Gesellschaft
Immer häufiger wollen sich auch Väter über Kinderfragen im Internet austauschen

Was, wer, wie, wo oder warum mache ich das eigentlich? Vermehrt wollen sich auch Väter über Kinderfragen und ihre eigene Rolle austauschen. Am liebsten tun sie dies unter Männern.

Karen Schärer
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Männer finden nicht auf alle Fragen zum Vatersein Antworten.

Männer finden nicht auf alle Fragen zum Vatersein Antworten.

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Im Internet ist Elternschaft häufig gleichbedeutend mit Mutterschaft: Darauf deuten die Namen der in der Schweiz bekanntesten Plattformen wie «Swissmom» oder «Mamablog» hin. Während bei Letzterem auch Männer die Beiträge diskutieren, bleiben Frauen im «Swissmom»-Forum weitgehend unter sich – und ein Pendant für den werdenden Vater fehlt.

Die mütterliche Dominanz in Bezug auf Elternthemen hat Tradition. Schon in Vorinternetzeiten waren Mütter bestens vernetzt: Geburtsvorbereitungskurs, Rückbildung und Krabbeltreffs bieten seit Jahrzehnten die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Müttern oder Fachpersonen. Für Väter fehlen entsprechende Strukturen und Netzwerke. Austausch über Kinderfragen und das Vatersein ist offenbar nicht vorgesehen.

So lange Männer ihren Frauen die Hoheit über Erziehungsfragen komplett überliessen und sich ihr familiäres Engagement auf den sonntäglichen Spaziergang beschränkte, fiel ihr Informationsdefizit nicht weiter ins Gewicht. Nun aber, da immer mehr Männer sich in ihrer Vaterrolle engagieren, ist ihr Austauschbedürfnis grösser.

Markus Theunert, Präsident von Männer.ch und Vater eines Säuglings, sagt dazu: «Es bestehen namhafte Lücken an Themen, die Männer beschäftigen.»

Die Informationen rund um Schwangerschaft und Elternschaft seien «brutal mütterzentriert», sagt Theunert, der zwar Antworten auf seine Fragen auf der sachlichen Ebene fand, aber wenig dazu, wie Männer damit umgehen. Und «Wir-Eltern»-Chefredaktorin und «Mamablog»-Initiantin Nicole Althaus sagt: «Väter haben einen riesigen Nachholbedarf.»

Väter schreiben für Väter

Dies finden auch Mark Bourichter und Kai Bösel. Sie haben in Deutschland vor einem Monat «daddylicious.de» lanciert, ein Online-Magazin, Blog und Forum mit dem Claim: «Von Vätern. Für Väter».

Es gebe im Netz kein vergleichbares Angebot, sagt Bösel: «Jeder Kerl landet unausweichlich auf irgendeiner rosa gefärbten Mami-Website, wenn er im Internet recherchiert. Diese Lücke wollen wir schliessen.» Der Vater als «Kerl» steht bei «Daddylicious» im Zentrum.

Wo das Schweizer Vätermagazin «Big Spick» primär «das Kind im Mann» ansprechen will, können sich Männer bei «Daddylicious» auch über Produkte schlau machen, welche die Autoren getestet und für gut befunden haben: Sie besprechen Snacks, preisen «Popelsauger» an und singen ein Loblied auf die Kindertrage von Ergobaby.

Doch eben: Damit kein Vater an seiner männlichen Ausstrahlung zweifeln muss, heisst es im Text zur Trage bestimmt: «Ja, als Kerl kann das Teil durchaus benutzt werden.»

Eine Interview-Serie stellt Väter vor, die urban, tätowiert und cool sind. Ein Vater-Bild, das offenbar anspricht: «Ich halte den Versuch für sinnvoll, väterliche Fürsorge und kernige ‹Kerlhaftigkeit› zu verbinden. Nur weil ein Mann zum Vater wird, wird er nicht zum ‹Gschpürschmi›-Birkenstockträger», sagt Markus Theunert.

Er zeigt sich überzeugt, dass dieses Väterbild gar gleichstellungspolitisch Einfluss haben kann: «Wird Vatersein von Männern als etwas Cooles wahrgenommen, kann das zu mehr häuslichem Engagement führen», sagt er.

Nicole Althaus, die in der Zeitschrift «wir eltern» darauf achtet, auch Väter zu Wort kommen zu lassen, sagt, es sei wunderbar, dass auch Männer diese Themen entdeckten. «Ein Austausch unter Vätern ist sicher sinnvoll, denn sie erleben die Situation anders als Mütter», sagt sie.

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