In dem Film «Sie nannten ihn Plattfuss» räumt Bud Spencer so richtig auf. Es gibt unzählige Prügeleien, und der bullige Schauspieler wirkt dabei sehr beweglich. Vielleicht liegt es ja daran, dass er damals Einlegesohlen trug. Denn die gehören seit vielen Jahren zu den Standardtherapien bei Plattfuss. Doch sind sie auch sinnvoll?

Etwa 80 Prozent der Menschen haben hierzulande, wie man es in der Medizin auszudrücken pflegt, eine «Fussdeformation». Die meisten davon haben wiederum das, was Bud Spencer seinen Spitznamen einbrachte, aber von Medizinern lieber als Senkfuss bezeichnet wird: Das Längsgewölbe im Fuss ist deutlich abgeflacht, hat aber noch keinen kompletten Bodenkontakt.

Oft findet man dabei noch einen Spreizfuss, bei dem das Quergewölbe des Fusses quasi «durchgetreten» ist, sodass die Belastungspunkte nicht unter den Ballen des grossen und kleinen Zehs liegen, sondern in der Vorfussmitte.

Und nicht selten gibt es sogar noch einen Knickfuss obendrauf, bei dem der hintere Teil des Fusses stark nach innen eingesunken ist, bis man am Ende einen Knick-Senk-Spreiz-Fuss hat. Zugegeben, das klingt eher nach Huhn als nach Mensch, und deswegen darf es nicht wundern, dass viele Betroffene und auch Ärzte ihn gerne beseitigen würden.

Dabei greift man oft auf Einlegesohlen zurück. Die Anwender erhoffen sich, dass sich dadurch ihr Fussproblem erledigen könnte. Doch dieser Hoffnung muss Orthopäde Dino Schulz aus Münster eine klare Absage erteilen: «Wenn man einen Senkfuss hat, und zwanzig Jahre lang Einlagen trägt, wird man danach immer noch einen Senkfuss haben.»

Die Fussform könne nicht durch Einlagen verändert werden. Wohl aber können sie die Beschwerden lindern, die mit einer Fussdeformation einhergehen. «So kommt es etwa beim Senk-Spreiz-Fuss oft zu Schwielen am Fuss und auch zu Schmerzen im Mittelfussknochen», erläutert Schulz, «und so etwas lässt sich durch Einlegesohlen lindern».

Gibt es noch keine Beschwerden, so kann man abwarten. Es gebe durchaus Menschen, die trotz eines ausgeprägten Senkfusses niemals Beschwerden entwickeln würden. «Andererseits sollte man auch nicht zu lange warten», warnt Schulz.

Kinder sollten barfuss gehen

Bei Kindern allerdings sollte man mit der Einlegesohle auf jeden Fall abwarten. Denn da ist die Formung des Fusses noch nicht abgeschlossen, sodass die Deformation noch verschwinden kann. Kinder beginnen ohnehin als «Plattfüsse» mit dem Laufen, doch die wachsen sich aus.

Dies bestätigt eine Studie der Wiener Universitätsklinik für Orthopädie, in der man die Füsse von über 800 drei- bis sechsjährigen Kindern untersuchte. Es zeigte sich, dass 54 Prozent der Dreijährigen einen Knick-Senk-Fuss hatten, doch bei den Sechsjährigen waren es nur noch 26 Prozent. Trotzdem trug jedes zehnte Kind eine Einlegesohle. «Wir haben ausgerechnet, dass rund 90 Prozent dieser Behandlungen entbehrlich waren», resümiert Studienleiter Martin Pfeiffer.

Offenbar widersetzt sich der Fuss auch bei Kindern einer Formung von aussen: Er entwickelt sich, wie er will. Beeinflussen kann man diesen Prozess aber: Nämlich indem man die Kinder so oft wie möglich barfuss laufen lässt, um die Fussmuskulatur zu trainieren. Studien haben nachweisen können, dass diese Strategie das Risiko für Plattfuss auf ein Drittel verringert.

Der Idealfuss des Menschen mit der Belastung auf den Ballen unter dem grossen und dem kleinen Zeh sowie hinten unter der Ferse stirbt in Mitteleuropa langsam aus: Nur noch 20 Prozent der Menschen laufen auf perfekten Füssen.