Auf ein Wort

Dieses Wort besetzt im Idiotikon sagenhafte 170 Spalten...

Schweizerisches Idiotikon. Das Nachschlagewerk schlechthin.

Schweizerisches Idiotikon. Das Nachschlagewerk schlechthin.

Die Mundartkolumne diesmal zu einem Wort, für das es fast unzählig viele Synonyme gibt

In meinen ersten Schuljahren gab es als wichtigste Wortarten Ding-, Gschlächts-, Wie- und Tuewörter (Verben). Tatsächlich ist tue (neben mache) der Inbegriff aller Verben, das Universalverb.

Als Hilfsverb bietet es sich an, um den Konjunktiv klar zu kennzeichnen: Si tüegen uufbigääre. Man kann damit auch die Satzbetonung umdrehen: Loone tuet si das nümme. Das einfache tue kann ‹tätig sein› bedeuten:

I ha z tue, bin beschäftigt, habe keine Zeit. Mit eim z tue haa bedeutet verkehren. Dann die Wendungen derzue tue, derfür tue, Massnahmen treffen.

Eine weitere Bedeutung ist ‹sich aufführen›. In diesem Sinn kann man guet tue, wüest tue oder tue wie lätz oder gar win e Chatz im Horner. Wer dergliiche tuet, macht etwas nur zum Schein.

Im Satz Das Fässli tuet öppe drühundert Liter geht es um einem Betrag, das Fassungsvermögen. Und als Infinitiv: Es isch mer ei Tue, ist mir egal.

Von den vielen Zusammensetzungen nenne ich abtue (etwas erledigen, ein Haustier töten, oder beim Puuretennis den Hornuuss des Gegners abfangen), duurtue (tilgen, bestreiten), uuftue (öffnen), zuetue (schliessen; anschaffen), über-, obtue (eine Pfanne über das Feuer oder auf die Kochplatte), umtue (fällen), uustue (ausgraben), vertue (zetten; vergeuden), zämetue (das dürre Heu), iitue (in den Stall treiben / zuknöpfen). Dem sett men äntli d Chnöpf iitue (ihn zurechtweisen), mit sinen eewigen Uusrede isch es nid abtoo.

Soo, für hüt tuets es! Wer es genauer wissen will, kann im Idiotikon Band 13, 290–460, nachschauen, auf fast 170 eng bedruckten Spalten.

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