Joggen ist günstig, unkompliziert und immer ausführbar. Die Seepromenade, der Waldweg, das Trottoir, alle sind sie Bühnen für die unterschiedlichen Bewegungs-Exhibitionisten. Bewaffnet mit fancy Reflektoren, Sportuhren, Allwetterkleidern, Ohrstöpseln, luftgefederten Rennschuhen und einer Extraportion Motivation hecheln, rennen sie Hauptstrassen entlang, spurten durch die Altstadt, erklimmen Hügel, durchstreifen Wälder oder schwitzen auf Tartanbahnen.

Was überzeugten Sportverweigerern nur ein mitleidiges Lächeln abringt, ist für andere eine Sucht; sie rennen, weil sie müssen. Oder weil sie auf einen Event hin trainieren.

Vom Luzerner Stadtlauf, dem Frauenlauf in Bern bis zur Zürcher SolaStafette bestätigen Zahlen die Prognose: Forciert durch den gesellschaftlichen Megatrend «Gesundheit», hat sich mittlerweile eine regelrechte Lauf-Pandemie ausgebreitet. An den zehn grössten Schweizer Volksläufen erreichten im vergangenen Jahr mehr als 200 000 Finisher das Ziel. An der Genfer Escalade, dem grössten Schweizer Lauf, spurteten vor drei Jahren 32 156 Menschen ins Ziel, 2017 waren es bereits 44 164.

Vitalität ist sexy

Bei aller Ambition: viele rennen nur deshalb, weil es in den Fitnessheftli steht. Vitalität auszustrahlen, ist sexy und heute wichtiger, als ein teures Auto zu fahren. Ein gesunder Körper zählt zu den knackigsten Statussymbolen der «Generation Fit». Und vom Hipster bis zur Hausfrau schickt es sich auch, im Athleisure-Look (Alltags-Tenü sportif) einzukaufen oder im Café zu sitzen.

Jogging ist nicht zuletzt darum so populär, weil es in der Öffentlichkeit geschieht. Weil einen der Nachbar dabei beobachten kann, wie man schon am frühen Morgen durch die 30er-Zone trabt. Oder man die Arbeitskollegen damit beeindrucken kann, über Mittag mal eben ums Seebecken gerannt zu sein – während der Bürokollege träge und gähnend das Cordon bleu aus der Kantine verdauen muss.

Wer rennt, ist den anderen irgendwie immer einen Schritt voraus. Dass es aber bei allem, das man bierernst betreibt, selten schadet, sich ein Quäntchen Humor zu bewahren, zeigt unsere Typologie: