«Iss, Basel, iss»
Frank Lorenz hat Lust auf Asiatisch – er geht zu Mutter Vietnam

Sie flüchteten einst vor dem Krieg als Boat-People aus Vietnam - in Basel führen sie nun ein Restaurant. Und genau da will bz-Kolumnist Frank Lorenz hin. Nicht nur wegen der Gerichte, sondern auch um einen ganz besonderen Eiskaffee zu trinken.

Frank Lorenz
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Die Gastrokolumne der bz Die Gastrokolumne: Für die bz testen Romeo Brodmann und Frank Lorenz Gastronomie-Lokale in der Grossregion Basel.
Mum's kitchen - Ente
Mum's kitchen
Vinh Son
Mum's kitchen
Vietnamesischer Eiskaffee: "Ca Phe Sua Da" Für diesen vietnamesischen Eiskaffee werden stark geröstete Robusta und Arabica-Bohnen grob gemahlen und in ein Metall-Filterkännchen gepresst, das wiederum auf ein Glas gesetzt wird. Dann wird heisses Wasser draufgegossen, das langsam durch den Filter in ein Glas tropft, in dem auf den Tropf-Espresso eine grosszügige Menge Kondensmilch wartet.
Vietnamesischer Eiskaffee: "Ca Phe Sua Da"
Mum's kitchen

Frank Lorenz

Sie kamen vor vierzig Jahren übers Meer, als ganze Familie, mit vielen anderen. Man nannte sie die nach ihrer Fluchtmethode sinnigerweise Boat-People, Bootsmenschen. Gegen sechseinhalb Tausend kamen in der Schweiz an und fast alle durften bleiben. Sie suchten die Freiheit und trugen eine arbeitsame, aufstrebende Kultur in sich. Sie trafen auf eine sehr hilfsbereite Schweiz. Eine Familie heisst Dang und betreibt heute im Gundeldinger Quartier ein vietnamesisches Familienrestaurant mit Nachbarschaftsanschluss.

Mum’s Kitchen

Zusammenfassung: Asiatisches nach Art von zwei Müttern, in familiärem, nachbarschaftlichem Umfeld.

Für wen: Alle Gundeli-Ureinwohner und Gäste. Familienfreundlich.

Preisniveau: Unteres Preissegment

Besonderes: Kaffee- und Eistee-Spezialität!

Kontakt:

Mum’s Kitchen

Margarethenstr. 45,

4053 Basel,

+61 271 89 89

Montag bis Freitag 11:00 bis 14:00 und 17:00 bis 23:00
​Samstag 17:00 bis 24:00 Sonntag geschlossen

Die Dangs und deren Schwiegerfamilie, die Nguyens wirten und kochen im Basler "Mum’s Kitchen" so, wie sie es von ihren Müttern Dang und Nguyen gelernt haben: Aus Respekt vor deren Kochkünsten trägt das Restaurant ihren Namen.

Im spartanisch-asiatischen Gastraum wirbeln die Geschwister Vinh Son und Thi Lan um die Gäste, die kommen (und wiederkommen). In mehreren Sprachen bedient der junge Chef, der eigentlich nach der Matur in der Fondsleitung arbeitete.

Scharf ist scharf

Er erklärt geduldig die Spezialitäten und berät besonders im Schärfe- und Stärkegrad der Speisen: Schon beim Mangosalat "Nom Xoai Voi Tom" fängt’s an: Mangostreifen, Rüebli, Crevetten, Sojasprossen, geröstete Erdnüsse und Schärfe nach Wahl. Als Hauptspeise empfiehlt der Chef die Hausspezialität: Im Pfefferblatt gebratene Rindfleischstreifen auf Reisnudeln (Bun Cha La Lot). Ein zitroniges Fischsösschen gibt’s im Schälchen dazu. Wir nehmen auch noch eine Entenbrust in würziger Sauce mit Gemüse (Vit Chien) und viel Reis.

Die reichlichen Platten munden.

«Iss, Basel, iss»

Das ist die Geschichte von Frank Lorenz und Romeo Brodmann und ihrer Liebe zur Gastronomie in der Region Basel. Sie lieben das Essen, doch darin einig, was nun spitze ist, sind sie nicht.

Lorenz ist Journalist und Theologe. Er leitet einen Ort der vielfältigen Gastfreundschaft in Basel, die Offene Kirche Elisabethen. Er liebt Essen und Gesellschaft und kocht selber gern.

Brodmann ist vom Fach, gelernter Koch, Zigarrenliebhaber, Journalist, Buchautor.

Lorenz und Brodmann testen für die bz die Gastronomie in der Region Basel. Die beiden Kolumnisten nehmen unterschiedliche Blickwinkel ein. Brodmann hängt sich an die Köche und schaut in die Töpfe, Lorenz legt sein Augenmerk auf die Gastlichkeit und die Gastgeber. Natürlich geht es auch immer darum, was auf dem Teller liegt. Doch sollen die Menschen, die in der jeweiligen Beiz arbeiten, im Mittelpunkt stehen.

Während der Hauptspeise flitzt ein Kellner mit einer abenteuerlich hohen Konstruktion aus Kännchen und Trinkglas durch den Gastraum, die natürlich unsere Aufmerksamkeit weckt: Es sei eine vietnamesische Kaffeespezialität, erfahren wir. Kaffeetrinken sei so etwas wie das nationale Hobby der Vietnamesen.

Die Franzosen hätten ihn ins Land gebracht und die Vietnamesen etwas Eigenes daraus gemacht: "Ca Phe Sua Da". Für diesen vietnamesischen Eiskaffee werden stark geröstete Robusta und Arabica-Bohnen grob gemahlen und in ein Metall-Filterkännchen gepresst, das wiederum auf ein Glas gesetzt wird. Dann wird heisses Wasser draufgegossen, das langsam durch den Filter in ein Glas tropft, in dem auf den Tropf-Espresso eine grosszügige Menge Kondensmilch wartet.

Nach dem letzten Tropfen und einer gefühlten Ewigkeit verquirlt Vinh Son kundig die beiden Flüssigkeiten zu einer eine braunen Crème. Sodann fügt er Eiswürfel hinzu und reicht uns einen herrlich aromatischen und belebenden Trank.

Die "Nuoc Sau"-Frucht

Herr Dang erwähnt noch beiläufig einen vietnamesischen Eistee, den wir natürlich auch sofort ordern: Er stammt aus der "Nuoc Sau"-Frucht, die sich die Familie - eingelegt in Zuckersirup - jeweils bei Familienbesuchen in grosser Menge importieren lässt. Darum steht das Getränk auch nicht auf der Karte. Wahrscheinlich würde auch kein Europäer die unaussprechliche - und noch weniger ansehnliche - Schrumpelfrucht oder deren Aufguss bestellen. Wer das herbsüsse Getränk auf Eis jedoch mal genoss, wird es wohl immer wieder wollen: zu verführerisch ist der Geschmack nach Strand und Tropen, nach der Freiheit, die die Vietnamesen im Herz aus der Heimat mitbrachten.