Natur

Heimlich und still kommt der Fischotter in die Schweiz zurück

Eines der drei Fischotter-Jungtiere im Zoo Zürich, die am 19. Oktober zur Welt gekommen sind.

Eines der drei Fischotter-Jungtiere im Zoo Zürich, die am 19. Oktober zur Welt gekommen sind.

Fischotter-Nachwuchs im Zoo Zürich: Der ausgerottete Wassermarder kehrt aber auch in die Schweizer Wildnis zurück – das neue Jagdgesetz gefährdet ihn so wie die anderen Raubtiere in der Schweiz.

Eigentlich ist er ein Allesfresser, der Eier, Frösche, Vögel und Aas verzehrt. Aber umsonst heisst der Wassermarder nicht Fischotter. Er liebt Fische und weil das schlanke Tier keine Fettreserven anlegen kann, muss es die ganze Zeit jagen und fressen – täglich ein Fünftel seines Körpergewichts.

Das wurde dem flinken Jäger, der mit 60'000 Haaren pro Quadratzentimeter eines der dichtesten Felle in der Tierwelt hat, zum Verhängnis.

Als Fischerei-Schädling gejagt und ausgerottet

Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Europäische Fischotter (Lutra lutra L.) als Schädling bezeichnet und gnadenlos gejagt. Zuvor besiedelte er in der ganzen Schweiz Lebensräume bis 1600 Meter Höhe. Im Fischereigesetz von 1888 beschloss der Bund, den Fischotter auszurotten und die Jagd staatlich zu fördern.

Er organisierte Ausbildungskurse für Otterjäger, bezahlte Abschussprämien und finanzierte Jagdhunde und Fanggeräte. 1952 wurde das Jagdverbot zwar ausser Kraft gesetzt, trotzdem starb der Fischotter Ende der 1980er-Jahre vollständig aus.

Neben der Jagd spielte dabei auch die Fischarmut in den Schweizer Gewässern ein Rolle und nicht vor allem, wie zuerst vermutet, Chemikalien im Wasser. Die Fischsituation hat sich verbessert und Experten halten eine Wiederansiedlung des Fischotters für möglich.

Drei Junge im Zoo Zürich

Gehalten wird er auch im Zoo Zürich. Vor einem Monat kamen drei Junge zur Welt, welche gestern der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Fischotter gibt es in Zürich schon seit 1930. Doch Mitte der 1990-er Jahre stellte man fest, dass viele in Zoos gehaltene Fischotter möglicherweise Hybride waren, Mischlinge verschiedener Herkunft.

Nach den Richtlinien der Internationalen Naturschutzunion IUCN dürfen aber nur Tiere wiederangesiedelt werden, die genetisch den Tieren entsprechen, die vorher dort gelebt haben. In den letzten zehn Jahren hat der Zoo Zürich deshalb eine neue rein europäische Zuchtgruppe aufgebaut, aus der die Jungtiere stammen. Diese könnten somit für Wiederansiedlungen gebraucht werden.

Er kommt langsam zurück in sein Stammgebiet

Das ist aber wohl gar nicht mehr nötig. Seit 2000 wachsen die Populationen in benachbarten Ländern. Vor fünf Jahren wurden an der Aare sowie 2018 am Inn Jungtiere nachgewiesen.

Die natürliche Einwanderung sowie die Ausbreitung finden statt. Allerdings droht, dass der Schutz des Fischotters mit dem neuen Jagdgesetz in der Schweiz aufgeweicht wird.

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