Im vergangenen Jahr wurde 10'457-mal eine Schwangerschaft medikamentös oder chirurgisch vorzeitig beendet. Das sind 11,7 Abtreibungen pro 100 Lebendgeburten. International hat die Schweiz damit eine der geringsten Raten an Schwangerschaftsabbrüchen.

Seit Jahren nehmen die Abtreibungen in der Tendenz ab, und dies trotz Bevölkerungswachstum. Erstmals trieben im vergangenen Jahr nun wieder mehr Frauen ab: ein Anstieg von 4 Prozent, bzw. 420 Abtreibungen mehr als 2017. Der Anstieg ist deutlich, kann aber auch nur ein Aussreisser sein.

Bemerkenswert: Der Anstieg betrifft die älteren Frauen von 30 bis 34 und 40 bis 44 Jahren. Abgetrieben wurde vermehrt in der Zeit bis zur 10. Schwangerschaftswoche. Also dann, wenn der Abbruch noch nicht ärztlich begründet sein muss. In dieser Zeit kann aber auch der neue Bluttest, der genetische Anomalien wie Trisomie 21 entdeckt, noch nicht angewendet werden bzw. dessen Resultate liegen noch nicht vor. Auf die neuen Möglichkeiten der pränatalen Diagnostik ist die Zunahme also nicht zurückzuführen.

Die meisten Abbrüche finden medikamentös statt (75%), was bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich ist. Doch obwohl von den 420 zusätzlichen Abbrüchen 320 vor der 11. Woche geschahen und nur 100 danach, gab es bei den chirurgischen Abbrüchen eine Zunahme von total 206.

Mehr Abtreibungen nach der 22. Schwangerschaftswoche

Die Zunahme jener Abtreibungen, die später vorgenommen wurden, betreffen mehrheitlich ein Stadium, in dem es nur sehr selten zu Abtreibungen kommt: nach der 22. Schwangerschaftswoche. 2017 wurden in diesem späten Stadium 41 Schwangerschaften beendet, 2018 waren es 70.

Der Anstieg der Abtreibungen geschah mehrheitlich in den Gebieten Genf (GE, VS, VD), Nordwestschweiz (BL, BS, AG) und Zürich (Kt.), wo sich der Anteil der Abtreibungen jeweils mehr als verdoppelte.

Irene Hösli, Chefärztin Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin in der Frauenklinik in Basel, sagt dazu: Begründungen seien schwierig auszumachen. «Der Gesamttrend ist wichtig, und der geht zurück.»

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