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Luxemburg lockt Touristen mit einem Apfelstrudel aus Stahl

In Luxemburg sind Gebäude wie der KPMG-Firmensitz Teil des Sightseeings. Bild: zvg

In Luxemburg sind Gebäude wie der KPMG-Firmensitz Teil des Sightseeings. Bild: zvg

Das Grossherzogtum setzt auf moderne Architektur und Industriekultur und interpretiert seine Wurzeln neu.

Schwarzgeld und Steueroasen, das verbinden viele mit Luxemburg. Und wenn man dem Ganzen etwas Positives abgewinnen will, so lässt sich sagen: Einige der schicksten Gebäude würden ohne die Finanzindustrie nicht dort stehen.

Allem voran die vom Luxemburger Architekten François Valentiny entworfene Fassade aus Stahl des Bürogebäudes der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG im Stadtteil Kirchberg. Von Einheimischen wird es liebevoll Apfelstrudel genannt.

Gebäude, die an Muscheln oder Schiffe erinnern

Der Stadtteil, der in den 1950er-Jahren vor den Toren der Stadt auf der grünen Wiese hochgezogen wurde, steht für den Aufschwung Luxemburgs – und den Wandel vom Industrieland zur Bankenmetropole.

Damals reichte der Platz in der Innenstadt weder für die expandierenden Finanzunternehmen noch für die Institutionen der Europäischen Union, also ging es raus aufs Land. Oder wie es ein Bankangestellte formuliert: «In Kirchberg war früher nix. Das war Land, das noch nicht einmal die Bauern wollten.» Das hat sich mittlerweile geändert: Heute kostet dort der bebaute Apartment-Quadratmeter 9000 Euro. Nicht nur das Bankenviertel bietet architektonische Highlights (insgesamt residieren im Herzogtum rund 145 Banken), sondern auch einige andere Gebäude: beispielsweise das Nationale Sport- und Kulturzentrum Coque, das vom französischen Architekten Roger Taillibert in seinen Ursprüngen bereits 1982 gestaltet wurde. 2002 erweiterte er es um das namensgebende muschelförmige Gebäude.

Drei Jahre später eröffnete in Kirchberg die Philharmonie. Christian de Portzamparc entwarf das Konzerthaus und bekam dafür den renommierten Pritzker-Architektur-Preis. Von aussen mutet das spitz zulaufende Gebäude mit 823 Säulen wie ein riesiger Ozeandampfer an, im Innern verstärkt der schräge Boden das Gefühl, sich auf einem schwankenden Schiff zu befinden.

Nur wenige hundert Meter entfernt steht der Neubau des Museums für Moderne Kunst, entworfen von Ieoh Ming Pei. Es beherbergt mit den Werken des Belgiers Wim Delvoye Kunstwerke, die für Gesprächsstoff sorgen: Dazu gehört eine Kapelle, deren Kirchenfenster sich bei näherem Hinsehen als zusammengesetzte Röntgenaufnahmen entpuppen.

Ganz anderes bietet Luxemburgs Süden an der Grenze zu Frankreich. Dort liegt das Zentrum des Bergbaus. Die Luxemburger waren bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts ein eher armes Volk.

Futuristische Architektur zwischen alten Hochöfen

Bis in die 1960er-Jahre schufteten die meisten Männer im Bergbau. Besonders hart waren die Arbeitsbedingungen vor dem Zweiten Weltkrieg. Helme oder Sicherheitsschuhe gab es für die Bergarbeiter nicht, sie waren Subunternehmer und arbeiteten im Akkord auf eigene Rechnung. «Die letzte Mine schloss 1981, insgesamt starben 1477 Arbeiter während eines Jahrhunderts Eisenerzabbau in Luxemburg», sagt Denis Klein, der durch das Nationale Bergbaumuseum führt.

Auch in Belval, einer nur 15 Autominuten von Rümelingen entfernt gelegenen Siedlung des Bergbaustädtchens Esch-sur-Alzette, prosperierte einst die Eisenerzindustrie. Übrig geblieben sind nur die Hochöfen. Um das Industrieerbe herum hat sich eine nagelneue Retortenstadt samt Universität gebildet. Die Architektur mutet futuristisch an. In dem Stadtteil leben und arbeiten nicht nur Studenten und Wissenschafter, auch Familien ziehen dorthin. Die einzige Bank residiert in Knallrot – im grössten Gebäude des Viertels.

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