Impfschutz
Boostern vor dem Ablauf der sechs Monate – Ansturm auf Zürcher Impftram

Im Zürcher Impftram gibt es eine halb-offizielle Chance auf Booster vor Weihnachten, selbst wenn sechs Monate seit der zweiten Impfung noch nicht vorbei sind. Sogar Ausserkantonale werden geimpft. Auch in Bern werden Ausnahmen gemacht.

Sabine Kuster und Pascal Ritter 1 Kommentar
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Update vom 9. Dezember 2021

Boostern, obwohl die sechs Monate nach der zweiten Impfung noch nicht abgelaufen sind: Dass dies im Zürcher Impftram möglich ist, hat sich in den letzten Tagen in der Stadt schnell herumgesprochen. Während das Impf-Personal letzte Woche im Tram noch wenig zu tun hatte, bildete sich am Dienstag vor dem Tram in Wiedikon eine lange Schlage: Rund eine Stunde musste man in der Kälte anstehen. Jedenfalls auf der Seite der Moderna-Impfung – beim Eingang für Pfizer/Biontech standen nur wenige Leute an. Dies, weil in der Schweiz die meisten Personen ihre erste und zweite Impfdosis von Moderna erhalten haben.

Kreuzimpfungen sind jedoch ebenfalls möglich im Zürcher Impftram – so kann auch die kürzere Schlange gewählt werden. In beiden Fällen – bei einer Kreuzimpfung und wenn die sechs Monate seit der letzten Impfung noch nicht abgelaufen sind – muss man ein Formular des Kantons Zürich unterschreiben, weil die dritte Impfung dann im sogenannten «Off-Label»-Modus stattfindet. Denn offiziell zugelassen sind zu frühe Impfungen auch im Kanton Zürich nicht. Wer sich per fixen Termin boostern lassen will, kann sich nur registrieren, wenn die sechs Monate abgelaufen sind.

Doch beim Impfen ohne Termin, das im Tram an unterschiedlichen Tramhaltestellen in Zürich noch bis am Samstag, 11. Dezember möglich ist, werden Ausnahmen gemacht. Sogar Personen, die nicht im Kanton Zürich wohnen. Teilweise müssen die Impfwilligen vor Ort jedoch etwas hartnäckig auf ihrem Willen bestehen. Danach willigen Sie mit ihrer Unterschrift ein, dass sie die Impfung möglicherweise selber bezahlen müssten und dass die Behandlungskosten bei allfälligen Nebenwirkungen nicht übernommen werden.

Off-Label-Impfungen können auch bei Hausärztinnen erfolgen

Dieses Risiko gehen einige ein: In Wiedikon wurden am Dienstag rund 400 Personen geimpft – darunter waren nur wenige Erstimpfungen. Am Mittwoch stand das Tram morgens beim Letzigrund und wieder warteten die Leute rund eine Stunde auf ihre dritte Impfdosis – im Regen.

Auch der Regen hielt die Booster-Willigen im Letzigrund nicht vom Impfen ab.

Auch der Regen hielt die Booster-Willigen im Letzigrund nicht vom Impfen ab.

Lorenz Biberstein

Auch im Kanton Bern sind Ausnahmen an Walk-in-Orten möglich

In vielen anderen Kantonen sind Impfwillige aus anderen Kantonen – soweit bekannt – nicht erwünscht. Graubünden weist sogar explizit darauf hin. Im Kanton Bern hingegen können sich laut Kommunikationsleiter Gundekar Giebel von der Gesundheitsdirektion auch ausserkantonale Personen boostern lassen. Die 3. Impfung ist auch hier bei den Walk-In-Angeboten erst nach sechs Monaten empfohlen, doch wenn jemand darauf bestehe liege dies «in der Verantwortung der ärztlichen Leitung vor Ort» und die impfwillige Person muss der Off-Label-Impfung ebenfalls explizit zustimmen.

Die Möglichkeit sich vor Ablauf der sechs Monate boostern zu lassen, hat man auf jeden Fall in allen Kantonen auch bei den Hausärztinnen und Hausärzten, sofern diese zur Off-Label-Impfung einwilligen.

Senioren müssen beim Boostern Vorrang haben

Der Grund, warum eine «zu frühe» Impfung «off-label» erfolgt, ist, dass die Kantone zuerst die älteren Personen boostern lassen wollen und vor allem die offizielle Zulassung auch von der Eidgenössischen Impfkommission (Ekif) und der Heilmittelbehörde Swissmedic erst für Impfungen nach sechs Monaten gilt.

Laut Christoph Berger von der Ekif gibt es keine Hinweise, dass ein Booster schon vor sechs Monaten nötig sei. Allerdings ist belegt, dass bei den meisten Personen das Antikörperniveau bereits nach drei Monaten deutlich sinkt und eine Ansteckung wahrscheinlicher wird. Der Schutz vor Spitaleinweisung bleibt durch die sekundäre Immunantwort der B- und T-Zellen bei jungen und mittelalten Personen aber sehr hoch.

Vor Weihnachten ist vielen womöglich aber ein anderer Effekt wichtig: Ein Booster bewirkt meist, dass man für einige Woche zu nahezu 100 Prozent vor einer Ansteckung geschützt ist und somit auch niemanden anstecken kann.

Risiko für Nebenwirkungen ist nicht höher

Das Risiko für Nebenwirkungen bei einer 3. Impfung ist nach fünf Monaten dasselbe wie nach sechs Monaten. Bei der dritten Moderna-Impfung fallen die Nebenwirkungen meist milder aus, weil nur die halbe Impfdosis verimpft wird im Vergleich zur zweiten Dosis.

Es geht bei den Boostern darum, zu warten, bis die Bildung der sekundären Immunantwort mit der Bildung der B- und T-Zellen abgeschlossen ist. So entfaltet eine neue Impfdosis die volle Wirkung. Immunologen gehen davon aus, dass dies spätestens nach fünf bis sechs Monaten der Fall ist.

In Italien kann nach fünf Monaten zum dritten Mal geimpft werden, in Österreich nach vier und in England (wo am häufigsten AstraZeneca mit tieferem Impfschutz verimpft wurde) sogar schon nach drei Monaten. Das dreistufige Impfschema hat sich auch bei anderen Impfungen wie der Zeckenimpfung bewährt.

1 Kommentar
Robert Müller

Jetzt drehen die Leute vollständig durch. Sie rasen von Spritze zu Spritze ohne Rücksicht auf Verluste. Mir tun jene leid, welche nicht mehr so beweglich unterwegs sind, zwar die Risikogruppe sind, jedoch von den hysterischen verdrängt werden. Schlimmer als im Ausverkauf.

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