Corona-Virus

Jetzt den Humor nicht verlieren: Alltagskomik in viralen Zeiten

Jetzt den Humor nicht verlieren: «Es ist nur zu deinem Besten. Du musst aufhören, dein Gesicht zu berühren», sagt der Hund zum Menschen.

Jetzt den Humor nicht verlieren: «Es ist nur zu deinem Besten. Du musst aufhören, dein Gesicht zu berühren», sagt der Hund zum Menschen.

Ein hochansteckendes Virus krempelt unser Leben gerade komplett um. Und bei aller Ernsthaftigkeit der Lage, der Alltag ist gerade auch voller ungewollter Situationskomik und Irrationalitäten. Eine kleine Sammlung von diesem Wochenende.

Wasser und Chips

Leere Regale, Hamsterkäufe überall. Kurz vor Ladenschluss am Samstagabend ergibt sich daraus ein interessantes Bild, was genau die Leute für unabdingbar halten. Nudel, Reis, Aufbackbrot, Gemüse alles noch logisch. Aber auch Schokoladenjoghurt sind ausverkauft, Mineralwasser, Javelwasser und Salz. Die interessanteste Studie an diesem späten Samstagnachmittags gibt aber das Regal mit den Pommes Chips ab, es ist wie leergefegt. In der Not frisst der Teufel Fliegen, Schweizer aber Chips vor dem Fernseher. (kaf)

Im Home-Office

Ehemann und Ehefrau haben von ihren Arbeitgebern Home-Office verordnet bekommen. Zuerst sitzen sie einträchtig am Küchentisch vor ihren Laptops. Er macht Kaffe. Doch dann beginnt sie sich an seinen lauten Telefonkonferenzen zu nerven. Er verzieht sich ins Kinderzimmer . Als die Kinder nach Hause kommen, zügelt sie in den Keller und er vorübergehend auf die Terasse. Es sei überall sonst einfach zu laut. Seine Erkältung am nächsten Tag dürfte definitiv nichts mit dem Corona-Virus zu tun haben. (kaf)

Nur noch kontaktlos

Erstaunlich wo das Virus überall seine Finger drin hat. Ich zahle ab sofort lieber, in dem in meine Kreditkarte auf das Symbol beim Bezahlterminal halte, statt Bargeld hervorzukramen. Das ist auch gut für mein Budget. Denn es liegen nur noch Einkäufe bis 40 Fr. – drin – darüber wäre eine PIN-Code-Eingabe, das heisst, Kontakt mit einem heiklen Gegenstand nötig. (kus)

Kinderlogik I

Abends auf dem Sofa erklärt das Kind: «Mama du darfst mich nicht mehr streicheln, wegen Corona an deinen Händen.» Worauf ich antworte, dass ich mir die Hände gründlich gewaschen hätte, diese also supersauber seien. Dem Kind genügt das nicht. Hände dürfe man nicht mehr berühren, das habe die Kindergärtnerin gesagt. «Aber weiss du was Mama, du kannst mich einfach küssen. Küssen geht immer.» (kaf)

Kinderlogik II

Was bis lang schnöde ignoriert oder gleich wieder vergessen wurde, ist nun verinnerlicht: Händewaschen. Und auch die «Hand vors Muul» – seit die Kindergärtnerin das gesagt hat, ist das drin. Sogar in gesteigerter Form. Die Tochter niest nun nicht mehr nur in die Hand, nein, sie niest in die Armbeuge. Vorbildlich. Und so niest sie also – und bewegt sich nicht mehr. Stiert in die Falten ihres Pullis. «Mama», fragt sie, «welche Farbe hat das Virus?» Eine gute Frage. «Ich glaube, es ist grün», sage ich. Die Tochter untersucht ihren Pulli. Dann entspannt sie sich, seufzt erleichtert. «Wir haben Glück. Ich sehe nichts Grünes. Ich bin gesund!» (ksc)

Mehr Sextoys

Bei uns werden jetzt mehr Autos kurzfristig gemietet!, meldet ein Fahrzeugverleiher. «Corona-Virus fördert das Fahrradgeschäft», schreibt ihrerseits die Fachstelle Velo. Die Leute würden lieber ein neues Velo kaufen als den öffentlichen Verkehr benutzen. Das freut uns natürlich für die Velohändler – solange sie nicht Ersatzteil-Mangel haben, wegen Lieferengpässen aus China. Sogar ein deutscher Produzent von Sextoys vermeldet, wo es viele Corona-Fälle gebe, stiegen die Verkaufszahlen deutlich. Italien liege zum Beispiel 60 Prozent über der Prognose mit den Verkaufszahlen. Wer nicht mobil bleibt, kurbelt also dafür dieses Geschäft an. Man wisse aus dem Feedback der Kunden, dass Zeit ein wichtiger Faktor sei, wenn es um Sexualität und Selbstbefriedigung gehe, schreibt die Firma, «Die Aussicht, potenziell mit oder ohne Partnerin und Partner eine längere Zeit zu Hause bleiben zu müssen, verleitet viele Menschen wohl dazu, Mittel und Wege zu finden, um das Beste aus der verfügbaren Zeit zu machen». (kus)

Nicht allein im Abteil

Alleine im Viererabteil zu sitzen, das ist nicht mehr nur eine Schweizer Eigenart, sondern eine epidemiologische Weisung von ganz oben, an die man sich in der 2. Klasse der SBB in (ebenfalls zu vermeidenden) Stosszeiten kaum halten kann. Es gilt also gut abzuwägen, neben wen man sich setzen will. Nicht zu alt sollte die Person sein (gefährdete Gruppe), nicht zu jung (gefährliche Überträger), nicht zu viel Gepäck sollte sie dabei haben (gefährliche Reiserei) und ja nicht husten (am allergefährlichsten). Am Schluss setz ich mich komplett erschöpft auf die Treppe, wo schon drei andere Verschupfte sitzen. (kaf)

Red Bull gegen Corona

Eine Kleinfamilie beim Einkaufen in der Migros. Der Mann kommt mit drei Riesenpackungen WC-Papier daher. Man wisse ja nie, Notvorrat und so, murmelt er. Seine Frau schaut wenig verständnisvoll, packt aber demonstrativ vier Packungen Red Bull obendrauf, ohne das Getränk können sie nicht überleben. Das etwa sechsjährige Kind beobachtet das Ganze und schreit: «Ohne ganz viel Milchschnitten sterbe ich sofort an Corona.» (kaf)

Alles desinfizieren

Händewaschen rettet Leben. Also wasche ich mir regelmässig mindestens 30 Sekunden die Hände: bis zum Handgelenk mit genügend Seife und dann gut abtrocknen. Aber nicht an einem dieser nassen Handtücher, die da schon den ganzen Tag auf der Büro-Toilette hängen. Also das Wasser einfach abschütteln. Und dann die dreckige Türfalle drücken? Besser auch nicht. Also mit dem Ellenbogen irgendwie die Türe aufhebeln. Zurück am Pult blicke ich auf meine verschmutzte Computertastatur und meine die Viren darauf fast erkennen zu können. In diesem Moment ploppt ein E-Mail auf: «Lassen Sie ihr Smartphone und ihren Laptop jetzt bei uns desinfizieren.» Bedürfnis erkannt, Angebot kreiert, so geht das in viralen Zeiten. (kaf)

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