr. Tani sagt, es werde zu sehr auf das Alter fokussiert. Wichtiger für die Stellensuche seien Flexibilität, Weiterbildungen und die Bereitschaft, Lohneinbussen hinzunehmen.

Bei Letzterem sieht Headhunter Zimmerli-Menzi bei älteren Arbeitnehmern wenig Bereitschaft.

Einsicht braucht es auch bei den Arbeitgebern. Er müsse sie manchmal davon überzeugen, dass ein älterer Kandidat von Vorteil sei, weil er der Firma treuer sein werde als ein Dreissigjähriger.

Wenn doch jemand um die 60 arbeitslos und dann ausgesteuert wird, ist das besonders hart. «Es ist makaber, wenn man mit 61 grad noch das Vermögen aufbrauchen und dann zur Sozialhilfe muss», sagt Tani vom Kanton Basel-Stadt. Können sie diese Klippe umschiffen, sehen sich die 60-Jährigen aber auf der Zielgeraden: die Pensionierung ist in Reichweite. Alle Arbeit, die danach folgt, ist freiwillig – auch für Grosseltern. Sie hüten ihre Enkel zwar oft, aber aus freien Stücken. Ist eine Kreuzfahrt geplant, müssen die Enkel halt anders betreut werden. Umgekehrt sind die Pensionierten nicht von ihren Kindern abhängig: Sie beziehen ihre wohlverdiente Rente. Am Ende hat die Zufriedenheit eben doch zu einem guten Stück mit finanzieller Unabhängigkeit zu tun.