Wir schleppen ergonomische Matratzen. Kaufen kuschelige Kissen. Suchen uns Bettdecken aus Kaschmir, Schafwolle oder Federn. Scheuen weder Kosten noch Zeitaufwand auf der Suche nach erholsamem Schlaf. Wer will schon wegen Knauserigkeit schlecht schlafen?

Um den Pyjama aber, in dem wir einen Drittel unseres Lebens verbringen, machen sich die wenigsten viel Gedanken. Egal ob Seide oder ausgebeultes T-Shirt: «Hauptsache bequem!», ist das wichtigste Auswahlkriterium. Textilforscherinnen der Hochschule Luzern sind aber der Überzeugung, dass mehr herauszuholen ist. Sie setzen sich zum Ziel, einen Pyjama zu entwickeln, der zu besserem Schlaf verhilft. «Es ging uns um die Frage, wie ein Pyjama helfen kann, unsere Körperfunktionen im Schlaf zu unterstützen, indem er zum Beispiel die Temperatur reguliert oder die Feuchtigkeit abtransportiert», sagt Projektleiterin Isabel Rosa Müggler.

Funktional, aber natürlich

Im Bereich der Sportbekleidung ist solche Forschung gang und gäbe. Ein Sportler erwartet von seiner Bekleidung, dass sie atmungsaktiv, schweissabweisend, im Idealfall leistungssteigernd ist. Der Pyjama wird dagegen stiefmütterlich behandelt. «Doch wie bei der Sportbekleidung ist es auch für den Schlafanzug wichtig, dass eine Schicht mit der anderen zusammenarbeitet. Von der innersten Schicht, sprich dem Pyjama, über Bezüge und Bettdecke bis hin zur Matratze», sagt Catarina Dahlin, Geschäftsführerin des Start-ups Dagsmejan. Ihre Firma entwickelte gemeinsam mit der Hochschule Luzern und der Materialforschungsanstalt Empa den funktionalen Pyjama, dessen Aufgabe es ist, den Schlaf zu fördern.

Es gibt wohl kein intimeres Kleidungsstück als den Pyjama. Deshalb bevorzugen die meisten bequeme, natürliche Fasern für ihren Schlafanzug. Funktionale Stoffe konnten bisher aber nur mit synthetischen Fasern hergestellt werden. Das Ziel der Forschungsgruppe aus Luzern war, «die Wissenslücke zu schliessen, wie man mit natürlichen Fasern funktionale Stoffe produziert», sagt Müggler. Das Team hat deshalb eine Faser aus Buchenholz so weiterentwickelt, dass sie die Feuchtigkeit vom Körper aufnimmt und an die Aussenseite des Textils transportiert. Zudem ist der Stoff des Pyjamas an gewissen Stellen verdichtet und berücksichtigt damit, dass nicht alle Zonen am Körper gleich warm sind. So verhindert der Pyjama, dass der Schläfer verschwitzt aufwacht oder unter Zugluft leidet.

Der Pyjama kommt ohne verträumte Details wie Knöpfe, Spitzen, Etiketten oder Rüschen aus. Diese erhöhten nur das Risiko für Druckstellen und Reibungen, da man sich rund fünfzigmal pro Nacht bewege, so Dahlin. Zudem rollen sich die meisten Leute zum Schlafen zusammen und nehmen eine gebogene Position ein. Deshalb achtete das Entwicklerteam darauf, dass das Textil flexibel, dehnbar und anpassungsfähig wurde. «Dieser Pyjama gibt keinen Widerstand gegen die Bewegungen des Körpers», sagt Müggler über das rund 170 Franken teure Schlafgewand.

Mit dem entwickelten Material stünden nun auch andere Möglichkeiten offen. Man könne zum Beispiel erstmals Sportbekleidung aus natürlichen und somit erneuerbaren Materialien machen. In diesem Fall könnte das vernachlässigte Kleidungsstück helfen, eine Revolution im Bereich der funktionalen Bekleidung anzuführen.