Fashionweek

Männer sind modehungrig wie noch nie: Das zeigt sich auch an der Pariser Fashionweek

Nach London und Mailand hat Paris eine kluge Designermode präsentiert. Die Herren kleiden sich mutig wie nie.

Nicht unbedingt die einzelnen Topdesigner waren bestechend, sondern die ungewöhnliche Fülle des Angebots. Innerhalb weniger Jahre ist die Pariser Modewoche von vier auf sechs Tage gewachsen. 53 internationale Labels, viele Newcomer, zahlreiche Traditionshäuser und auch jung etablierte Modemacher haben vergangene Woche die Laufstege eingeheizt.

Jacquemus gehört letzterer Gruppe an: Der 30-jährige Südfranzose feierte sein zehnjähriges Bestehen an einer Show in der Arena La Défense, wo sonst Weltstars wie Céline Dion oder Paul ­McCartney Konzerte geben. Tausende drängten sich hinein, um sich lockere Leinenanzüge und Entdecker-Outfits zu Gemüte zu führen. Der Designermode für Männer geht es gerade sehr gut.

Der Sektor wächst tatsächlich seit 2010 kontinuierlich um zwei Prozent pro Jahr. In Deutschland zeigen Studien auf, dass der Modehunger der Männer so gross ist wie selten. Da ist die Z-Generation, die unter 25-Jährigen, die Fashion mit Nachhaltigkeit gleichsetzt, aber auch kaufkräftige Mittfünfziger, die Designermode als Statussymbol einsetzt.

Gestillt wird ihr Hunger in erster Linie mit Entwürfen aus Frankreich. Der heutige Durchschnittseuropäer mit Modeflair möchte überdies durch ganze der Männermode gewidmete Gebäude oder zumindest Etagen spazieren, denn er will ein prägnantes Angebot und Lookberatung, aber keinen Rummel. Weil er ebenso Stoff fühlen will und Komfort sucht, ist die Onlinebestellung für ihn keine eigentliche Lösung. Anspruchslos war gestern.

Das Potenzial in der Herrenmode ist für Designer reizvoller

Um diesen Modehunger der Männer zu stillen, haben auch dreissig unbekannte Newlabels in Paris ihr Glück probiert. Der Männermodemarkt, der vor nicht allzu langer Zeit für einen Designer nicht wirklich reizvoll war, macht zwar nur einen Drittel des Modemarktes aus.

Doch der marktbeherrschenden Damenmode droht die Stagnation. Vor allem sucht heute manch ein Mann, der bis dato pro Jahr nur 250 Franken in Klamotten investiert, nach etwas Besonderem, einem erschwinglichen Designerstück. Mit Preisen zwischen 500 und 1200 Franken liegt das Schweizer Label Collec­tive Swallow leicht darüber.

, sagt der Basler Modemacher Ugo Pecaraio (31), der ­Collective Swallow 2015 mit seiner Partnerin Anaïs Marti gegründet hat. Einige seiner Freunde würden sogar Massan­züge tragen.

Er sitzt in Latzhose in einem Showroom des Pariser Marais. «Wir kommen erstmals an die Männermodewoche, weil bei den Herren ein höheres Potenzial besteht», erklärt Anaïs Marti. Die 32-Jährige hatte sich während des Studiums am Basler FHNW-Institut Mode-Design auf Männer spezialisiert. Die Mode des Duos ist eigentlich ein intelligenter Unisex, doch ihre Mäntel und Jacken aus gewachster Bio-Baumwolle mit grossen, abknöpfbaren Taschen stehen vor allem dem Mann.

Auffällig, bunt, schillernd: Die Metamorphose des Anzugs

Ob formell oder in Streetwear, Männer haben heute den Mut, etwas auszuprobieren. Daher die Fülle auf dem Laufsteg. Kommenden Winter drückt der Mantel Extravaganz aus entweder als weiter Umhang, Cape oder, ganz französisch, chic und körperbetont.

In den vergangenen Jahren hat sich Street- und Workwear derart durchgesetzt, dass keine Anzüge mehr auf den Catwalks gezeigt wurden. Nun erlebt er eine Metamorphose: Als Restauration des vermissten Alltagsgefährten oder festlichen Outfits kommt die Schale im nächsten Herbst ganz auffällig.

«Der Anzug muss mit neuer Attitüde neu erfunden werden», meinte Pierpaolo Piccioli nach seiner Valentino-­Show. So mixt der Liebling der Millen­nials, Topdesigner Virgil Abloh, in seinem Label Off-White Formelles und Fashion in weiten Anzügen über schillernden Hemden. Pullis und Bodys ergänzen diesen neuen Chic.

Berlutti bringt die Schale derweil ganz grell oder in knalligen Naturtönen. Bei Dior mischt Kim Jones die Nadelstreifen­hose mit einem knielangen Hemd oder verwandelt das Sakko zum Mantel. Alles einzig eine Frage der Kombination.

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