Der deutsche Ex-Fussballprofi Thomas Hitzlsperger hat diese Woche öffentlich gemacht, dass er schwul ist.

Das Medienecho war gewaltig. Der Tenor: «Hoffentlich bricht jetzt eine der letzten homophoben Bastionen unserer Gesellschaft.»

Der Wunsch ist richtig. Falsch ist jedoch die Annahme, dass Homosexualität im Rest der Gesellschaft kein Thema mehr ist.

Beispiel Arbeitswelt: Offen schwul zu sein, hat in den meisten Fällen zwar keinen negativen Einfluss mehr auf die Karriere.

Wenn jedoch gemunkelt wird, einer der Bürokollegen sei schwul, dann ist das sehr wohl noch ein beliebtes Diskussionsthema.

Das ist zwar keine Tragödie - Klatsch und Tratsch gibt es über so manches -, es zeigt aber, dass unsere Gesellschaft mit Homosexualität längst nicht so entspannt umgeht, wie wir uns das weismachen wollen.

Diese These bestätigen die Reaktionen auf mein publiziertes Interview mit einem schwulen Hobbysportler.

Wegen der Frage, was ein Schwuler fühlt, wenn er gemeinsam mit anderen Männern duscht, wurde ich auf Twitter beschimpft. «Homophob!», lautete der häufigste Vorwurf.

Dabei sind Fragen dazu da, Unwissen zu beseitigen und Vorurteile abzubauen.

Solange Diskussionen über Homosexualität solche Überreaktionen hervorrufen, ist Schwulsein noch nicht vollständig in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.

Und somit wird ein Coming-out weiterhin Mut brauchen - nicht nur bei Fussballprofis.