Zum 6. Dezember

Samichlaus darf vieles nicht mehr: An diese 7 Gebote muss er sich halten

Der freche Goof kam früher noch in den Sack. Heute getrauen sich viele Chläuse nicht mal mehr, die Kinder auf den Schoss zu nehmen.

Der freche Goof kam früher noch in den Sack. Heute getrauen sich viele Chläuse nicht mal mehr, die Kinder auf den Schoss zu nehmen.

Der Samichlaus ist längst nicht mehr der strenge Herr mit dem bösen Knecht an der Seite. Er darf vieles nicht mehr. Wir haben die neuen Gebote zusammengestellt.

Am besten wärs, der Samichlaus wäre auch mal eine dunkelhäutige Frau. Dann wär das Gender-Problem gelöst und die unangenehme Sache, dass der schlecht bezahlte, schwer schuftende Knecht an Samichlaus’ Seite wohl ein ehemaliger Migrant ist. Der Schmutzli könnte auch ein gut aussehender junger Schweizer sein. Wobei, so weit geht die Kritik am heutigen Samichlaus noch nicht: Das Samichlauswesen ist eine noch fast unangetastete Männerdomäne – Frauen sind allenfalls unerkannt als Schmutzlinen unterwegs.

Politisch korrekt geworden sind die Samichläuse aber in anderen Bereichen. Vieles, was früher zum Mann mit dem weissen Bart und dem Rüpel mit dem Sack gehörte, geht heute nicht mehr:

1 Du sollst nichts Schlechtes über Kinder sagen

Verzärtelt ist sie doch, die neue Generation von Kindern. Den Chläusen sei deshalb geraten, den Kindern vor allem Honig um den Mund zu schmieren, um ja nicht ihre Kunden, die Eltern, zu verärgern. Dass Yannik die Finken nicht korrekt hinstellt und die Jacke ständig auf den Boden schmeisst, blendet der Samichlaus aus. Stattdessen lobt er Yannicks High-Score auf der Playstation 4 oder seinen hippen Snapchat-Filter. Auch bei der St.-Nikolaus-Gesellschaft Schöftland-Kölliken stelle man das Lob in den Vordergrund, sagt Bianca Gyger. «Früher hatten die Kinder noch Angst vor dem Samichlaus. Das ist heute von den Eltern nicht mehr gewünscht. Wir beginnen und enden deshalb immer mit etwas Positivem.»

2 Du sollst die Kinder nicht in den Sack nehmen

Wenn man es nicht selber erfahren hat, dann wurde einem die Geschichte bestimmt erzählt: Der Schmutzli fitzt das unartige Kind mit seiner Rute, packts in seinen Sack und nimmts mit. Zeiten, die zum Glück der Vergangenheit angehören. «Unsere Schmutzlis haben ihre Rute nur noch als Accessoire dabei», sagt beispielsweise Markus Kölliker vom Chlausen-Team aus Bellach SO. Andere Gesellschaften verzichten ganz auf die Rute. Und wiederum andere sehen gar ganz vom Schmutzli ab, wie zum Beispiel der Baselbieter Chlaus Stephan Hengartner. Tja, auch der Samichlaus spart beim Personal.

3 Du sollst die Kinder nicht mit Zucker versorgen

Für die Kinder wars ein Festessen, für die Zahnfeen der alljährliche Horror: der Chlaussack. Prall gefüllt mit Schokolade, Guetzli und Grittibänzen. Mandarinen oder Erdnüsse dienten nur zur Dekoration. In Zeiten, wo Fitnessmodels und Veganer überhandnehmen, müssen die Chläuse ihre Ware anpassen. Merks dir Samichlaus: Es gibt auch vegane Schokolade. Und natürlich zuckerarm.

4 Du sollst keinen schweren Sack tragen

Pro Abend unzählige Male wird der Chlaussack geschultert und dann erst noch einseitig getragen. Das ist Gift für jede Wirbelsäule. Nicht selten muss der Schmutzli danach zum Chiropraktiker. Und in den Weihnachtstagen findet sich nicht so leicht ein Termin. Man kanns den Kindern ehrlich sagen, denn der Samichlaus und sein Schmutzli sind Vorbilder fürs Leben: «Schaut, da parkieren die beiden gerade ihr Auto vor der Haustür, damit die schwere Last ihren Rücken keine Langzeitschäden zufügt.»

5 Du sollst die Kinder nicht das ganze Jahr überwachen

«Der Samichlaus sieht alles», sagten die Eltern früher und setzten ihren Kindern damit einen Big Brother in den Nacken. Damit sind psychische Störungen vorprogrammiert. Wie soll das Kind ein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn es sich ständig kontrolliert fühlt? Glücklicherweise begriffen die meisten Kinder früher schnell, dass der Samichlaus und sein Schmutzli nicht immer überall sein können. Heute ist so eine Überwachung viel einfacher: Der Schmutzli klickt sich durch die Facebook-Profile und hackt sich in die Live-Kamera im Kinderzimmer. Pech, wenn die Kamera dann grad zeigt, wie Yannik die Legoburg seines Bruders einreisst. Lasst das, ihr Schmutzlis und Chlausen, denn am 6. Dezember dürft ihrs eh nicht gegen die Kinder verwenden. Siehe Gebot 1.

6 Du sollst die Kinder nicht auf den Schoss nehmen

«Nur wenn die Eltern ein Erinnerungsfoto möchten, holen wir das Kind auf unser Knie», sagt Dölf Hitz, langjähriger Präsident der St. Nikolausgesellschaft in Zürich. Die Zeiten sind vorbei, als das Kind sein Versli auf dem Schoss des Chlauses vorgetragen hat. Die Debatte um sexuelle Belästigung hat die Samichläuse sensibilisiert. Um Missverständnissen vorzubeugen, erfindet der moderne Samichlaus auch einmal eine mehr oder weniger originelle Ausrede à la «mein Bein tut weh», wie Dölf Hitz erzählt. Sicher ist sicher.

7 Du sollst Hochdeutsch sprechen

Der Samichlaus kann noch so gute Sprüche und Ratschläge raushauen, wenn er nicht verstanden wird, nützen sie nichts. In Krippen und Kindergärten setzt mancher Chlaus auf Hochdeutsch, damit ihn auch wirklich alle verstehen. Angenehmer Nebeneffekt: Der Samichlaus wirkt autoritärer. Und übrigens: Auf trendige Wörter wie «i bims» oder «napflixen» verzichtet der bedachte Chlaus. Denn welches Kind kauft einem bärtigen Mann schon ab, dass er jeden Trend mitmacht.

Wie andere Länder den Samichlaus feiern:

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