Schlanker Bauch, lange Haare, reine Haut. Interessiert an Mode, Ernährung und Beauty. Trifft das auf Sie zu? Dann könnten Sie die nächste Influencerin sein. Klingt etwas oberflächlich und altbacken – ist aber so. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie «Weibliche (Selbst-)Inszenierung in sozialen Medien» der deutschen MaLisa-Stiftung, die letzte Woche vorgestellt wurde. Für diese Untersuchung wurden unter anderem 300 Instagram-Posts untersucht und Youtuberinnen interviewt. Internetfotos von Jugendlichen wurden mit denen der Influencerinnen verglichen.

Klickt man sich durch Instagram und die Youtube-Accounts der Influencerinnen, scheint alles Hand in Hand zu gehen: Neue Modetrends, Schminktipps und Fitness-Übungen. Die Bilder und Videos zeigen meist dünne Frauen mit langen Haaren in ihrem privaten Umfeld. Die Farbe rosa sticht dabei besonders ins Auge. Erschreckend, wie die deutsche Schauspielerin Maria Furtwängler findet. Sie hat die Studie zusammen mit ihrer Tochter, Lisa Furtwängler, in Auftrag gegeben und fasste das Ergebnis im Berliner RBB-Kulturradio zusammen: «Man muss sich fragen, was mit den Strukturen nicht stimmt. Ich habe das Gefühl, dass vermehrt das Frauenbild der Fünfzigerjahre gefördert wird.»

Die Themen seien eher eintönig, die der Männer hingegen breit gefächert und würden von Musik bis Politik reichen. Die befragten Youtuberinnen beklagten, dass es für Frauen schwieriger sei, einen abwechslungsreichen Inhalt zu bieten, da Mode und Beauty das sei, was der Zuschauer wünsche. «Je plakativer das Klischee, umso besser wird es geklickt. Wenn du einem gewissen Schönheitsideal entsprichst oder einer gewissen Erwartung, verdienst du natürlich besseres Geld», sagt eine der interviewten Influencerinnen. Das Bild, das die jungen Frauen auf ihren Instagram-Accounts zeigen, ist eindrücklich: 21 Prozent der Befragten gaben zu, ihre Brüste auf den Bildern zu bearbeiten, jeweils 19 Prozent schummeln ihre Hüften und Taillen schlanker. Gesicht, Beine, Po – alles wird bearbeitet, um einem gewissen Schönheitsideal zu entsprechen. Die Studie zeigt, dass Mädchen, die bestimmten Influencerinnen folgen, ihre Bilder stärker bearbeiten und grösseren Druck verspüren, schlank zu sein. Analysiert wurden unter anderem die Follower von Topmodel Heidi Klum oder Influencerin DagiBee, die auf ihren Kanälen Schminktipps gibt. Frauen, die Heidi Klum folgen, tendieren eher dazu, ihre Zähne weisser zu schummeln als diejenigen, die dem Topmodel nicht folgen. Alle befragten weiblichen Follower der jungen Youtuberin Dagi geben an, ihre Haut auf Bildern zu optimieren. Sie empfinden ihr natürliches Aussehen zunehmend als unzureichend.

Posen wie die Profis

Auch in Sachen Instagram-Fotoposen gibt es laut der Studie eine strenge Vorlage. Möchte man die Plattform beherrschen, muss man sich folgende Tricks merken: Wer «locker, stark und doch sexy» wirken will, muss das Bein zur Seite ausstellen. «Das liebenswürdige Mädchen» sollte das Bein zufällig überkreuzen. Dann wären da noch: der angewinkelte Arm und die Hand wie beiläufig im Haar; der attraktiv in S-Form gebogene Körper und der vermeintlich zufällige Blick über die Schulter. Eine Instagram-Nutzerin sagt dazu: «Ich habe bei vielen gesehen, dass man sich auf die Zehenspitzen stellt und ein Bein vor das andere tut, weil die Beine dann einfach viel, viel schlanker aussehen.»

Lisa Furtwängler sieht die Studienergebnisse kritisch: «Wir stehen vor einer Reihe von Fragen, auf die wir als Feministinnen zunächst keine Antwort haben.» Warum die erfolgreichsten Akteurinnen in den neuen sozialen Medien ausgerechnet jene mit den rückwärtsgewandt erscheinenden Geschlechterrollen sind und wie man eine grössere Vielfalt an Inhalt sichtbar machen kann, seien nun die Themen, welche die Stiftung in Angriff nehmen wolle. «Das geht uns alle an, und darüber müssen wir diskutieren», sagt sie abschliessend.