Wellness

Mit leisen Violine-Tönen und starken Händen zur Entspannung

Die Wellness-Industrie wartet mit neuen Behandlungen auf.

Die Wellness-Industrie wartet mit neuen Behandlungen auf.

Die Schweizer Hotellerie wartet mit neuen Behandlungen auf. Individueller Alpenkräuter-Mix, heisse hawaiianische Steine, live gespielte Violinen-Klänge: 08/15-Behandlungen haben in den Wellness-Hotels ausgedient.

Ein Blick genügt Johannes Josche und er weiss, wen er hier unter den Händen hat. Dazu ein, zwei Berührungen und schon hat er die Schwachstellen geortet und weiss, welche Muskeln am meisten Aufmerksamkeit verdienen. «Ich empfehle in Ihrem Fall eine Behandlung mit Johanniskraut und Arnika. Das erhöht die Durchblutung und steigert die Leistungsfähigkeit.» Masseur Josche ist ein absoluter Profi, der ansonsten die Schweizer Mountainbike-Nationalmannschaft fit knetet, im Hotel Bellevue in Adelboden aber auch Termingeplagte wieder erdet.

Der Wellnessgast wird im Hotel Bellevue nicht mit einem Standard-Angebot behandelt, sondern geniesst einen Rundum-Service. «Unsere Stärke und Kompetenz liegt in der individuellen Behandlung», betont Franziska Richard, Marketingverantwortliche des 4-Sterne-Hauses. «Das erreichen wir zum Beispiel mit Schweizer Alpenkräutern, die wir ganz gezielt einsetzen.» Vor allem aber mit bestens ausgebildeten Masseuren und Kosmetikerinnen.

Maximale Entspannung in minimaler Zeit

Nachdem Wellness seinen Siegeszug durch die Hotellerie angetreten hat, sind in den vergangenen Jahren Millionen in Wohlfühltempel investiert worden. Spas sind nicht mehr nur Nebeneinkünfte. Seit die Menschen immer gesundheits- und körperbewusster leben, sind sie mehr und mehr zum Mittelpunkt geworden. Neben grosszügigen Wasserlandschaften mit Spezial-Bädern, Dampfräumen und Whirlpools braucht es vor allem ein sorgfältig zusammengestelltes Massage-, Gesichts- und Körperpflegeangebot. Wer von Thalasso über Bachblüten bis hin zum ayurvedischen Stirnguss alles anbietet, macht sich beliebig – und überfordert den Gast. Dieser hat mittlerweile ein grosses Erfahrungsspektrum, ist viel gereist, kennt den Hamam in der Türkei ebenso wie das Ayurveda-Center in Indien. Vor allem aber ist für ihn Zeit ein kostbareres Gut als Geld. Also sucht er maximale Entspannung in minimaler Zeit und erwartet qualifizierte Angebote und keine Aldi-Wellness.

Unter den mehreren hundert Schweizer Hotels mit Spa-Angebot geht deshalb der Trend in Richtung Spezialisierung. «Back to basics» heisst dabei eines der Schlagworte. Nicht nur das Hotel Bellevue setzt dabei auf die «Kraft aus den Alpen». Auch im 4-Sterne-Haus «La Val» im bündnerischen Brigels weiss man die Stärken aus der Natur zu schätzen. In diesem kleinen, aber feinen Berg Spa wird zum Beispiel die alte hawaiianische Hot-Stone-Tradition mit der Brigelser Bergwelt kombiniert. Die verwendeten Essenzen für die Massage – eine Mischung aus Mandeln, Mandarinen, Tonka sowie Mairosen – werden von einer Kräuterfrau aus der Surselva speziell für das «La Val» angemischt. Routiniert bearbeitet Masseurin Mirjam Rücken und Beine mit den heissen Steinen. «Dadurch öffnen sich die Poren der Haut und das Öl kann gut einwirken», erklärt sie.

Swissness und Exotik

Neben der Swissness im Wellness lockt noch immer die Exotik. Diese allerdings muss authentisch sein. Wie etwa im eben eröffneten «The Chedi» in Andermatt, wo internationale Therapeuten fernöstliche Behandlungen anbieten. So auch im «Seerose Resort & Spa» in Meisterschwanden, wo Unternehmer Felix Suhner für 20 Millionen Franken Thailand-Feeling ins Mittelland holt, ohne dass man das Flugzeug besteigen muss. Das Thai-Flair zieht sich nicht nur durch die neue Pool- und Saunawelt, die von vier Riesencocons architektonisch bestimmt werden. In diesen Anwendungsräumen wird man auch von Thai-Therapeutinnen nach der jahrtausendealten Philosophie der traditionellen Thai-Medizin behandelt. Bei der kommen Daumen, Handinnenflächen, Ellenbogen, Füsse und Knie zum Einsatz. Mit einer Kuschelmassage hat das wenig zu tun. Die kundigen Thai-Hände drücken schon mal kräftig zu und dehnen den Körper trotzdem sanft, sodass Energieblockaden und Verspannungen gelöst werden.

Die Besinnung auf das Besondere, Persönliche und Authentische vermag auch verwöhnte Gäste im hart umkämpften Wellness-Markt zu überzeugen. Innovationen sind gefragt, die die Gäste auf sinnliche und überraschende Art abholen. Im Tschuggen Grand Hotel & Spa in Arosa spricht man zum Beispiel mit den «i-Pad-Massagen» jene Klientel an, die genau weiss, wo ihre Schwachstellen sitzen. Im ebenfalls neu eröffneten «W» in Verbier lockt mit einer Chromotherapie, die Farbpaarungen aufgrund der Hauttypen vornimmt.

Violin Touch ist ein neues Treatment im Zürcher Dolder Grand. Das Konzept hat die Violinistin Debora Vonwiller entwickelt. Bei Violin Touch erlebt der Gast eine von Live-Violinenklängen inspirierte Massage. Dabei kann er zwischen harfenartigen Arpeggios oder Melodien in Fis-Moll wählen. Als ein Erlebnis für Körper und Seele bezeichnet es Spa-Managerin Therese Martirena. Denn der Gast will nach der Behandlung sagen können: «Das war einzigartig!»

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