Tourismus

Höher, tiefer, weiter: Schweizer jagen die Extrempunkte im Land

Die Älggialp gilt als Mittelpunkt der Schweiz. Hier hängt auch die Tafel mit den Namen der "Schweizer des Jahres". Dario Cologna wurde 2013 im Beisein von alt Bundesrat Adolf Ogi darauf verewigt.

Die Älggialp gilt als Mittelpunkt der Schweiz. Hier hängt auch die Tafel mit den Namen der "Schweizer des Jahres". Dario Cologna wurde 2013 im Beisein von alt Bundesrat Adolf Ogi darauf verewigt.

Ein neuer Trend lässt Schweizerinnen und Schweizer durch das Land schweifen: Die Jagd nach Extrempunkten.

Angefangen hat der Extrempunkte-Tourismus anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Landesvermessung Schweiz 2012, und er fand sofort Anhänger unter den Hobby-Topografen. Diese setzten sich zum Ziel, alle Extrempunkte ausfindig zu machen und zu begehen.

Dabei sind die höchstgelegenen Punkte die bekanntesten: Im Wallis die Dufourspitze (4634 m), in Bern das Finsteraarhorn (4274 m) und in Graubünden der Piz Bernina (4049 m). Oder die sechs Dreitausender: in Uri der Dammastock, in Glarus der Tödi, im Tessin der Adula oder das Rheinwaldhorn, in St. Gallen der Ringelspitz, in Obwalden der Titlis und im Waadt Les Diablerets. Alle diese höchsten Punkte bleiben Alpinisten vorbehalten. Die Höchstpunkte liegen mehrheitlich an der Kantonsgrenze oder nahe daran, da Gebirge natürliche Grenzen bilden. In Luzern steht das Brienzer Rothorn und in den beiden Appenzell der Säntis sogar an einem kantonalen Dreiländereck. Hingegen sind die Höchstpunkte von Basel und Genf sogar Behinderten zugänglich.

Tiefpunkt am Lago Maggiore

Bei der tiefstgelegenen Stelle liegt der Rekord, der zugleich auch für die Schweiz gilt, im Tessin in Brissago bei der Mündung Valmara. An sich haben alle Orte am Langensee die gleiche Meereshöhe, nämlich den Seespiegel (193 m), aber in Brissago ist dieser bei normalen Verhältnissen einige Millimeter tiefer als weiter alpenwärts. Die meisten kantonalen Tiefstpunkte befinden sich zwischen 300 und 400 Meter über Meer, sechs sogar unterhalb 300 Meter (SO, BS, BL, GR, AG, TI). Sie liegen mehrheitlich bei Gewässern. Einzige Ausnahme: Appenzell Ausserrhoden; hier ortet man den tiefsten Punkt in einem Siedlungsgebiet und zugleich an der Kantonsgrenze (Lutzenberg AR/Thal SG).

Nicht verpassen dürfen die Extrempunktsucher den geografischen Mittelpunkt der Schweiz. Der liegt auf der Älggialp in Obwalden und wurde schon 1988 mit einer Triangulationspyramide bestückt. Er liegt, bildlich gesagt, dort, wo eine in Karton ausgeschnittene Schweiz sich auf einer Nadelspitze im Gleichgewicht hält, also auf dem Flächenschwerpunkt. Würde man dasselbe mit einem Karton samt Aufbau der Geländetopografie machen, ergäbe sich ein anderes Balancezentrum gemäss dem Volumenschwerpunkt. Dieser befindet sich für die Schweiz am Eggstock Nord auf Urner Boden.

Gebräuchlicher ist der geografische Mittelpunkt; doch er ist nicht in jedem Kanton gut erreich- und erkennbar, weil nicht überall im Gelände markiert. Deutschschweizer Kantone sind diesbezüglich etwas beflissener. Besonders liebevoll hat der Kanton Aargau sein Zentrum im Hardwald bei Niederlenz gestaltet.

Kuriosität und Verschiebung

Speziell ist der Kanton Appenzell Ausserrhoden, dessen geografische Mitte in Innerrhoden liegt, in Schlatt-Haslen, weil sich Ausserrhoden bananenartig gekrümmt um Innerrhoden schmiegt. Speziell Mittelpunkte sind nicht in Stein gemeisselt; sie können sich verschieben. Wie im Kanton Bern: Seit 1991 war hier der Mittelpunkt in Oberdiessbach markiert. Weil aber 1994 das Laufental zum Kanton Basel-Landschaft wechselte, verschob er sich nach Bleiken auf die Falkenfluh. Als Bleiken 2014 mit Oberdiessbach fusionierte, war er wieder auf Oberdiessbacher Boden. Und sollte Moutier je den Kanton wechseln, wäre es dann wieder anders.

Jeder Kanton hat zudem vier Extrempunkte bezüglich der Himmelsrichtungen; total sind es 104. Vier davon sind kongruent mit den vier Windrosen-Extrempunkten der Schweiz: Im Norden das schaffhausische Bargen, Schwarze Staa, im Osten Müstair, der Piz Chavalatsch, im Süden Chiasso, Pedrinate, und im Westen das Rohneufer bei Chancy in Genf.

Einen speziellen Extrempunkt hat die bernische Gemeinde Uetendorf aufzuweisen, nämlich den grenzfernsten Punkt mit 69,24 Kilometer Distanz zur Landesgrenze.

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