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Jetzt erst recht: Statt Berührungen gibt es in der Quarantäne Telefonsex

Wie geht Sex ohne Berührungen? In der Isolationszeit greifen viele auf Telefonsex zurück.

Wie geht Sex ohne Berührungen? In der Isolationszeit greifen viele auf Telefonsex zurück.

Die Isolation verändert das Datingverhalten der Singles. Was jetzt wichtiger ist, erzählen zwei Singles und eine Sexualtherapeutin.

Mareike steht vor dem Spiegel und schminkt sich. Sie sucht sich ein schönes Outfit aus, das sie für ihr heutiges Date anziehen möchte. Normalerweise würde sie um kurz vor 19 Uhr in den Bus steigen und zu ihrer Verabredung fahren. Doch heute klappt sie den Laptop auf und aktiviert ihre Kamera. Denn in Zeiten des Coronavirus will die 54-Jährige nichts riskieren. «Vor einer Woche habe ich mich zuletzt mit einem Mann getroffen, aber jetzt würde ich das nicht mehr machen», sagt sie. Wieso nicht? «Aus Angst.» Das Coronavirus habe ihren Datingalltag sehr beeinflusst.

Anders sieht es bei dem 25-jährigen Julian aus. Er möchte seine Partnerinnen noch immer treffen. Für ihn spielen das Coronavirus und die Massnahmen keine Rolle: «Das ist viel Panik um nichts. Ich treffe ja immer nur eine Person.» Dass es dann drei verschiedene Frauen in einer Woche sein können, mache in seinen Augen keinen Unterschied.

Ein grosser Fehler, sagt Dania Schiftan, Sexualtherapeutin aus Zürich. «Sich jetzt zu treffen ist Dummheit. Heutzutage ist es einfach, kreativ zu sein und andere Lösungen zu finden. Man muss sich nicht immer sofort treffen.» Gerade die Kennenlernphase sei so interessant, dass sie leicht in die Länge gezogen werden könnte, ohne an Feuer zu verlieren.

Mehr Leute melden sich bei Datingapps an

Viele Singles sind durch die Isolation zu Hause. Um sich aber nicht ganz so alleine zu fühlen, greifen sie vermehrt zu Dating-Apps. Laut der Kennenlernseite «The Casual Lounge» sind die Anmeldungen auf dieser Plattform innerhalb einer Woche um 80 Prozent gestiegen, die Zahl der weiblichen Mitglieder habe sich verdoppelt. «Die Zeit, die die User auf unserer Seite verbringen, hat sich vervierfacht. Sie schreiben jetzt viel länger und intensiver mit ihren Flirtpartnern», sagt Heinz Laumann, Chef der Datingseite. Die Datingplattform Parship zeigt sich hingegen zurückhaltender und lässt verlauten, dass es bisher nicht möglich sei, eine klare Einschätzung zu geben.

Grössere Datingauswahl durch Coronavirus

Doch wie sieht es im Datingalltag wirklich aus? «Seitdem das Coronavirus da ist, bekomme ich viel mehr Nachrichten als vorher. Mein Handy klingelt andauernd», sagt Mareike. Noch vor vier Wochen habe sie mit sechs Männern pro Woche gechattet, «jetzt komme ich kaum noch hinterher».

Einen Grund für die vielen Neuanmeldungen sieht Sexualtherapeutin Schiftan in der vielen freien Zeit, die die Menschen nun haben. «Jetzt fällt den Leuten auf, dass ihnen der menschliche Austausch fehlt.» Ausserdem würden auch andere psychologische Hintergründe eine Rolle spielen: «In einer Krise wünscht man sich einen Partner, mit dem man Ängste, aber auch Aufgaben teilen kann. Man möchte sich in dieser komischen Welt sicherer fühlen.»

Sexting und Intimbilder sind gefragter denn je

Dating kann aber auch Ablenkung oder Beschäftigung sein. So sieht es Julian, der sich erst durch die viele freie Zeit wegen des Coronavirus auf einer Datingplattform angemeldet hat. «Ich wusste nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll, also habe ich gedacht, flirte ich mal ein bisschen», sagt er. Dass etwas Ernstes dabei rauskommt, glaube er nicht. Er sieht es als Zeitvertreib und Spass.

Sich zu treffen, gehört für ihn aber dazu. «Dass die Frauen das jetzt nicht wollen, nervt mich», sagt er. Eine grosse Rolle spielt für ihn der Sex. Verständlich, sagt die Sexualtherapeutin. Aber auch im sexuellen Bereich würden Onlinemedien viel Raum bieten. «Sexualität kann man auch digital ausleben.» Intimität solle man sich auch holen, um psychisch gesund zu bleiben. «Dafür muss man sich aber nicht zwingend treffen. Gewusst wie», sagt Schiftan. Sexting, Telefonsex, sich anzügliche Bilder schicken – all das sei Sex und Alltag bei vielen Paaren.

Auf diese Art von Zuneigung greift auch Mareike des Öfteren zurück: «Ich mache das sicher nicht bei jedem. Aber wenn ich Lust habe, dann schreibe ich meinem Partner schon etwas Erotisches. Auch Telefonsex finde ich sehr spannend.»

Sexbilder zu verschicken, sei für sie jedoch ein Tabu. Hier vor warnt auch die Sexualtherapeutin: «Wenn schon Intimbilder, dann nur ohne Kopf. Und so, dass man keine Muttermale oder Tattoos sieht, die einen verraten könnten.» Schiftan betont: «Es ist eine Frage der Kreativität und des Willens. Ausserdem ist es eine gute Form, sich nahe zu kommen – auch ohne wirkliche Berührungen.»

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