Coronavirus
Jetzt hat es auch das erste Büsi mit Covid-19 erwischt – sollten jetzt auch Haustiere getestet werden?

Coronaviren sind für die Katzenfamilie (Felidae) nichts Neues oder Unbekanntes. Sehr selten kriegen sie auch die menschliche Variante. Aber sie entwickeln meist keine Symptome und dürften auch keine Hot Spots sein.

Christoph Bopp
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In Coronazeiten sollten sich Büsi und Mensch (links) besser nicht so nahe kommen.

In Coronazeiten sollten sich Büsi und Mensch (links) besser nicht so nahe kommen.

Getty/Stockphoto

Im Veterinärmedizinischen Labor der Vetsuisse Fakultät der Universität Zürich wurde Sars-CoV-2 bei einer Katze nachgewiesen. «Eine an Covid-19 erkrankte Frau hatte sich an uns gewandt, als ihre Katze krank wurde und der Tierarzt keine Ursache finden konnte. Sie hatte von der Studie gehört, die bei uns gemacht wird, zu Haustieren in Covid-Haushalten.» Das teilt Frau Professor Regina Hofmann-Lehmann mit, Leiterin des Veterinärmedizinischen Labors der Universität Zürich.

Dass Katzen sich mit Sars-CoV-2 infizieren können, wusste man bereits länger. Das hatte man schon im Amoy Garden in Hong Kong beobachtet, dem vermuteten Epizentrum des Sars-Ausbruchs in 2002. Eine Untersuchung von 102 Katzen im Januar 2020 in Wuhan hatte ergeben, dass 15 Antikörper gegen das Virus gebildet hatten.

Grösste Viruskonzentration wie bei uns im Rachen

Dass mit Sars-Coid-2 infizierte Katzen Symptome entwickeln, komme aber sehr selten vor, sagt Hofmann-Lehmann. Und die allermeisten Fälle stammen eben aus Covid-Haushalten, so dass man annehmen muss, dass die Menschen die Katzen angesteckt haben.

Katzen stecken sich untereinander an, das stellte eine Studie fest. Aber sie erkranken in den meisten Fällen nicht. Die Ansteckung erfolgt wie beim Menschen über die Zellen im Rachen. Dort wurde auch die grösste Viruskonzentration gemessen. Deshalb sollte man auch vermeiden, mit Katzen-Sputum in Kontakt zu kommen.

Die Katzen testen lassen? Keine so gute Idee: Es sind die gleichen PCR-Tests wie beim Menschen und die kosten 150 bis 200 Franken.

Die Katzen testen lassen? Keine so gute Idee: Es sind die gleichen PCR-Tests wie beim Menschen und die kosten 150 bis 200 Franken.

Sandra Ardizzone

Soll man seine Katze testen lassen? «Das Labor, mit dem wir zusammenarbeiten, macht das nicht», sagt die Tierärztin Käthy Bucher Scholl. Und es muss ein RT-PCR-Test sein wie beim Menschen. Der kostet zwischen 150 und 200 Franken und muss selbst bezahlt werden. Der Ansturm dürfte sich in Grenzen halten.

Coronavirus und Katze – eine lange Beziehung

FCovs – feline Coronaviren – sind für die ganze Katzenfamilie keine Unbekannten, sondern extrem gefährliche Erreger. Sie gehören zu den Alphacoronaviren (die humanen Typen gehören zu den Betacoronaviren) und können Feline infektiöse Peritonitis (FIP) auslösen, eine gefährliche Infektion, die – wenn sie als Bauchfellentzündung (Peritonitis) manifest wird, – meist tödlich endet. Die Krankheit tritt nur bei Katzen (Felidae) auf und wahrscheinlich sind die Katzen das Reservoir des Erregers. Das heisst: Die Tiere können den Erreger lange beherbergen, ohne dass die Krankheit ausbricht.

Bei Sars-CoV-2 ist das nicht so. Katzen können sich zwar infizieren und sind eine Weile lang infektiös, aber ihr Immunsystem wird dann mit dem Erreger fertig. Hält man die elementaren Vorsichtsmassnahmen ein, haben Menschen von ihren Katzen nichts zu befürchten. Es gibt keine Hinweise, dass Katzen ein Sars-Reservoir sind.

Wenn die Verwandtschaftsbeziehung der felinen und humanen Coronaviren nicht so eng ist, warum können die Katzen dann den menschlichen Typ auch kriegen? Das hat biochemische Gründe. Die Eintrittspforte des Sars-Virus in die Zelle ist das Enzym ACE2. Es ist multifunktional und kommt an verschiedenen Orten im Körper vor.

Das Spike-Protein von Sars-CoV-2 und seine Andockstelle an der Zellmembran.

Das Spike-Protein von Sars-CoV-2 und seine Andockstelle an der Zellmembran.

Gesundheitsindustrie BW/EJ nach Wrapp et al. (2020

Zwischen Menschen und Katzen stimmt die Chemie

Nach den Affen (Schimpanse und Makake), bei denen die Chemie des ACE2 zu über 90 Prozent mit dem menschlichen übereinstimmt, kommt gleich die Katze mit 85,2 Prozent. Der Hund folgt erst weiter unten, was bedeutet, dass er zwar empfänglich ist für Sars-CoV-2, aber weit weniger als die Katze. Schaut man sich an, wie gut ACE2 mit dem Virus interagiert, kommen die Katzen auf einen Wert von 4 im Vergleich zum Menschen , näher als Hund (5) oder das als Zwischenwirt verdächtigte Pangolin (5).

Offenbar haben Katzen und Frettchen einen gemeinsamen Pool von Atemwegserkrankungen mit dem Menschen. Ob das aus molekularen Gründen so ist, indem sie beide für ähnliche Viren empfänglich sind, oder aus sozialen, muss offen bleiben.