Länger, gesünder, selbstständiger – so leben alte Personen vermehrt in der Schweiz. Entsprechend bewegen sie sich zunehmend ausserhalb ihres Zuhauses. Auch demente und verwirrte Senioren tun das, meist unbewusst.

Kommt es dabei zu einem Zwischenfall wie einem Sturz, können die Personen meist nicht mitteilen, wo sie sich genau befinden. Es gibt bereits Systeme, die sich dieses Problems annehmen. Ein neues kommt bald dazu: Am 15. Oktober bringt der Notruf-Gerätehersteller Limmex eine Notruf-Uhr mit integrierter GPS-Funktion auf den Markt. Wie bisher telefoniert der Chronometer dank eingebautem Mobilfunktelefon abgespeicherte Nummern ab, wenn man auf die Notrufkrone drückt. Das neu eingebaute GPS-Modul sorgt dafür, dass der Notleidende zugleich über Satellit geortet werden kann. Der Abnehmer des Anrufs erhält per SMS einen Link zu einer Karte, wo markiert ist, von wo der Notruf gesendet wurde.

Nur auf Wunsch wird geortet

Das Mobilfunk- und GPS-Modul ist im Normalfall ausgeschaltet. Erst wenn der Träger einen Notruf auslöst, werde die Uhr geortet, betont Birgit Bruder von Limmex. Das spare Akku. Damit das System funktioniert, braucht der Uhrenbesitzer Mobilfunkempfang und der Empfänger des Karten-Links Internetzugang.

Das Schweizerische Rote Kreuz bietet seit zweieinhalb Jahren mobile Geräte mit und ohne Lokalisierungsfunktion an. Laut Walter Frei vom Departement Gesundheit und Integration sind die mobilen Notrufsysteme aber viel weniger beliebt als Festinstallationen für zu Hause: «Der Anteil mobiler Geräte beläuft sich auf unter zehn Prozent.» Das liege wohl daran, dass sie einige Umstände mit sich brächten. So muss der Akku alle zwei bis drei Tage aufgeladen werden.

Nichtsdestotrotz testet das Rote Kreuz momentan ein System, das den Träger passiv ortet. Damit könnten die Bezugspersonen den Aufenthaltsort jederzeit in der Notrufzentrale erfragen. «Dieses System würde sich für demente Personen mit Bewegungsdrang eignen», so Frei.

In einer Studie des Universitätsspitals Bern, die in Zusammenarbeit mit Limmex durchgeführt wurde, schreiben die Autoren, dass jedes Jahr 500 000 ältere Menschen in der Schweiz einen Sturz erleiden. Nur drei Prozent der über 65-Jährigen würden aber ein Notrufsystem benutzen. Die Gründe dafür: Herkömmliche Varianten seien unhandlich und stigmatisierten den Benutzer als krank. Das will Limmex verhindern. «Dank dem Design einer unauffälligen, klassischen Armbanduhr ist Limmex ein Notrufsystem, das als Schmuckstück getragen werden kann», erklärt Bruder. Die ortungsfähige Uhr kostet 575 Franken.

Lebensqualität steigt

Solche Hilfeleistungen steigern laut Studie die Lebensqualität der älteren Semester, insbesondere, weil immer mehr von ihnen alleine wohnen.

Ein weiterer Vorteil: Die Reaktionszeit bei Notfällen verringert sich. Das ist entscheidend für die Rettung und anschliessende Heilung. Die Autoren verweisen auf eine andere Studie, wonach Personen, die bei einem Notfall ein Notrufsystem benutzten, weniger oft ins Spital mussten, oder weniger lange dort zu bleiben hatten.