Anziehen

Der neue Modetrend: Von Kopf bis Fuss auf Leder eingestellt

Françoise Hardy und Suzi Quatro waren Wegbereiterinnen: Coole Frauen trugen in den Sechziger- und Siebzigerjahren Lederoutfits. Heute ist der Ganzkörperlook wieder angesagt. Am besten farbig – und mit Rock-’n’-Roll-Attitüde.

«Was fühlst du, wenn du sie anziehst?» fragt ein Journalist in einem Dokumentarfilm die Musikerin Suzi Quatro bezüglich ihrer legendären Lederkluft. Die mittlerweile 69-Jährige antwortet: «Mich.» Grund genug für die Rockröhre, bei Auftritten immer noch in ihr Signature-Bühnenoutfit zu schlüpfen.

Leder ist wie eine zweite Haut. Entsprechend eng werden Hosen und Jacken seit jeher getragen. Und Leder hatte schon immer etwas Rebellisches. Als würde, wer Leder trägt, damit aussagen: «Rück mir bloss nicht auf die Pelle!» Jim Morrison trug 1969 beim Auftritt mit seiner Band «The Doors» im New Yorker Madison Square Garden eine Kalbslederjacke. Er streifte sie während des Konzerts ab und schleuderte sie ins Publikum.

Ein Fan fing das Stück auf und legte es seiner Freundin zu Füssen. 2015 war Morrisons zweite Haut für geschätzte 20 000 Franken auf einer Auktion zu haben. Auch Frankreichs Stars der YéYé-Jugendkultur in den Sixties trugen Leder. Keiner stand der unprätentiöse Look aus Jeans und Lederjacke so gut wie der melancholischen Chansonnière Françoise Hardy.

Diesen Herbst kehren die Bräute in Ganzkörper-Lederkluft zurück auf den Laufsteg und interpretieren mit einem Schuss Nostalgie die vergangenen Epochen der Leder-Bekleidung neu. Es muss heute indes nicht immer Schwarz wie in den Sechzigerjahren sein. Das Label Sies Marjan aus New York etwa schlägt Jacke und Hose aus Leder in sattem Violett oder Blau im angesagten Allover-Look vor. Chefdesigner Sander Lak ist bekannt für ungewohnte Farben und deren Einsatz.

Comeback-Show von Elvis Presley als Inspiration

Auch andere Designer sind von Kopf bis Fuss auf Leder eingestellt und sorgen für einen bunten Herbst. Die Kollektion der New Yorker Designerin Sally LaPointe setzt nebst klassisch stylischen «Biker Babes» in Schwarz auch auf monochrome Lederoutfits in Rot und Mintgrün.

Inspiration fand die Designerin, deren Looks unter anderem von Stars wie Lady Gaga oder Kate Perry geschätzt werden, angeblich bei der Comeback-Show von Elvis Presley. Jedes Stück enthält entweder Seide, Pailletten oder – Leder. Den King of Rock ’n’ Roll hatte man in den Sechzigerjahren fast schon abgeschrieben, als er seine Rückkehr auf die Bühne plante. Die NBC-Sendung «Elvis» wurde 1968 ausgestrahlt und ging in die Musik- und Modegeschichte ein. Elvis verlieh seinen Songs in hautengem Leder gekleidet neuen Glanz. Diesen Drive findet man in Sally LaPointes Outfits, die mächtig erhaben und feminin zugleich sind.

Wem Mintgrün oder Violett zu schrill sind, wählt Leder in erdigen Tönen wie Camel, Cognac oder Olivgrün. Das schwedische Label Acne Studios unter Leitung von Kreativdirektor Jonny Johansson verspricht in diesen Farbtönen «Elegantes Powerdressing aus der Sicht der Jugend». Johansson hat sich angeblich von seinem 15-jährigen Sohn und dessen Freunden inspirieren lassen. Es geht ihm um den Moment der Transformation, wenn man jung ist und sich nach einem reiferen Look sehnt. Was könnte sich dazu besser eignen als eine Lederkluft? Bei Acne Studios trägt frau weite Lederhosen mit hohem Bund, kombiniert mit kurzer Jacke und darunter fast nichts. Auch Lederhandschuhe haben ihren Auftritt in der Kollektion. Gerafft oder mit abgeschnittenen Fingern lassen sie die Achtzigerjahre aufleben.

Eleganz schlägt derweil das Label Tod’s vor. Blazers, Bleistift-Röcke und Kleider aus Nappa-Leder zelebrieren Klassik und Eleganz statt Rebellion. Wer keine Bühne rocken will, kombiniert gerade geschnittene Lederhosen mit einer Seidenbluse oder etwas Gestricktem. Wer hingegen Suzie Quatros Lebensgefühl möchte, wagt sich in einen ledernen Jumpsuit. Wenn möglich in einer unmöglichen Farbe.

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