Doch, doch, die meisten machen alles richtig, wenn es darum geht, Küchen- und Gartenabfälle zu entsorgen.

Sie klauben das Plastik raus und lassen Tonscherben nicht auch noch in den Kompost fallen.

Das weiss auch Armin Bachofner, Leiter Entsorgung der Stadt Winterthur:

Aber nicht selten machen die restlichen fünf Prozent, die die Grünguttonne mit dem Kehrichtsack verwechseln, alles wieder zunichte.

Wieso sie das tun, weiss auch Armin Bachofner nicht. Trotz Aufklärungskampagnen sei der Anteil an Plastik und anderen Abfällen im Grüngut nach wie vor zu gross. Es komme immer wieder vor, dass sich Landwirte beschweren, weil sie zusammen mit dem Kompostdünger auch Plastikabfälle auf den Feldern verteilen.

Das Auge des Kehrichtwagens sieht alles

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, um die Kompostqualität zu verbessern, hat der Geschäftsführer des Verbandes Biomasse Suisse, Andreas Utiger, in Österreich ein Detektionssystem entwickeln lassen.

Dieses erkennt Plastik und andere nichtkompostierbare Abfälle bereits beim Einladen in den Sammelwagen. Utiger sagt:

Das teure Aussortieren von Fremdstoffen kann dadurch intensiviert oder aber bei guter Qualität sogar ganz weggelassen werden.

Die «digitale Grünguttonne», wie das kürzlich in der Ostschweiz getestete Detektionssystem heisst, kann mit relativ wenig Aufwand in den herkömmlichen Kehrichtlastwagen eingebaut werden. Dazu gehören verschiedene Kameras und ein Sender, der die nach jeder Containerleerung gemachten Aufnahmen in ein Rechenzentrum übermittelt. Die gesammelten Daten werden von einem Rechner ausgewertet und zu einer zuverlässigen digitalen Stoffliste verarbeitet.

Dank künstlicher Intelligenz kann so bei jeder Ladung eruiert werden, wie stark das Grüngut mit Fremdstoffen wie Plastik oder Tonscherben verschmutzt ist. Sind die zu leerenden Container auch noch mit einem Identifikationschip versehen, können verschmutzte Ladungen sogar dem effektiven Verursacher zugewiesen werden.

Abfallsünder nicht mehr anonym

«Containerbesitzer mit regelmässig stark vermülltem Grüngut könnten dann über die korrekte Grüngutentsorgung informiert und allenfalls gebüsst und ihr Grüngut, statt in die Vergärungs- oder Kompostierungsanlage, der Kehrichtverbrennung zugeführt werden», erklärt Armin Bachofner in Winterthur.

So ist es möglich, den Inhalt jedes geleerten Containers zu kennen und das Verhalten der privaten Grüngutlieferanten zu kontrollieren. Abfallsünder bleiben nicht mehr wie bisher anonym. Man wolle nicht primär Privaten auf die Finger schauen, sondern mit neuen Möglichkeiten deren Bewusstsein schärfen, sagt Andreas Utiger.

Wer weiss, dass sein Verhalten nicht rechtens ist und dabei erst noch kontrolliert werden könnte, der verhalte sich im Alltag auch anders, sind die Erfinder überzeugt. Ziel des neuen Systems sei es, die Disziplin der Bevölkerung rund ums Kompostieren zu fördern.

Das neuartige Monitoringsystem ist Anfang Juni bei einem einwöchigen Probelauf in Winterthur getestet worden. Nun wollen die Verantwortlichen die gesammelten Daten verarbeiten, die Übertragungstechnik verbessern und die künstliche Intelligenz so trainieren, dass das System möglichst bald zuverlässig arbeiten kann.

Am Ende kann so Geld eingespart werden

Andreas Utiger, Initiant des Projekts und Geschäftsführer des Verbandes Biomasse Suisse, ist mit dem einwöchigen Test in Winterthur zufrieden. Er glaubt, dass die «digitale Grünguttonne» schon im nächsten Jahr für die Gemeinden kostenneutral lanciert werden kann. «Wenn die Qualität des Grüngutes beim Sammeln verbessert wird, steigert sich am Schluss des Kreislaufes automatisch auch die Qualität des Kompostdüngers. Und damit kann bei der Schlusskontrolle und bei Aussortierung von Fremdstoffen Geld wieder eingespart werden.»