Elisabeth Schnell

«Hier ist der Schweizer Landessender Beromünster» – die Stimme der Nation feiert ihren 90. Geburtstag

Rückblick in eine andere Zeit: Elisabeth Schnell im Studio des Landessender Beromünster.

Rückblick in eine andere Zeit: Elisabeth Schnell im Studio des Landessender Beromünster.

Elisabeth Schnell wird heute 90. Sie war in vielerlei Hinsicht eine Pionierin – auch was ihren Hund angeht.

Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Dazu gehört die Stimme von Elisabeth Schnell: klar, melodisch, bestens ausgebildet. Schnell spricht ein Züritütsch, das selbst für Basler schön klingt – und sie wird noch immer erkannt: «Als ich neulich im Zug sass und mich mit einer Kollegin unterhielt, sagte ein Mann zu mir: Meitli, du hast mich oft am Morgen geweckt.»

Auch mit 90 Jahren hat sie den Schalk in den Augen

Elisabeth Schnell feiert heute Mittwoch ihren 90. Geburtstag. Sie ist kein Meitli mehr, aber sie hat noch immer den Schalk in den Augen. Und sie freut sich, dass sie von den Kollegen geehrt und hoch respektiert wird. Erich Vock hielt ihr einen ganz speziellen Platz in seinem letzten Stück «8 Frauen» frei. Schnell war stimmlich präsent – mit den legendären Worten: «Hier ist der Schweizer Landessender Beromünster.» Es war die Rolle ihres Lebens.

Bevor Schnell in den 1950-er Jahren im Radio – für einen Stundenlohn von fünf Franken – als eine der ersten Frauen am Mikrofon ihre Premiere als Ansagerin machte, hatte sie die Handelsschule absolviert und die Schauspielschule besucht. Ihr Talent machte die Zürcherin zu einer der beliebtesten Komödiantinnen jener Zeit – und zu einer gefragten Darstellerin.

1948 spielte sie am Stadttheater Luzern im Sommernachtstraum den Part der Hermia, später übernahm sie am Schauspielhaus in Zürich kleinere Rollen. Mit César Keisers legendärem Cabaret «Kikeriki» trat sie im «Kom(m)ödchen» in Düsseldorf auf.

Wenn sie von ihrer Rolle in «Ueli der Knecht» (1954) erzählt, lacht sie herzhaft. Sie habe nicht das liebe Vreneli, sondern das Annelisi, das «strübschte Meitschi vom Dorf», gespielt. Die Rollen seien so vergeben worden, dass sie zu den Persönlichkeiten passten. Gestört habe sie dies nie.

Elisabeth Schnell war immer eine Frau für alle Fälle: Bevor sie auf der Bühne und in den Medien von ihren Jobs leben konnte, arbeitete sie als Reiseleiterin, badete Hunde und verrichtete Sekretariatsarbeit.

Auf ihrer schön gestalteten Homepage (www.elisabeth schnell.ch) lassen sich alte Sketches anhören – etwa von der «Automaus Möpsli», die 1974 unter dem Motto «Bi Panne ­bruuchts kei Manne» einen humoristischen Auto-Reparaturkurs für Frauen anbot.

Erfinderin des «Nachtexpress»

Schnell gehörte zu den kreativsten Köpfen jener Zeit, gestaltete eigene Sendungen wie «Kafichränzli», «Espresso» und «Im Auto durch die Schweiz». Und sie erfand mit dem «Nachtexpress» ein Format, das sich bis heute gehalten hat und im vergangenen Sommer das 50-Jahr-­Jubiläum feierte. Auch auf dem Fernsehbildschirm war sie präsent. In der Sendung «Ratatouille» wurde sie zur ersten Quizmasterin des Landes.

Wenn Schnell bei einem Glas Rotwein aus ihrem bewegten Leben erzählt, mischt sich auch ein wenig Melancholie in ihre Stimme. Viele ihrer ehemaligen Weggefährten sind von der irdischen Bühne abgetreten – so 2010 Ueli Beck oder im vergangenen Jahr Ines Torelli. Schnell sagt über sich, sie sei ein «altes Guezli», aber das Tempo ihrer Gedanken und ihrer Worte widerspricht dieser Selbsteinschätzung.

Der Respekt vor dem Alter ist ihr aber wichtig: «Ich freue mich, wenn ich ohne Hilfe aufstehen kann. Das ist ein wichtiges Stück Selbstständigkeit.» Vor dem Einschlafen bedanke sie sich immer für einen weiteren guten Tag.

Es sollen noch viele folgen – auch in ihrem zehnten Lebensjahrzehnt. An ihrem Zweitwohnsitz in Lauenen im Berner Oberland geniesst sie ausgedehnte Spaziergänge mit dem finnischen Hirtenhund ihrer Freundin Ursula Stacher – und wird auch dabei indirekt mit der eigenen Radio-Vergangenheit konfrontiert.

Denn Elisabeth Schnell war die erste Mitarbeiterin, die in Zürich von Studiodirektor Gerd Padel die Erlaubnis erhielt, einen Hund ins Studio mitzunehmen – mit der schriftlichen Auflage: «Solange sich der Hund nicht unbotmässig benimmt.»

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