Freizeit

Die Stand-Up-Paddler erweitern ihr Revier: Das führt auch zu Konflikten und einigen Verletzungen

Nur in Ufernähe darf auf die Schwimmweste verzichtet werden.

Nur in Ufernähe darf auf die Schwimmweste verzichtet werden.

Der Coronasommer gibt dem SUP-Trend nochmals Aufschwung. Die Paddler erobern die Flüsse. Und das bleibt nicht ohne Folgen für Mensch und Natur.

Mit Auslandferien ist es in diesem Sommer schwierig. Also stellt sich die Frage: Wie kann die Schweiz mal aus einer neuen Perspektive erkundet werden? Die Antwort lautet für viele: mittels Stand-up-Paddle, kurz SUP.

Auffallend viele Paddlerinnen und Paddler sind heuer nicht nur auf Seen anzutreffen, sondern auch auf Flüssen. Sie paddeln auf der Aare nach Bern, durchqueren Basel auf dem Rhein, powern sich nach einem hektischen Arbeitstag in Zürich auf der Limmat aus oder suchen auf der Reuss nach befahrbaren Wellen.

Mit dem SUP auf die Simme

René Lehmann, Leiter der Fachkommission SUP beim Verband Swiss Canoe, sagt: «Es werden in diesem Jahr vermehrt Kurse fürs Fliessgewässer gebucht.» Er bildet Instruktoren aus, bietet aber auch Kurse für die breite Öffentlichkeit an, von Einführungen auf dem See bis hin zum einfachem Wildwasser.

«Grundsätzlich können die einfacheren Schwierigkeitsgrade wie mit dem Kanu gemeistert werden», sagt Lehmann. «Zum Beispiel ist die Simme in manchen Abschnitten befahrbar. Das birgt aber gewissen Gefahren.» Als unerfahrener Freizeitpaddler auf die Simme zu gehen, wäre eine schlechte Idee. Dazu braucht es technisches Können, Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten, aber auch die entsprechende Ausrüstung, nebst Schwimmweste gehören dazu Helm und Spezialschuhe.

Wenig geeignet wären auch die aufblasbaren Billigbretter, die inzwischen an jeder Ecke zu kriegen sind. Begonnen hat der grosse SUP-Trend in der Schweiz vor rund fünf Jahren, zu Ende ist er noch nicht. «Wir rechnen diesen Sommer mit einer weiteren Zunahme der SUP-Verkaufszahlen», sagt Lehmann. Die günstigsten Bretter gibt es für weniger als 200 Franken. Lehmann beobachtet, dass sie oft eher als Familienspielzeug oder Badeinsel genutzt werden denn als Sportgerät. Für ein gutes Hardboard muss dagegen ein vierstelliger Betrag budgetiert werden.

Am gefährlichsten sind das An- und Ablegen

Der niederschwellige Zugang ist einer der Gründe für den durchschlagenden Erfolg der SUP. Im Unterschied zu Segelschiffen oder Motorbooten gibt es keine Prüfung abzulegen, jede und jeder darf sofort aufs Wasser gehen. Das bringt aber auch Probleme mit sich. So wagen sich manche auf Fliessgewässer, ohne sich der Unterschiede zum See bewusst zu sein.

Auf kleineren Flüssen können zum Beispiel Äste auf Kopfhöhe entgegenkommen. Und auch das Starten und Stoppen am Ufer kann bei Strömung zur Herausforderung werden. «Die meisten Verletzungen gibt es beim An- und Ablegen», sagt Lehmann. Laut Suva sind am häufigsten Beine, Knie und Füsse betroffen. Bei Stürzen verletzen sich Paddlerinnen und Paddler am Brett oder am Grund des Gewässers. Lehmann empfiehlt deshalb die 3-1-Regel: Auf dem Brett erst aufstehen, wenn es mindestens drei Meter vom Ufer entfernt und das Wasser mindestens einen Meter tief ist.

Der Schilfgürtel ist tabu

Auch das Gespür für die Natur ist nicht bei allen Paddlerinnen und Paddlern da. Es mag aus Freude an den Vögeln sein, wenn sich jemand einem Nest im Schilfgürtel nähert – aber die Vögel werden weniger Freude daran haben. Auch auf offenen Gewässern kann die aufrechte menschliche Silhouette bedrohlich auf Vögel wirken, und dies schon aus grossen Distanzen.

Der Kanuverband hat deshalb gemeinsam mit der Vogelwarte, Pro Natura und der Jagd- und Fischereiverwaltungskonferenz eine Kampagne lanciert. Darin wird insbesondere dazu aufgerufen, nicht vor Schilfgürteln zu paddeln, grossen Abstand zu Vogelschwärmen zu halten und Naturschutzgebiete zu respektieren. Auch Kiesinseln und Aufschüttungen sollten gemieden werden. «Das Sensibilisieren auf die Umwelt ist dem Verband ein grosses Anliegen», sagt René Lehmann von Swiss Canoe.

Auch in den Einsteigerkursen sei es ein wichtiges Thema. Daneben geht es in den Kursen natürlich um Technik. Wer verkrampft auf dem Brett steht, muss mit Beschwerden in Rücken, Schultern oder Ellbogen rechnen. Wird es aber richtig gemacht, trainiert es den ganzen Körper, besonders den Rumpf und den Gleichgewichtssinn. Es wird sogar in der Physiotherapie eingesetzt. Wer eine gute Technik hat, kann sogar erstaunlich schnell sein. Der Rekord über 200 Meter liegt bei 47 Sekunden – das ergibt einen Schnitt von 15 Stundenkilometern.

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