In der Schweiz werden jährlich pro Kopf 1110 Tassen Kaffee getrunken. Spezialitätenkaffees spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Bereits spricht man von der «Third Wave», der dritten Welle der Kaffee-Bewegung, die ursprünglich in den USA losgetreten wurde. Während die dritte Welle die speziellen Bohnen und Zubereitungen in den Mittelpunkt stellt, ging es bei der ersten Welle nur um den Filterkaffee der 50er- und 60er-Jahre und bei der zweiten Welle um Espressogetränke.

Bisher konnte keine Bewegung den Café Crème verdrängen. In jeder Mensa, jeder Cafeteria liegen Kaffeerähmli oder werden auf dem Tellerli neben der Tasse in Restaurants serviert. Eine Umfrage bei 17 Cafés in 8 Schweizer Städten zeigt: Der Kaffee Crème wird immer noch am häufigsten verkauft. Im Durchschnitt ist laut der Umfrage etwa jeder zweite verkaufte Kaffee ein Café Crème und etwa jeder vierte ein Cappuccino oder Latte macchiato. Das restliche Viertel sind Kaffeespezialitäten, die je nach Lokal variieren.

Kaffeevorlieben sind allerdings auch eine Frage des Alters: Die italienischen Varianten Latte macchiato und Cappuccino haben in den letzten 20 Jahren vor allem bei den Jungen Boden gutgemacht. Sie mögen die Milchvarianten lieber als den Kaffee Crème. In Cafés für junges Publikum wie zum Beispiel im Café Frühling in Basel oder im Spettacolo in Zürich werden sie häufiger bestellt als der Kaffee Crème. Er wird aber auch dort nicht verschmäht und ist in beiden Kaffeesalons die Nummer 2.

Im Vergleich zu vor 20 Jahren hat der Crème dennoch an Marktanteil verloren. Das bestätigt André Burri, Besitzer der «Aarauerstube» in Aarau. Er stellt fest, dass wir insgesamt nicht weniger Kaffee trinken. Da das Angebot viel breiter sei als früher, verteile sich der Konsum aber auf mehrere Kaffeearten. Vor 20 Jahren habe es an den meisten Orten wenige Alternativen zum «Crème» gegeben, das sei heute anders. Burri: «Früher konnte eine Kaffeemaschine vielleicht drei verschiedene Kaffees produzieren – heute gibt es zehn Knöpfe. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass der Kaffeemarkt zersplittert.»

Lange galt der Café Crème als der Schweizer Nationalkaffee schlechthin. Der Cremige erreichte endgültig Kultstatus in den 70er-Jahren, als die Industrie die Kaffeerahmdeckel mit idyllischen Alpenlandschaften verzierte und zum Sammlerstück machte. Fortan waren die Schweiz und ihr «Kafi Crème» unzertrennlich. Noch heute trotzt er allen Trends und Modebewegungen, die den Kaffeemarkt in den letzten Jahren revolutionieren wollten. Seinen ersten Platz in den Porzellantassen der Schweiz dürfte er noch einige Jahre behalten.