Schutzkonzept

Schweiss – ein Problem? Sechs Fakten, die Sie vor dem Besuch des Fitnesscenters kennen sollten

Handhygiene ist im Fitnesscenter entscheidend.

Handhygiene ist im Fitnesscenter entscheidend.

Unter Einhaltung des Schutzkonzepts dürfen Fitnesscenter wieder öffnen. Worauf beim Sport aber geachtet werden soll, hier in sechs Punkten.

1. Der Schweiss im Fitnesscenter ist kein Problem.

«Schweiss selber hat keine Viren drin», sagt Huldrych Günthard, leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene des Universitätsspitals Zürich. Schweiss kann höchstens dann ein Problem werden, wenn er sich beim Sport treiben mit Schleim vermischt und ins Gesicht gestrichen wird. So kann es zu Schmierinfektionen kommen, weil in der Schweiss-Schleim-Mischung Viren sein können. Schleim und Speichel sind die Körperflüssigkeiten mit den höchsten Virenkonzentrationen. Die Tröpfchen aus dem Speichel sind somit am ansteckendsten, weil sich das Coronavirus zuerst im Nasen-Rachen-Raum ansiedelt.

2. Aerosole sind die winzigsten Tröpfchen, die wir beim Sprechen ausatmen. Für eine Ansteckung im Fitnesscenter reichen sie nicht.

Beim Sport kommen wir mächtig ins Atmen. Tröpfchen fliegen damit etwas weiter als bei einer ruhigen Tischdiskussion. Die zwei Meter Abstand im Fitnesscenter sind also wichtig. Vor den Aerosolen braucht man sich aber nicht zu fürchten. «Ich glaube generell nicht, dass Aerosole bei Sars-CoV-2 eine grosse Rolle spielen. Wären diese wichtig, hätten wir höchstwahrscheinlich noch viel mehr Infektionen», sagt Huldrych Günthard. Ansteckungen passieren über die grösseren Tröpfchen, die beim Niesen und Husten entstehen.

3. Schmierinfektionen können mit gründlicher Desinfektion der Sportgeräte vermieden werden.

«Ja, das ist möglich, wenn nach jeder Benutzung eines Gerätes, dieses sauber und gründlich desinfiziert wird», sagt Günthard. «Zusätzlich sollten die Besucher auch immer die Hände desinfizieren, bevor sie an ein neues Geräte gehen.» Das lohnt sich, denn inzwischen weiss man, wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält. Drei Tage, erklärt der Zürcher Infektiologe. Eventuell je nach Oberfläche bis fünf Tage, zum Beispiel auf Plastik und glatten Oberflächen wie Metall. «Auf Stoffen, Holz, Papier und ähnlichem aber deutlich kürzer.» So auch auf Tennisbällen. Tennis ist für Günthard auch deshalb nicht problematisch. Auf der rauen Oberfläche der Tennisbälle ist es für die Viren schwieriger, sich anzusiedeln. Glatte Bälle und die Geräte im Fitnesscenter sind heikler. Trotzdem muss nach dem Schutzkonzept des Tennisverbands jeder Spieler nur seine eigenen, markierten Bälle in die Hand nehmen. Generell gilt, dass Schmierinfektionen bei geteilten Geräten und Bällen entstehen können. Aber viel eher direkt bei nahem Körperkontakt.

4. Duschen mit Trennwänden sind nicht problematisch.

Im Fitnesscenter duschen oder doch eher zu Hause? Für Günthard sind Duschen, gerade wenn sie Trennwände haben, kein Problem. Dann doch eher die Umkleidekabinen. Nach dem Sport ist man verschwitzt, die Nase tropft vielleicht und man berührt verschiedene Dinge. Wer kann, sollte die Garderobe vorläufig meiden oder sonst auf jeden Fall auf genügend Abstand und Handhygiene achten. In der Garderobe kann man sich nach Günthard aber mit einer Maske schützen.

5. Schutzmasken gehören nicht zum Sport.

In den Garderoben machen Masken je nachdem Sinn, der Infektiologe kann sich aber nicht vorstellen, dass man mit einer Maske gut Sport treiben kann, wenn man den Herzkreislauf entsprechend betätigt. «Beim Curling würde das wohl noch gehen», sagt Günthard. Beim Sport atmet man mehr, da hindert die Maske deutlich und die Leistung sinkt massiv. «Zusätzlich wird die Maske auch rasch feucht und unbrauchbar.»

6. Es gibt einen Unterschied, ob ich Sport drinnen oder draussen treibe.

Das Risiko einer Ansteckung an der frischen Luft ist kleiner, weil der Wind für schnellen Luftaustausch sorgt. Beim Joggen ist das Risiko sehr klein. Besser ist es trotzdem, wenn man nicht zu nahe hintereinander läuft und auf der Finnenbahn mit etwas Abstand überholt oder kreuzt.

Autor

Bruno Knellwolf

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