Bildstrecke

Luzerner Vierlinge werden volljährig – Verwandte verwechseln sie manchmal noch heute

Sie werden am 10. August 18 Jahre alt: Leonie, Jantien,  Annelou und Niels Odermatt (v.l.) (Bild Manuela Jans-Koch, Emmenbrücke, 1. Juli 2019 in Emmenbrücke)

Sie werden am 10. August 18 Jahre alt: Leonie, Jantien, Annelou und Niels Odermatt (v.l.) (Bild Manuela Jans-Koch, Emmenbrücke, 1. Juli 2019 in Emmenbrücke)

Eine Vierlings-Geburt im Kantonsspital Luzern sorgte 2001 für Schlagzeilen. Aus den vier Babys sind inzwischen junge Erwachsene geworden. Am 10. August werden sie 18-jährig – und sind voller Tatendrang.

Eine Geburt ist immer etwas Besonderes – vor allem für die Eltern. Doch was am 10. August 2001 im Luzerner Kantonsspital geschah, war auch für die Ärzte und Krankenpflegerinnen absolut aussergewöhnlich. So sehr, dass der Oberarzt extra auf seinen freien Tag verzichtete: Er wollte die Vierlings-Geburt nicht verpassen. Die Zahl an sich ist schon aussergewöhnlich. Doch die vier Babys waren gleichzeitig die ersten überhaupt, die nicht in der Frauenklinik zur Welt kamen, sondern im Kinderspital Luzern mittels Kaiserschnitt. Der Grund ist einfach: Sollte es Komplikationen geben, ist es einfacher, die Mutter in die in die Frauenklinik zu verlegen als umgekehrt vier Babys ins Kinderspital zu transportieren. Mutter Nancy Odermatt (50) erinnert sich noch gut an ein skurriles Detail:

Die vier Babys kamen in der 29. Schwangerschaftswoche zur Welt und wogen alle rund 1000 Gramm. Ein Team aus 24 medizinischen Helfern stand damals bereit. Die Kinder waren alle wohlauf, mussten aber als Frühchen noch zwei Monate im Spital bleiben. Am längsten Niels, er kam als erstes auf die Welt und ist der einzige Bub. Seine Schwestern Jantien und Annelou sind höchstwahrscheinlich sogar eineiig, was eine noch seltenere Besonderheit ist als eine Vierlingsgeburt. «Wir hatten keinerlei Hormonbehandlung, die Kinder entstanden auf natürlichem Weg», erzählt die Mutter. Sie selbst habe Zwillinge in der Verwandtschaft, sei also genetisch vorbelastet. Die gebürtige Holländerin kam als junge Physiotherapeutin in die Schweiz, verliebte sich in den Emmer Bruno Odermatt, sie heirateten und suchten ein Haus. Im Herdschwandquartier wurde das noch kinderlose Paar fündig. Bruno Odermatt (53) blickt zurück: «Das Haus erschien uns ideal, wenn auch etwas gar gross. Da wir viel Besuch aus Holland erwarteten, dachten wir, so haben wir sicher genügend Platz für Gäste.» Kurze Zeit später kam mit Jolein die erste Tochter auf die Welt, zwei Jahre später die Vierlinge. Bruno Odermatt:

Schon beim ersten Ultraschall in der 12. Schwangerschaftswoche wurde klar, dass es Vierlinge werden. Nancy erinnert sich: «Ich ging mit dem Verdacht, es könnten Zwillinge sein, zur Ärztin. Sie machte Ultraschall und ich sagte zu ihr: Das ist nicht nur ein Kind?» Die Gynäkologin habe darauf lange geschwiegen und sei dann rausgeplatzt: «Nein, es sind vier!» Viel später habe sie ihr verraten, dass sie unauffällig nach einem 5. Herzschlag geschaut habe. Bruno Odermatt weiss noch gut, wie gross die Aufregung war:

Rund eine Woche habe eine Art Schock-Gefühl angehalten, dann sei die Freude immer grösser geworden. Unterstützung erfuhren die jungen Eltern in den ersten Jahren durch Familie und Freunde. Die Spitex wurde engagiert und kam ein Jahr lang als Haushaltshilfe. Danach engagierten Odermatts junge Schulabgängerinnen, die ihr Haushaltslehrjahr in der Deutschschweiz absolvierten. Von einem Grossverteiler gab es 10 000 Windeln geschenkt, eine Bank, eine Krankenkasse und ein Möbelhaus zeigten sich ebenfalls spendabel.

