Falscher Gebrauch

Die Fahrer von Plug-in-Hybrid-Autos sind zu bequem – das hat ökologische Folgen

Ein Plug-in-Hybridauto hat einen Elektromotor und einen Verbrennungsmotor an Bord.

Ein Plug-in-Hybridauto hat einen Elektromotor und einen Verbrennungsmotor an Bord.

Hybrid-Autos, die an der Steckdose geladen werden, verbrauchen doppelt so viel Treibstoff wie versprochen – schuld sind die Fahrer, die ihr Auto zu wenig laden.

Schon der deutsche Satiriker Oliver Welke hat in seiner «Heute-Show» darüber gespottet: Bei den meisten Besitzern eines Plug-in-Hybrids liege das Ladekabel noch ein Jahr nach dem Kauf im Plastik verpackt und ungebraucht im Kofferraum. Nun zeigt eine Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts, dass an Welkes Witz tatsächlich etwas dran ist.

«Das Beste aus zwei Welten: Der Elektro- und der Benzinwelt»

Ein Plug-in-Hybrid ist ein Auto, in dem zwei Herzen schlagen: Ein Elektromotor, dessen Batterie an der Steckdose geladen wird, und ein Verbrennungsmotor. Beide Motoren treiben das Auto zusammen oder alleine an, je nach Fahrsituation. Ein Elektroauto und ein Benziner in einem. Allerdings mit dem Vorteil, dass dieses Auto im Gegensatz zu einem reinen Elektroauto bei fehlendem Strom nicht einfach stehen bleibt, sondern der Benzin-oder Dieselmotor das Auto ans Ziel bringt.

Ein Plug-in-Hybrid kann einige Kilometer auch rein elektrisch fahren. Die Batterie ist allerdings viel kleiner als in einem Elektroauto, weshalb die elektrische Reichweite viel geringer ist. Bei der Angabe des Treibstoffverbrauchs eines Plug-in-Hybrids machen die Autohersteller eine Mischrechnung zwischen Strom- und Benzinverbrauch. Versprochen wird ein Benzinverbrauch von zwei bis drei Litern auf 100 Kilometer. 2,5 Liter für einen 462 PS-starken Porsche Cayenne, tönt gut.

Eigentlich wären die guten Verbrauchswerte möglich

In der Theorie sind die Klima-Hoffnungen wegen der Plug-in-Hybride berechtigt, wird die Batterie des Autos fleissig geladen, sind diese tiefen Verbrauchswerte tatsächlich zu erreichen. Wenn da nur der Mensch nicht wäre: Das Fraunhofer-Institut hat rund 100000 Fahrzeuge mit kombiniertem Antrieb aus Europa, Nordamerika und China im Hinblick auf ihre reale Nutzung im Alltag untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge im Durchschnitt doppelt so viel Treibstoff verbrauchten, wie die Autohersteller anhand der Fahrten in offiziellen Prüfzyklen angeben. Bei Dienstwagen waren es sogar vier mal soviel. Grund dafür ist die Bequemlichkeit der Fahrer, die das Auto einfach viel zu wenig an den Strom hängen. Private laden ihren Hybrid gemäss der Studie nur an drei von vier Tagen, Dienstwagen werden durchschnittlich sogar nur an jedem zweiten Fahrtag an die Steckdose gehängt. Und so fährt das Auto dann halt mit Benzin statt mit Strom.

In Deutschland steuerlich bevorteilt

In Deutschland erregt diese Studie besondere Beachtung, weil Plug-in-Hybride dort steuerliche Vorteile haben. Die Studienautoren schlagen denn auch vor, dass die Förderung in Zukunft an die tatsächliche eletrische Nutzung gekoppelt werden sollte. Wer nicht regelmässig Strom tankt, soll nicht mehr von Prämien profitieren.

Zudem sollen die Autobauer die elektrische Reichweite ihrer Plug-in-Hybride von gegenwärtig 50 auf 90 Kilometer erhöhen, weil das die Fahrer motiviere, tatsächlich elektrisch zu fahren. In diese Richtung geht die Entwicklung der Plug-in-Hybride allerdings bereits.

Verwandte Themen:

Autor

Bruno Knellwolf

Meistgesehen

Artboard 1