Gesundheit
Darmhypnose auf dem Sofa: Was gegen Reizdarm hilft

Wenn die Darmbarriere nicht mehr richtig funktioniert, kann es zum Reizdarm kommen. Nicht nur Alkohol und Zucker sind schädlich - auch zu viel Rohkost verträgt nicht jeder Darm.

Anja Stampfli
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Bauchraum eines Mannes mit Bauchschmerzen.

Bauchraum eines Mannes mit Bauchschmerzen.

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Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen nehmen in der Bevölkerung zu. Meist sind sie die Folge eines schlechten Lebensstils: Es wird zu viel Fett und zu viel Zucker gegessen. Zu viel Rohkost ist schlecht verdaulich und viel Fruchtzucker verträgt der Darm auch nicht immer. Dazu lassen Alkohol, Nikotin, zu starker Kaffeekonsum und Stress den Darm rebellieren.

Immer öfters werden deshalb Patientinnen und Patienten von Gastroenterologen und Gastroenterologinnen mit der Dia­gnose «Leaky Gut» konfrontiert. Man spricht von einem «löchrigen» Darm, wenn die Darmbarriere nicht mehr richtig funktioniert. Der Darm hat also nicht wirklich Löcher.

Normalerweise lässt die Darmbarriere Nahrung durch verschiedene Mechanismen durch, so zum Beispiel Nährstoffe, Vitamine oder Spurenelemente, die in den Blutkreislauf gelangen. Wenn die Mechanismen der Darmbarriere fehlerhaft sind, können auch krankmachende Mikroben in den Körper gelangen. Diese Fremdstoffe aktivieren das Immunsystem und setzen verschiedenste Botenstoffe frei.

Eine defekte Barriere kann zu Entzündungen führen

«Wenn die Mechanismen zu lange offen bleiben, kann dies Entzündungen in der Darmbarriere hervorrufen, was weitere Probleme verursacht», sagt Martin Storr, Gastroenterologe und Internist aus München. Storr ist ein Leaky-Gut-Experte. Seine Patienten und Patientinnen haben nicht nur Verdauungsbeschwerden, der durchlässige Darm kann auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fliessschnupfen, Herzrasen, Juckreiz an der Haut oder Gelenkbeschwerden hervorrufen.

Storr betont, dass Leaky Gut kein Krankheitsbild, sondern eine Zustandsbeschreibung sei. Wissenschaftlich nennt man dies «Permeabilitätsstörung», ein medizinisches Konzept, zu dem auch das Reizdarmsyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten gehören.

Zucker und Alkohol werden gestrichen

Um die Probleme zu therapieren, empfiehlt Stoll das FODMAP-Prinzip. Die Abkürzung steht für «fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole», also ein Konzept, bei dem Zucker und Alkoholverbindungen aus der Ernährung gestrichen werden. Es sind schnell vergärende Kohlenhy­drate, wie sie in Süssigkeiten, Brot (insbesondere Weizen), Milchprodukten, Steinobst oder Kohl vorkommen.

Auch wenn «Leaky Gut» nicht gänzlich geheilt werden kann – günstig beeinflussen kann eine Ernährungsumstellung den gereizten Darm auf jeden Fall. Ganz wichtig bei der Therapie sei auch die Stressreduktion des Darms, so Experte Storr:

«Wir nennen ein Programm zur Stressreduktion ‹Darmhypnose›. Diese kann ganz einfach auf dem Sofa mit dem Anhören einer CD selbst durchgeführt werden.»

Ebenso hilfreich sollen spezielle Reizdarmyoga-Übungen sein, Achtsamkeitsübungen für den Reizdarm wie «Mindful Darm» oder das Führen eines positiven Tagebuchs für den Bauch.

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