Manchmal bauen Menschen Mauern um ihr Herz. Nicht, um jemanden fernzuhalten. Sondern um zu sehen, wer die Kraft und die Geduld hat, sie abzutragen. Stein für Stein.

So ist Olten. Harte Schale, weicher Kern. Mit einer Mauer aus ständig summenden Geleisen, monotonen Lautsprecherdurchsagen und hektischen Menschenmassen. Den Bahnhof, den kennt jeder. Doch kaum einer traut sich raus. Wagt einen Blick hinter diese abschreckende Fassade. Dabei hat Olten doch extra zwei Brücken über die Aare geschlagen. Eine aus Holz, eine aus Stein. Es mag vorkommen, dass die beiden unterschiedlich temperiert sind. Aber das kann nicht der Grund sein, weshalb nur die wenigsten Nicht-Oltner auf die Idee kommen, sie zu überqueren.

Wenn ich bei Google nach „Olten ist“ suche, dann wundere ich mich höchstens darüber, dass der Vorschlag „die hässlichste Stadt“ nur an zweiter Stelle kommt. Offenbar wissen viele nicht einmal, „in welchem Kanton“ Olten liegt. Diese Ignoranz stimmt nachdenklich. Zum Glück sind Mauern dazu da, niedergerissen zu werden. Man kann es machen wie ehedem Bagger-Küde, der vor 20 Jahren das Restaurant «Isebähnli» demolierte. Es geht aber auch ohne Gewalt. Dafür mit einer Prise Zuneigung, ein wenig Zärtlichkeit und viel Humor.

Den haben die Oltner trotz der vielen Neider nicht verloren. Sie gehen auch nicht zum Lachen in den Rathskeller. Sondern der besten Burger wegen. Auf den „Chöbu“ ist man stolz. Ebenso auf die Aare. Und auf den Nebel im Herbst, wie mir einer von der Eastside weismachen will. Oder gleich „auf alles!“. Die Kollegin sagts - und ihre Augen beginnen zu leuchten.

Olten hat schöne Ecken und Kanten. Olten hat viel Kultur und viele Kulturen. Olten hat die berühmteste Kater-Statue und die mutmasslich höchste Dönerbudendichte westlich von Istanbul. Olten hat am meisten Optiker auf engstem Raum. Olten hat ein Bürostuhlrennen. Sorry, eine Bürostuhlrennen-WM. Und Olten hat grossartige Einwohner. Ich kenne zwar nur eine Handvoll näher. Aber die sind für mich mehr als repräsentativ.

Oltens Dilemma ist und bleibt die unsichtbare Mauer. Und es ist halt schon so: Besondere Orte sind wie besondere Menschen - schwer zugänglich. Man braucht Zeit und Verständnis. Aber es lohnt sich.

Nächster Halt: Schwaderloch AG