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Ist diese Farbe ein Evergreen? Nach dem politisch grünen 2019 kommt jetzt das modisch grüne 2020

Die Lobby im Hotel Walther in Pontresina von Interior-Designerin Virginia Maissen hat ein klares Farbkonzept. Ein Klassiker in Grün: der Bibendum-Sessel von Eileen Gray bei ClassiCon. In zarten Grüntönen lässt sich selig schlafen.

Die Lobby im Hotel Walther in Pontresina von Interior-Designerin Virginia Maissen hat ein klares Farbkonzept. Ein Klassiker in Grün: der Bibendum-Sessel von Eileen Gray bei ClassiCon. In zarten Grüntönen lässt sich selig schlafen.

Nicht nur in der Politik ist Grün im Trend. Die Farbe erobert auch unser Zuhause.

Wenn es um die Lancierung von Farbtrends geht, nehmen Restaurants, Hotels oder Concept-Stores oft eine Vorreiterrolle ein. Sie machen eine Farbe sozusagen salonfähig. Schaut man an entsprechenden Orten in die Runde, so fällt auf, dass uns die grüne Welle nicht nur in der Politik und beim Essen erfasst hat. Sie dürfte sich bald auch in den eigenen vier Wänden ausbreiten. Richtig wohltuend ist das, nachdem beim Wohnen viele Jahre die Farbe Weiss dominierte und dann durch Grau abgelöst wurde.

Schöne Beispiele, wie Grün inszeniert werden kann, sind zum Beispiel der Aesop-Shop in Berlin-Mitte des Designbüros Weiss-Heiten oder die Lobby des Hotels Walther in Pontresina der Zürcher Interior-Designerin Virginia Maissen. Sie verwandelte den Raum in einen prachtvollen smaragdgrünen Ort, den man gar nicht mehr verlassen möchte.

Die Farbe galt lange als altmodisch

Grün hat zwar zumindest in England seit der Industrialisierung eine lange Tradition. Dann allerdings liess man die Finger wieder von der Farbe, weil man sie für altmodisch hielt. Mit dem Wunsch nach Beruhigung und Erfrischung sowie als Gegenpol zu unserer digitalisierten Welt bekommt sie endlich den Platz, den sie verdient.

In zarten Grüntönen lässt sich selig schlafen.

In zarten Grüntönen lässt sich selig schlafen.

Den Weg geebnet hat der Umstand, dass seit ein paar Jahren Zimmerpflanzen wieder sehr beliebt sind. Überall trifft man zuhauf auf Monsteras, Gummi­bäume oder Elefantenfüsse. Schliesslich wirken sie wohltuend auf unseren Körper, fördern Konzentration und Kreativität. Zudem sorgen Zimmerpflanzen für Ausgeglichenheit im Wohnraum.

Obwohl manche ihre Zimmerpflanzen hegen und pflegen wie Haustiere: Viel einfacher ist es, das Grün mit ­Möbeln in die Wohnung zu bringen. Für Ralf Studer, Studiengangleiter für Farbdesign und Interior Design an der Schweizerischen Textilfachschule STF, kommt das nicht überraschend:

So wird Grün schon fast zur Sehnsuchtsfarbe. In der Farbenlehre steht Grün für die Mitte, weil sie aus reinem Gelb und Blau gemischt wird. Mit Grün verbinden wir viele positive Eigenschaften und Symbole. Die Farbe steht nicht nur für Natur, Fruchtbarkeit, Wachstum und Gesundheit, sondern auch für Umbruch und Neubeginn.

Wer sich nicht gleich an grüne Wände wagen will, versucht es mit einzelnen Möbelstücken oder Accessoires. Davon gibt es mittlerweile eine grosse Auswahl, die sich farblich zwischen zartem Pastellgrün, fröhlichem Gelb-Grün, beruhigendem Blau-Grün bis hin zu dramatischem Russischgrün bewegen. Selbst die Jugendstilfarbe Salbeigrün, die ihre Wurzeln in der «Arts and Crafts»-Bewegung hat, ist wieder da und wirkt alles andere als altmodisch, sondern dezent, zart und sanft.

Auch einige Möbelklassiker wie der Freischwinger S 43 von Thonet oder der Sessel Bibendum von Eileen Gray bei ClassiCon sind nun in Grün erhältlich. Die Farbe lässt sich ideal mit Weiss kombinieren oder mit verwandten ­Farben wie Gelb oder Blau. Edel wirkt die Kombination mit einem feinen Rosa.

Ein Klassiker in Grün: der Bibendum-Sessel von Eileen Gray bei ClassiCon.

Ein Klassiker in Grün: der Bibendum-Sessel von Eileen Gray bei ClassiCon.

Trendforscherin: Grün bringt mehr Glück und Optimismus

Wenn man sich für eine grüne Wandgestaltung entscheidet, sollte man folgende Aspekte beachten: Am besten eignen sich Räume mit viel Tageslicht. Ansonsten muss man für eine gute Beleuchtung sorgen. Licht und Glanz in den Raum können auch Spiegel oder reflektierende Stoffe wie Satin oder Seide bringen. Leuchtendes Grün kann schrill wirken. Da die Farbe stark abstrahlt, ist im Essbereich Vorsicht geboten, wenn man das Mahl nicht in unappetitlichem Licht geniessen will. Wer noch werweisst, findet vielleicht in der harmonischen Farbpalette «Green» des englischen Farbenunternehmens Little Greene den richtigen Ton.

So oder so dürfte die Investition in Grün gut angelegt sein. Das Thema wird uns laut der niederländischen Trendforscherin Li Edelkoort noch eine Weile beschäftigen. Ihr Workshop im vergangenen Dezember stand unter dem Motto «Grün» und zeigte für die Zukunft, wie vielfältig sich das Thema durch das Interior-Design und die Mode ziehen wird. Sie ist überzeugt, dass Grün weiter wachsen und das kommende Jahrzehnt prägen wird. Sie geriet gar ins Schwärmen:

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