Er ist ein Suchender, ein Verletzter, arrogant und anmassend, aber nobel im Herzen. Und stolz. Fitzwilliam Darcy, Protagonist in Jane Austens Romanklassiker «Stolz und Vorurteil», ist für manche noch heute der Traummann schlechthin. Seinen zwei Gesichtern sei Dank: Dass er hin und wieder ein hochnäsiger Arsch ist, macht ihn zwar unsympathisch, aber auch sexy. Und dass er schliesslich aus seinen Fehlern lernt, seinen Stolz überwindet und Elisabeth doch noch heiratet – nachdem sie seinetwegen Höllenqualen durchlitt, versteht sich –, lässt ihn gar zum perfekten Schwiegersohn emporsteigen.

Ja, so gehen gute Liebesgeschichten.

Stark ist, wer stolz ist

Was Jane Austen vor zwei Jahrhunderten beschrieb, das ist heute wissenschaftlich erklärt. Evolutionstechnisch gesehen sind stolze Männer attraktiv: Wer stolz ist, kommuniziert erfolgreich seinen hohen Status, schwellt die Brust, klopft sich fleissig selbst auf die Schulter und ergattert sich so seine Fortpflanzungspartnerinnen.

Heute gilt gemeinhin als stark, wer um seinen Wert weiss und sich nichts bieten lässt. Personen, die diese Charaktereigenschaften nicht nur im Berufsleben, sondern auch im Alltag und zu Hause pflegen, übersehen eine wichtige Tatsache: Stolz ist der Ursprung vieler, ja vielleicht sogar der meisten Beziehungskonflikte.

Fühlt sich Stolz gut an, spricht die Psychologie von positivem oder «echtem» Stolz. Wir spüren ihn, wenn wir unserem Liebsten ein originelles Geschenk machen und er sich sehr darüber freut. Negativer oder auch «falscher» Stolz hingegen nährt sich aus Selbstüberschätzung, Unsicherheit oder mangelndem Selbstwertgefühl. «So lasse ich nicht mit mir umgehen» oder «Ich habe Besseres verdient» sind typische Reaktionen aus falschem Stolz.

Vom Schwelbrand zum Ungetüm

Wenn wir uns in unserem falschen Stolz verletzt fühlen, blocken wir ab, machen zu. Wir wollen verhindern, dass man uns weiter verletzt. Oder unserem Partner oder unserer Partnerin durch Sturheit ein bestimmtes Verhalten aufzwingen. Ich kenne das gut. Falscher Stolz isoliert.

Wenn wir nach einem Streit jede weitere Diskussion verhindern, schwelt die Unstimmigkeit weiter vor sich hin. Sie wächst zu einem Ungetüm, obwohl sie das vielleicht gar nie war. Eine Lösung wird immer schwieriger. Gibt der weniger Stolze irgendwann nach – weil das Anschweigen nervt oder man gemeinsam einen Termin wahrnehmen muss etwa –, ist der Konflikt noch immer nicht gelöst.

Sind Sie überzeugt, zu stolz für gezeigte Schwäche zu sein? Und sehnen Sie sich dennoch nach Frieden? Keinen falschen Stolz zu haben, bedeutet nicht, der oder die Schwächere zu sein. Man gibt nicht klein bei, wenn man nachgibt, sondern investiert in die gemeinsame Zukunft – indem man das Drama, das aus dem Stolz heraus wächst, sein lässt. Denn dass Stolz ein Beziehungskiller ist, das wusste schon Mr. Darcy. Irgendwann.