Die Vierlinge an ihrem 5. Geburtstag. (Bild pd)

Die Vierlinge an ihrem 5. Geburtstag. (Bild pd)

Heute feiern die Vierlinge nun ihren 18. Geburtstag und sind somit volljährig. «Es ist schon ein grosses Glück, dass alle gesund und ohne Schwierigkeiten gross geworden sind. Besonders freut uns, wie gross der Zusammenhalt unter allen fünf Kindern ist», betont Nancy Odermatt. Obwohl volljährig, sind die Vierlinge noch nicht finanziell selbständig, alle sind noch in Ausbildung. Leonie macht das KV, Annelou lernt Bäckerin, Jantien wird Fachfrau Hauswirtschaft und Niels besucht die 6. Klasse an der Kanti Reussbühl. So unterschiedlich die Berufe sind, so einig ist man sich beim Hobby: Sportlich muss es sein, Odermatts sind sehr aktiv. Gerne trifft man sich zu einem gemeinsamen Spieleabend am sehr grossen Esszimmertisch oder zu einer Runde Dart. Doch dass die ganze Familie daheim ist, kommt nicht mehr oft vor. Annelou erzählt: «Ich muss früh in der Backstube sein und gehe meist gegen 20 Uhr ins Bett. Wenn Jantien Spätschicht hat, kommt sie erst nachher heim. So sehen wir uns manchmal eine Woche nicht.» Zum Glück teilen sich die beiden das Hobby Einrad-Hockey, so begegnen sie sich zumindest im Training.

Hier können Sie sich durch die Bildstrecke klicken:

Individuell sind auch die Wünsche zum 18. Geburtstag: Während Niels von einem Fallschirmsprung träumt, würde sich Leonie über einen neuen Volleyball und Schmuck freuen. Jantien wünscht sich ein Downhill-Einrad und Annelou lässt sich überraschen. Was denken die vier, was mit der Volljährigkeit anders wird? Leonie: «Wir können wählen und abstimmen gehen.» Jantien erwähnt hingegen neue Pflichten: «Die Steuern kommen nun auch auf uns zu.» Auf ihre Zukunft freuen sich alle vier. Auf dem Plan stehen Reisen, die eigene Wohnung sowie Zufriedenheit und Erfolg im Beruf. Leonie ergänzt:

Alle vier können sich gut vorstellen, selbst einmal Kinder zu haben. «Es müssen ja nicht gleich fünf sein», lacht Niels. Wann haben die Vierlinge gemerkt, dass sie etwas Aussergewöhnliches sind? Niels erinnert sich:

Kam es auch zu klassischen Verwechslungen? «Nur die beiden eineiigen Schwestern wollten manchmal gleich angezogen sein, ansonsten kleideten wir uns individuell», sagt Leonie und ihre Mutter ergänzt: «Jedem Kind haben wir eine Farbe zugeordnet, von der Zahnbürste bis zu den Socken. So gab es keinen Stress.» Und Annelou sagt mit verdrehten Augen: «Ich hatte Orange!»

Grosser Zusammenhalt

Bruno Odermatt weiss noch, dass er besonders am Morgen beim Aufstehen Mühe hatte, seine Kinder auseinander zu halten. «Noch etwas verschlafen und alle mit identischer Stimme musste ich sehr genau hinschauen. Zum Glück hat jedes Kind eine eigene Mimik.» Verwandte und Göttis haben aber noch heute manchmal Mühe, jeden Vierling auf Anhieb richtig zu benennen. Als Vierlinge geboren zu sein, hat für die jungen Odermatts aus heutiger Sicht mehr Vor- als Nachteile. Leonie schätzt die enge Verbundenheit: «Es ist immer jemand zum Reden da.» Niels hingegen weiss noch, dass wenn er in der Schule etwas ausgefressen hatte, sicher eine seiner Schwestern es daheim ausplauderte. Dieser Zusammenhalt ist auch den Eltern rührend in Erinnerung:

Einen guten Zusammenhalt hatten die Vierlinge schon immer – auch mit der grossen Schwester Jolein (Mitte), die zwei Jahre älter ist. (Bild pd)

Einen guten Zusammenhalt hatten die Vierlinge schon immer – auch mit der grossen Schwester Jolein (Mitte), die zwei Jahre älter ist. (Bild pd)

Streng und stressig seien die 18 Jahre nur phasenweise gewesen. Während Papa Odermatt die Pubertät ins Felde führt, erinnert sich Mama Odermatt an die Zeit, als die Vierlinge laufen lernten. «Da gab es kaum eine ruhige Minute für mich». Die letzten 17 Kindergeburtstage waren immer eine grosse Party. «Wenn nur schon alle Göttis und Gottis mit Partnern kommen, sind es schnell 30 Personen», weiss Jantien. Und wie wird heute gefeiert? «Leonie und ich sind heute Abend an einem Open Air, Niels kommt heute erst aus seinen Ferien zurück, wir sind also gar nicht komplett», sagt die grosse Schwester Jolein. Die Party steigt dann nächstes Wochenende. «Aber im normalen Rahmen», betont Bruno. Normal hoch vier halt.

So berichtete die Luzerner Zeitung vor 18 Jahren über die Vierlings-Geburt – hier geht's zum PDF.

© CH Media

Meistgesehen

Artboard 1