Automobil

Zu Unrecht unterschätzt: der neue eSoul von Kia

Der eSoul von Kia geniesst angesichts der Strom-Offensive der deutschen Hersteller wenig Aufmerksamkeit.

Gegen die grossen Werbeoffensiven der deutschen Hersteller, die nun mit viel Budget-Einsatz ihre Plug-in-Hybrid und Elektromodelle lancieren, wirkt Kia beinahe schon bescheiden. Vermutlich hat man es einfach nicht nötig, mit grossen Worten auf sich aufmerksam zu machen; die Koreaner setzen auf Taten. Schon seit 2014 ist der Soul ausschliesslich als EV im Angebot.

Mit dem Optima hat Kia eine Plug-in-Hybrid-Limousine im Angebot, der kompakte Niro ist als Mild-Hybrid, Plug-in-Hybrid und auch voll elektrisch zu haben. Der Hintergedanke hinter dieser Produktvielfalt bei alternativen Antrieben ist klar: Die Co2-Reglementierungen sind strikt. Einen Flottenschnitt von 95 Gramm pro Kilometer gilt es ab 2020 zu erfüllen – während derzeit noch viele Hersteller mit der für 2019 geltenden Grenze von 130 Gramm pro Kilometer kämpfen.

Anders als mit flächendeckender Elektrifizierung lassen sich diese Vorgaben nicht erfüllen. Und die teuren Bussen zu bezahlen, die bei Nichterfüllung verhängt werden, kommt für Kia Produkt-Planer David Labrosse nicht infrage. «Wir setzen dieses Geld lieber sinnvoll ein. Etwa für die Entwicklung alternativer Antriebe oder Rabatte für unsere Kunden.» Welche Früchte diese Entwicklung tragen kann, zeigt nun die Neuauflage des Soul EV, die im Frühjahr 2020 auf den Markt kommen wird.

Schick, modern und ausdauernd

Beim Design setzt Kia mehr auf gekonnten Feinschliff. Der Soul EV wirkt nun erwachsener, ohne von seiner Einzigartigkeit einzubüssen. Natürlich polarisiert das Design weiterhin – es dürfte aber vielerorts auf Anklang stossen.

Einen grossen Sprung macht der Soul EV bei Batteriekapazität und Leistung. Der Akku im Unterboden des 4,20 langen Crossovers speichert nun 64 anstelle der bisherigen 39 Kilowattstunden. Das steigert die Reichweite bedeutend. Waren es bisher 250 Kilometer gemäss dem realitätsfernen NEFZ-Zyklus, sind es nun 452 Kilometer gemäss deutlich realistischerer WLTP-Messung.

Im realen Strassenalltag dürfte die Reichweite nun also gut und gerne doppelt so gross ausfallen. Die Reichweiten-Anzeige, die auf den ersten Testfahrten durchaus akkurat wirkt, prognostiziert bei voller Ladung rund 400 Kilometer. Damit taugt der Soul EV für weit mehr als nur den Einkauf in der nächsten Stadt. An einer Gleichstrom-Schnell­ladestation lädt der Koreaner mit bis zu 100 kW und kann in einer Stunde wieder auf 80 Prozent geladen werden. Mit etwas Planung sind also auch Urlaubsreisen kein Problem.

Flott unterwegs mit über 200 PS

Der Soul EV hat aber noch weit mehr zu bieten als nur Reichweite. E-Auto-­typisch glänzt er im Alltag mit gleichmässiger und unmittelbarer Kraftentfaltung und perfekter Laufkultur.

Anstelle der bisherigen 136 PS leistet die E-Maschine, welche die Vorderräder antreibt, nun 204 PS, womit der Crossover durchaus flott unterwegs sein kann und beispielsweise beim Überholen angenehme Reserven hat; der Sprint auf 100 km/h gelingt in 7,9 Sekunden. Zugleich bietet der Crossover dank hoher und fast senkrecht abfallender Dach­linie viel Platz für Passagiere und Gepäck.

Damit zeigt der Soul EV, dass Vernunft keineswegs langweilig sein muss – sowohl mit seinem Design als auch mit seinem sportlichen Vorwärtsdrang. Was der Koreaner in der Schweiz kosten soll, steht noch nicht fest. Rund 52000 Franken dürften es aber für das Topmodell mit voller Ausstattung sein.

Bedenkt man noch die bei einem Elektroauto deutlich tieferen Unterhaltskosten, ist das ein durchaus angemessener Preis für ein komplett alltagstaugliches E-Auto. Und das soll erst der Anfang sein, meint zumindest Kia-Produkt-Planer David Labrosse: «Wir glauben daran, dass sich die Batterietechnik in den kommenden zehn Jahren nochmals massiv verbessern wird.»

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