Kürzlich hat mich im Büro jemand gefragt, ob es denn einen besonderen Grund gäbe, weshalb ich meine Bilder nicht anschreibe. Ich wühlte schnell in meiner Phrasenkiste und der abgedroschenste Spruch, den ich in diesem Kontext kenne, liess meine Stimmbänder schon leicht vibrieren, ich hielt mich aber im letzten Moment zurück. Für „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ hätte ich mindestens zwei Franken ins Phrasenschwein legen müssen. Und ich war an diesem Tag schon geschröpft worden.

Doch die Frage liess mich nicht ganz los. Was würde ich denn schreiben, unter all diese Bilder? In einem solch delikaten Fall gibts auf die Schnelle nur eine Lösung: Schauen, wies die Konkurrenz macht. Und sich davon inspirieren lassen. Ich suche also bei einer grossen amerikanischen Agentur, die vor allem Symbolfotos anbietet und deren Deutsch-Übersetzungen schon für so manchen Lachanfall gesorgt haben, nach ähnlichen Bildern.

Nehmen wir als Beispiel die Nummer 26 der Vordemwald-Galerie. Agentur-Vorschlag 1: „Fussball Im Grünen“. Poetisch angehaucht, aber doch etwas zu lasch. „Fußball ball auf Gras“ ist mir zu holprig, „Fussball Ball Einstellung auf dem grünen Rasen im Garten. (Tiefenschärfe)“ zu technisch. Im Optimalfall ist eine Bildlegende ja originell und vermittelt dem Leser Informationen, die er nicht auf den ersten Blick selber sieht. Und da sticht eine Interpretation besonders heraus: „Die alte Kugel auf dem Rasen. Das Konzept der unbeschwerte Kindheit.“ Wenn Sie also nicht wollen, dass ihr Nachwuchs dereinst jammert, er sei akut Burnout-gefährdet, wissen Sie nun, was zu tun ist.

Was ich bei der Suche auch noch gefunden habe, und den will ich Ihnen keineswegs vorenthalten: einen süssen Hund mit Ball. 

Lustige Fussball Hund

Lustige Fussball Hund

Als weniger tiefschürfend erwiesen sich die Erkenntnisse bei Bild 9. Die Bandbreite erstreckt sich von „viele Pfeile Zeichen“ über „Lustiger Richtung Wegweiser“ bis hin zu „Bunte Zeichen Punkte, die für die verschiedenen Reisezielen“. Kann man machen. Muss man aber nicht. Umso fideler wirds bei Bild 20, das eigentlich einen Hartriegel-Strauch zeigt, der fürs ungeübte Botanik-Auge aber aussieht wie Holunder und als solcher auch besser zur Geschichte passt. Beim Holunder, auf Englisch elderberries, auf gut Agentur-Deutsch „Früchte der Ältere“, scheint sich das Übersetzungsprogramm verselbstständigt zu haben. Dann kommen Sachen raus wie „ein Bündel von Holunder, abholbereit zum Kochen mitten im Sommer.“ Nicht schlecht. Mein Favorit ist aber ein anderer: „Bush der ältere mit Holunderbeeren.“

George lässt grüssen. Aus Vordemwald.

Ich bleibe dabei: Ich schreibe meine Bilder nicht an. Und überlasse alles weitere der Fantasie. Versuchen Sie doch mal, herauszufinden, wo welches Bild entstanden ist. Machen Sie einen Spaziergang durchs Dorf. Und wenn Sie wirklich schlaflose Nächte haben, weil irgendein entfernter Nachbar genau den Gartenzwerg vor seinem Haus hat, den Sie sich schon lange wünschen, Sie aber keinen blassen Schimmer haben, wo er steht: Ich kann helfen.

Nächster Halt: Olten SO