Solar Impulse 2

Zukunftsforscher «Mit Solarenergie lässt sich kein Jumbo antreiben»

Stephan Rammler (l.): «Solarbetriebene Flugzeuge sind ein wichtiger Aspekt für eine nachhaltige Mobilität»

Stephan Rammler (l.): «Solarbetriebene Flugzeuge sind ein wichtiger Aspekt für eine nachhaltige Mobilität»

Solar Impulse 2 beweist: Fliegen dank Sonnenenergie ist möglich. Der deutsche Experte Stephan Rammler aber glaubt: Den Luftschiffen gehört die Zukunft.

Solar Impulse 2 soll beweisen, welches Potenzial in erneuerbaren Energien steckt. Gehört solarbetriebenen Flugzeugen die Zukunft?

Stephan Rammler: Nicht allein. Solarbetriebene Flugzeuge sind ein wichtiger Aspekt für eine nachhaltige Mobilität. Bisher ist es erst der Start einer neuen technologischen Innovationslinie, in die bislang noch nicht so richtig investiert worden ist. Demonstrationsprojekte wie die Solar Impulse 2 sind immer auch gute Werbung für weitere Investitionen in solche Technologien.

Wann werden kommerzielle Personenflugzeuge mit Solarenergie fliegen?

In absehbarer Zeit keine. Mit Solarenergie lassen sich kaum jemals Flugzeuge antreiben, die wie ein Jumbojet 500 Leuten Platz bieten. Solar Impulse ist ein Einsitzer und braucht für den Auftrieb eine Spannweite von über 70 Meter.

Für welche Art von Luftfahrt könnte Solarenergie denn eine Rolle spielen?

Für Drohnen zum Beispiel. Militärisch genutzte Drohnen werden schon heute zumindest teilweise mit Solarenergie betrieben. Und Google will noch dieses Jahr solarbetriebene Drohnen in die Luft schicken, die mit Antennen bestückt sind, um entlegene Regionen mit dem Internet zu verbinden. Dafür ist Solarantrieb gut geeignet – die Drohnen müssen kaum Gewicht transportieren, können aber lange in der Luft bleiben.

Worin sehen Sie denn die Zukunft von Passagierflügen?

Dort sehe ich derzeit vor allem viel Potenzial bei Luftschiffen.

Zurück zu den Zeppelinen also?

Ja, genau. Der Vorteil von Luftschiffen liegt darin, dass diese dank eines mit Helium gefüllten Körpers bereits über genügend Auftrieb verfügen, ohne dass man wie beim Flugzeug über Geschwindigkeit und Vorschub Auftrieb erzeugen muss. Das hat den Vorteil, dass man auch grössere Gewichte, zum Beispiel Wasserstoffspeicher für die Brennstoffzellen, transportieren kann. Der Antrieb kommt damit mit weit weniger Energiezufuhr klar.

Aber Zeppeline sind langsam.

Klar. Wenn wir auf den Komfort, den wir heute haben, nicht verzichten wollen, dann wird uns nichts anderes übrig bleiben, als weiterhin auf die fossilen Energieträger zu setzen. Ihre Art von Energiedichte war historisch einmalig. Wenn wir auf erneuerbare Energien setzen wollen, dann müssen wir auch unsere Nutzungsformen umgewöhnen. Das heisst: Wir müssten mit tieferen Geschwindigkeiten klarkommen. Damit würde zwar die Aufenthaltsdauer an Bord steigen, doch liesse sich auch die Aufenthaltsqualität steigern. Kann man an Bord auch noch arbeiten, kommunizieren oder Freizeit treiben, so ist der längere Transport gar kein grosses Problem mehr, weil man die Zeit ja sinnvoll nutzen kann.

Würde Fliegen damit nicht massiv verteuert?

Das würde sich zeigen. Doch heute fliegen wir einfach wahnsinnig billig, weil die externen Kosten – wie zum Beispiel der CO2-Ausstoss – nicht in die Preisbildung einfliessen.

Aber das Fliegen würde auch teurer, weil der Komfort länger aufrechterhalten werden müsste.

Ja, schon. Wo man aber viel investiert in die Technologie, purzeln früher oder später die Preise. Argumente wie «das dauert zu lange», «das ist zu teuer» sind Totschläger-Argumente von Menschen, die sich nicht verändern wollen. Wer auf erneuerbare Energien setzen will, muss Abstriche machen.

Kommen andere erneuerbare Energiequellen für die Luftfahrt infrage?

Wasserstoff wäre eine Möglichkeit. Die Energiedichte von Wasserstoff ist zwar nicht so hoch, wie diejenige von fossilen Energieträgern, aber doch höher als jene von Batteriezellen, die für die Speicherung von Solarenergie benötigt werden. Es könnte sich also lohnen, Wasserstoff mithilfe von erneuerbaren Energien – also Wasserkraft, Wind oder Solar – herzustellen und damit Flugzeuge anzutreiben.

Stephan Rammler ist Mobilitäts- und Zukunftsforscher. Sein jüngstes Buch heisst «Schubumkehr – Die Zukunft der Mobilität». Rammler lebt in Berlin.

In Abu Dhabi startete die Solar Impulse 2 vor über einem Jahr ihre Reise um die Welt

solar

Meistgesehen

Artboard 1